Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Der Untertitel

Arbeitsanweisungen

Materialien

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I. Arbeitsanweisungen:

1. Erarbeitet mit Hilfe der Materialien, welche Gewaltbegriffe es gibt. Welche Merkmale weisen sie jeweils auf und wie wirkt die jeweilige Gewalt?

2. Übt die ZEITUNG Gewalt aus?

  • Welchem Gewaltbegriff ist das Vorgehen der ZEITUNG und ihre Berichterstattung zuzuordnen? Belegt und begründet Euer Ergebnis.

  • Wie wirkt die Gewalt der Zeitung auf wen?

  • Welche allgemeinen Einstellungen sind Grundlage der von der ZEITUNG ausgeübten Gewalt? Auf welche Mechanismen setzt die ZEITUNG?

3. Warum übt Katharina Gewalt aus?

  • Welcher Form von Gewalt bedient sich Katharina? Hätte sie eine andere Möglichkeit, sich zu wehren?

  • In welchem Zusammenhang steht die von Katharina ausgeübte Gewalt zu der Form von Gewalt, die die ZEITUNG ausübt?

  • Welche Motive veranlassen Katharina zur Anwendung von Gewalt?

4. Erarbeitet eine Präsentation (in der Form Eurer Wahl), die Eure Ergebnisse zusammenfassend darstellt. Achtet darauf, dass Ihr Eure Aussagen mit genauen Textnachweisen belegt.

II. Materialien:

Helmut W. Müller, Stichwort „Gewalt".- In: Encarta Enzyklopädie Professional 2003

Gewalt, Anwendung von physischem oder psychischem Zwang. Im Strafrecht führt die Anwendung von Gewalt im Zusammenhang mit verschiedenen Straftaten zu einem höheren Strafmaß, z. B. bei Nötigung, Erpressung, Vergewaltigung und Raub. Gewalt ist ein zwangsweises Einwirken auf den Willen des Opfers. Die Gewalteinwirkung kann den Willen des Opfers völlig ausschalten, z. B. wenn der Täter sein Opfer niederschlägt. Die Gewalteinwirkung kann aber auch nur mittelbar zu dem vom Täter gewollten Verhalten führen, wie z. B. beim Bedrohen eines Dritten mit einer Waffe.

Die neuere Rechtsprechung hat den Gewaltbegriff erheblich ausgeweitet; so wird insbesondere das Blockieren von Verkehrswegen (Sitzstreik) von den Gerichten als Gewaltanwendung verstanden, obwohl sich die betroffenen Demonstranten gerade hierbei auf die Gewaltlosigkeit ihrer Aktionen berufen.

In einem weiteren Sinn meint Gewalt die (legitime) Ausübung von Herrschaft, z. B. in Form staatlicher oder elterlicher Gewalt.

Mit den Ursachen von Gewalt im zuerst genannten Sinn beschäftigt sich neben der Soziologie insbesondere die Psychologie.

Galtung sieht Gewalt dann vorliegen, „wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung." Gewalt wird also als „Ursache für den Unterschied zwischen dem Potentiellen und dem Aktuellen" verstanden, was bedeutet, dass nicht nur der eng gefasste Begriff der physischen Gewalt, „dem zufolge Gewalt eine bloße physische Beschädigung oder ein Angriff auf Leib und Leben ist" abgelehnt, sondern ausdrücklich die Dimension psychischer Gewalt in den Begriff integriert wird. Dabei rät Galtung, sich Gewalt als Einfluss vorzustellen, wobei ein vollständiges Einflussverhältnis durch drei Faktoren bestimmt wird: „etwas, das beeinflusst, etwas, das beeinflusst wird, und eine praktische Methode der Einflussnahme". Diese drei Faktoren sind in abgewandelter oder unvollkommener Form allen Gewaltverhältnissen inhärent, sei es bei der personalen oder direkten Gewalt, wo ein Akteur als handelndes Subjekt deutlich zu erkennen ist, sei es bei der strukturellen oder indirekten Gewalt, von der Galtung sagt, dass „hier [...] niemand (i. e. keine handelnde Person, H. B.) in Erscheinung (tritt), der einem anderen direkt Schaden zufügen könnte; die Gewalt ist in das System eingebaut und äußert sich in ungleichen Machtverhältnissen und folglich in ungleichen Lebenschancen". An anderer Stelle spricht Galtung von „soziale(r) Ungerechtigkeit" als Bedingung der strukturellen Gewalt; zugleich betont er, „dass es keinen Grund zu der Annahme gibt, dass strukturelle Gewalt weniger Leiden bringt als personale Gewalt".
aus: Dieter Senghaas (Hg.), „Kritische Friedensforschung", Frankfurt a. M. 1971, S. 57 ff.. Die Zitate beziehen sich auf Johan Galtung, „Gewalt, Frieden und Friedensforschung"
„Es gibt [...] nicht nur Gewalt auf den Straßen, Gewalt in Bomben, Pistolen, Knüppeln und Steinen, es gibt auch Gewalt und Gewalten, die auf der Bank liegen und an den Börsen hoch gehandelt werden ... Es ist doch nachgerade unfassbar, wenn man hier zu Lande unter Gewalt nur noch die Gewalt von Bomben und Maschinenpistolen versteht. Übt eine Bild-Schlagzeile keine Gewalt aus? Welche? Was wird da angerichtet in den Köpfen, im Bewusstsein, am Aggressionspotential dieser elf Millionen Süchtigen [...]"
H. Böll, zit. n. Günter Wirth: Plädoyer für das Erbarmen. In: Jurgensen, Manfred (Hg.): Böll. Untersuchungen zum Werk. Bern 1975

