Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Die ZEITUNG

Arbeitsanweisungen

Materialien

Ergebnisse (David Kreuziger, Marcel Haeske, Julia Middel) als ppt-Datei
I. Arbeitsanweisungen:

Arbeitsanweisungen:

 

1. Bearbeitet das Mindmap unter besonderer Berücksichtigung folgender Gesichtspunkte:

Welche Rolle spielt die ZEITUNG?

  • Welche Ziele bzw. Ideologie vertritt die ZEITUNG?

  • Wer steht hinter der ZEITUNG und welche Interessenverflechtungen gibt es zwischen der ZEITUNG und anderen gesellschaftlichen Institutionen bzw. Einzelpersonen?

  • Welche Bedeutung hat die ZEITUNG für die öffentliche Meinung ?

Wie geht die Zeitung mit den Fakten um?

  • Untersucht im einzelnen, welche Fakten der ZEITUNG bekannt werden und wie sie diese Fakten in ihren Artikeln darstellt.

  • Wie bearbeitet die ZEITUNG die Fakten?

  • Vergleicht das Vorgehen der ZEITUNG mit den Methoden der BILD-Zeitung, wie sie Günter Wallraff beschreibt. Welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede gibt es?

Woher bezieht die ZEITUNG ihre Informationen?

  • Welche Informationen beruhen auf eigenen Recherchen der ZEITUNG?

  • Wie geht die ZEITUNG bei ihren Recherchen vor?

  • Welche anderen Informationsquellen benutzt die ZEITUNG?

  • Welche Informationen erhält sie aus diesen Quellen?

Wodurch ist die Sprache der ZEITUNG gekennzeichnet?

  • Untersucht die Artikel der ZEITUNG und stellt die charakteristischen Merkmale der Sprachverwendung in der ZEITUNG zusammen.

  • Welche Absicht verfolgt die ZEITUNG mit ihrer sprachlichen Darstellung?

Wie wirkt die Berichterstattung der ZEITUNG auf die verschiedenen Figuren?

  • Wie äußern sich die verschiedenen Figuren zu den Berichten der ZEITUNG?

  • Welche Maßstäbe liegen ihren Äußerungen zugrunde?

  • Wie wirkt sich die Berichterstattung der ZEITUNG auf das Leben der Figuren aus?

Wie verhält sich die ZEITUNG zu den Empfehlungen des Deutschen Presserats?

  • Ermittelt anhand der Materialien, welchen Ehrenkodex die Presse einhalten soll.

  • Vergleicht diesen Ehrenkodex mit dem Vorgehen der ZEITUNG. Beachtet insbesondere, wie die ZEITUNG öffentliches Interesse und Privatsphäre gegeneinander abwägt.

2. Erarbeitet eine Präsentation (in der Form Eurer Wahl), die Eure Ergebnisse zusammenfassend darstellt. Achtet darauf, dass Ihr Eure Aussagen mit genauen Textnachweisen belegt.

II. Materialien:

Art. 5 GG (Meinungsfreiheit):

 „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten [...] Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. [...] (2) Diese Rechte finden ihre Schranken [...] in dem Recht der persönlichen Ehre."

„Die im Grundgesetz der Bundesrepublik verbürgte Pressefreiheit schließt die Unabhängigkeit und Freiheit der Information, der Meinungsäußerung und der Kritik ein. Verleger, Herausgeber und Journalisten müssen sich bei ihrer Arbeit der Verantwortung für das Ansehen der Presse bewusst sein. Sie nehmen ihre publizistische Aufgabe nach bestem Wissen und Gewissen, unbeeinflusst von persönlichen Interessen und sachfremden Beweggründen wahr. Diese publizistischen Grundsätze dienen der Wahrung der Berufsethik; sie stellen keine rechtlichen Haftungsgründe dar. 1. Achtung vor der Wahrheit und wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberstes Gebot der Presse. 2. Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Dokumente müssen sinngetreu wiedergegeben werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. [...]

3. Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen. 4. Bei der Beschaffung von Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden . [...]

6. Die Verantwortung der Presse gegenüber der Öffentlichkeit gebietet, das redaktionelle Veröffentlichungen nicht durch private oder geschäftliche Interessen Dritter beeinflusst werden. Verleger und Redakteure wehren derartige Versuche ab und achten auf eine klare Trennung zwischen redaktionellem Text und Veröffentlichungen zu werblichen Zwecken .[...]

7. Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten eines Menschen öffentliche Interessen, so kann es auch in der Presse erörtert werden. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Persönlichkeitsrechte Unbeteiligter verletzt werden.

8. Es widerspricht journalistischem Anstand, unbegründete Beschuldigungen, insbesondere ehrverletzender Natur, zu veröffentlichen . [...] 1

2. Die Berichterstattung über schwebende Ermittlungs- und Gerichtsverfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Die Presse vermeidet deshalb vor Beginn und während der Dauer eines solchen Verfahrens in Darstellung und Überschrift jede einseitige oder präjudizierende Stellungnahme. Ein Verdächtiger darf vor einem gerichtlichen Urteil nicht als Schuldiger hingestellt werden . [...]"

aus: Die Grundsätze des Deutschen Presserates", Frankfurter Rundschau Nr. 302 vom 29.12.1973 (Beilage „„Zeit und Bild"" Nr. 52, S. VII).
„Heute meint man mit diesem Begriff jene Periodika, die vorwiegend auf der Straße zum Kauf angeboten werden, eine betont-populär-sensationelle Aufmachung (Balkenüberschriften, großflächige Fotos etc.) haben, den Leser durch schockierende Stories ansprechen wollen (sex, crime, war) und sich häufig bewusst einer sehr direkten Ausdrucksweise bedienen, die nicht selten die Vulgärsprache zu übertreffen sucht, um Neugier, Sensationshunger und Nervenkitzel einer bei der Lektüre kaum verharrenden Leserschaft permanent zu wecken und zu befriedigen."
Aus: Kurt Koszyk/Karl H. Pruys (Hrsg.), Stichwort „Boulevardpresse", dtv-Wörterbuch zur Publizistik, 3. Aufl. München 1973, S. 61

Günter Wallraff: Der Aufmacher – Der Mann, der bei BILD Hans Esser war (Auszug)1

Vorbemerkung

Köln, den 16.9.1977

Ich verabscheue Gewalt und Terror. Ich verurteile die Morde an von Drenkmann, Buback und Ponto und den vier Begleitern Schleyers. Warum diese Vorbemerkung zu diesem Buch? Weil zur Zeit in diesem Land ein Klima herrscht, in dem demokratische Kritik diffamiert und in Terroristennähe gerückt wird. Ich z. B. wurde, nachdem ich mir erlaubt hatte, BILD von innen her kennen zu lernen, in diesem Blatt dreimal als „Untergrundkommunist" diffamiert, was auf neudeutsch so viel heißt wie „Terrorist". Auch in diesem Buch geht es um Gewalt, um eine besondere „geistige" Spielart, die keiner Molotow-Cocktails und Maschinengewehre bedarf. Die Opfer sind Menschen, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Würde. Kein Krisenstab und keine Großfahndung können diese Gewalt aus der Welt schaffen, keine Razzia wird die Geiselnehmer des Unterbewusstseins überraschen, kein Sonderkommando wird die verschleppten Erwartungen und Hoffnungen befreien, kein Staatsanwalt wird die Überwachung der Sympathisanten und Helfershelfer anordnen. Das Strafgesetzbuch selbst mit neuen Gesetzen gegen Terror und Gewalt fasst diese Taten nicht. Erst recht nicht die Täter. Gibt es sie überhaupt? Immer zweifelhafter ist mir das geworden, als ich sie besser kennen lernte. Sind nicht auch sie Opfer zugleich, die neue Opfer schaffen? Opfer einer Maschinerie, die geistige Gewalt automatisch produziert? [...]

„Ein armer alter Mann baut die herrlichsten Geigen der Welt"

In der Nähe von Hannover, bei Nienburg, lebt der Geigenbauer Montag, der mit ungeheurer Sorgfalt Meistergeigen herstellt. Da es nur noch sehr wenige Geigenbauer gibt, schlage ich vor, über ihn eine Geschichte zu machen. Das Thema kommt sofort an, wie alles, was man mit dem Attribut „edel" versehen kann: Edle Pferde, edles Porzellan, edle Instrumente, edle Kunst, Edelsteine. Es kommt da einiges zusammen: Erstmal der tägliche Umgang mit Schmutz in jeder Couleur; die Hoffnungslosigkeit, jemals in der gesellschaftlichen Wirklichkeit Schönheit zu finden, nährt den Traum von einem unantastbar Schönen, Edlen. Denn BILD-Redakteure sind gewöhnlich weder auf Marmor aufgewachsen, noch werden sie auf Marmor sterben – aber sie können drüber schreiben und sich so wenigstens ab und zu in Marmornähe fühlen. Die Träume der Journalisten erzeugen Träume der Leser, Träume vom Weg nach oben. Ich werde bei BILD immer wieder auf Themen unter dem Aspekt „Vom Tellerwäscher zum Millionär" angesetzt. Es kommt nämlich sehr darauf an, das Schöne und Edle, von dem hier geträumt und träumen gemacht wird, nicht ganz so unerreichbar erscheinen zu lassen, wie es in dieser Gesellschaft ist. Welch ein Potenzial an Klassenhass würde die BILD-Zeitung mit ihrem Baden im Glanz der Großen sonst erzeugen! Die andere Methode, solche Wirkung zu verhindern, ist die Paarung des Edlen mit Erbarmungswürdigem, Rilkes infame Zeile „Armut ist ein großer Glanz von Innen" – nur umgekehrt: Der Reiche leidet am Zipperlein, der Milliardär sitzt einsam, verbittert und verlassen auf seinem Traumschloss. Schwindmann erfindet für meine Geschichte den Titel: „Ein armer alter Mann baut die herrlichsten Geigen der Welt." Nichts dergleichen habe ich geschrieben: Der Mann war weder arm noch alt, er war ein rüstiger Sechzigjähriger, der zwar wie viele Künstler ein Stipendium hatte und sicher nicht zu den Großverdienern zählte, aber finanziell ganz gut zurechtkam. Doch Schwindmann dichtet weiter: „Der alte Mann mit den eingefallenen Wangen und dem schütteren Haar schlurft durch seine Werkstatt, die auch sein Wohnzimmer ist. Er nimmt ein Holzbrett aus dem Regal und streicht zärtlich über die geglättete Oberfläche, ,Ahorn, 50 Jahre alt‘‘, murmelt er und vergisst dabei minutenlang, dass er mich, den BILD-Reporter, gerade zu Gast hat ..."

Alles reine Erfindung, ich werde nicht einmal gefragt, ob es so gewesen sein könnte. Der Geigenbauer ist sehr erbost, dass er so mitleidheischend dargestellt worden ist. Leser, die ihn kennen, melden und beschweren sich: Ob der Autor ihnen ein Märchen habe aufbinden wollen? Das wollte er in der Tat, wenn auch nicht irgendein Märchen. Schwindmann hat ein sehr feines Gefühl dafür, welche Sorte Märchen nützlich und welche schädlich ist. Ich selbst habe, am Schluss der Geschichte, der bei sehr vielen BILD-Geschichten, um „die Geschichte rund zu machen", mehr oder weniger erfunden ist, eine Pointe hinzugedichtet: Der Mann, der die kostbaren Geigen baut, verkaufe sie längst nicht jedermann. Er habe ein Jahr seines Lebens dem Instrument geopfert und wolle nun sehen, ob der Kaufwillige auch Talent habe. Ganz am Schluss der BILD-Geschichte kommt immer „sein schönstes" oder „sein schlimmstes Erlebnis". In diesem Fall schrieb ich: Ein raffgieriger Bankier habe dem Geigenbauer Montag vorgetäuscht, er kaufe die Geige für seinen gelähmten Sohn. Er legte sie aber in seinen Safe, damit sie – durch Alter, wie eine Stradivari – noch wertvoller werde. Aber, endete meine Geschichte, „so lächelt der Meister, ,er weiß nicht, dass eine Montag-Geige ständig gespielt werden muss, um ihren Klang zu behalten‘‘. Die Geige verrotte nun im Banksafe." Dieses Märchen wird von Schwindmann ruckzuck gestrichen. Es ist ein – im BILD-Sinn – schlechtes, gefährliches Märchen, mit seiner aufreizenden Moral: Die Besitzgier und das Spekulantentum zerstört die edle Arbeit eines einfachen Künstlers. Mein Märchen wird, wie gesagt, gestrichen. Was aber tut die Wirklichkeit? Nach Lektüre der BILD-Geschichte meldet sich ein gänzlich amusischer Schrotthändler und kauft für 13 000 Mark eine Montag-Geige. Als Wertanlage.

1 Der Schriftsteller Günter Wallraff arbeitete unter dem Pseudonym Hans Esser einige Monate in der Redaktion der BILD-Zeitung. Er veröffentlichte seine Erfahrungen in dem Buch „Der Aufmacher", aus dem der Auszug stammt.
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