Helga Theunert: Gewalt in den Medien - Gewalt.

In: http://www.plib.brandenburg.de/toleranz/erklaeren/1erklaer.html

Was verstehe ich unter Gewalt bzw. Aggression ?

Als "Gewalt" wird die absichtsvolle Schädigung von Menschen durch Menschen bezeichnet. Mit anderen Worten: Gewalt liegt dann vor, wenn es Opfer gibt. Der Gewaltbegriff kann unterschiedlich weit gefasst werden: Während sich ein enger Gewaltbegriff auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung beschränkt, schließt ein weiter gefasster Gewaltbegriff neben der körperlichen auch die psychische bzw. verbale und mitunter auch die "strukturelle Gewalt" ein. Unter "struktureller Gewalt" wird dabei jegliche Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung (z.B. durch Armut) verstanden. Gewalt ist meist an Macht und Unterordnung gekoppelt. Das Opfer wird aufgrund von Macht (z.B. körperlicher Stärke, höherer Status) gegen seinen Willen zu etwas gezwungen. Da der Gewaltbegriff auch im Alltag sehr unterschiedlich verwendet wird, empfiehlt es sich, bei Diskussionen den jeweils zugrunde gelegten Gewaltbegriff zu klären.

Rechte Gewalt ist grundsätzlich Gewalt gegen Minderheiten. Bei rechter Gewalt stimmen die generellen und situativen Machtverhältnisse überein. Generelle Machtverhältnisse liegen in gesellschaftlichen Strukturen und normativen Orientierungen der einzelnen Menschen vor; situative Machtverhältnisse kommen zum Tragen, wenn im Alltag einzelne Personen andere aufgrund von Status, Aussehen, Körperlichkeit, Behinderungen etc. gewalttätig angreifen. Dabei formieren sich die Angreifer häufig in Gruppen.

Die Begriffe "Aggression" und "Gewalt" werden in der öffentlichen wie fachlichen Diskussion oft als gleichwertige Begriffe verwendet, wobei der Begriff "Gewalt" immer stärker als Oberbegriff gewählt wird. Von der wissenschaftlichen Tradition her ist jedoch - umgekehrt - der Aggressionsbegriff der übergeordnete: Unter Gewalt werden in dieser Tradition besonders extreme, insbesondere körperliche Aggressionen verstanden. Demnach ist körperliche Gewalt eine Teilmenge von Aggression, nämlich die physische (angefangen von leichten Schlägen bis zu schweren Verletzungen oder Androhen von körperlicher Gewalt). Die rechte Gewalt ist in diesem Ausmaß ein Phänomen der neunziger Jahre. Seit mehreren Jahren wird in den Berichten des Verfassungsschutzes die rechten Gewalt bundesweit besonders fokussiert .

In der heutigen Diskussion werden - nach dem Bielefelder Erziehungswissenschaftler Klaus Hurrelmann - folgende Gewaltformen unterschieden: Physische Gewalt: Die Schädigung und Verletzung eines anderen durch körperliche Kraft und Stärke, psychische Gewalt: Die Schädigung und Verletzung eines anderen durch Vorenthalten von Zuwendung und Vertrauen, durch seelisches Quälen und emotionales Erpressen, verbale Gewalt: Die Schädigung und Verletzung eines anderen durch beleidigende, erniedrigende und entwürdigende Worte, vandalistische Gewalt als Form der physischen Beschädigung und Zerstörung von Gegenständen. Darüber hinaus wird auch noch zwischen sexueller, frauenfeindlicher und fremdenfeindlicher bzw. rassistischer Gewalt unterschieden.

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