Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Der zeitgeschichtliche Hintergrund

Arbeitsanweisungen

Materialien

I. Arbeitsanweisungen:

1. Informiert Euch über die Ursachen der Entstehung der Außerparlamentarischen Opposition und über deren Ziele.

2. Informiert Euch über die Ziele und die Methoden der RAF.

3. Stellt heraus, wie die bundesdeutsche Öffentlichkeit auf die APO reagierte. Wodurch wurde das öffentliche Klima in der Bundesrepublik bestimmt?

4. Erarbeitet insbesondere, welche Rolle die BILD-Zeitung für die Prägung der öffentlichen Meinung der Zeit spielte.

5. Klärt, inwiefern der „Fall Peter Brückner" beispielhaft für das öffentliche Klima der Zeit war.

6. Welche Rolle spielte die BILD-Zeitung im „Fall Peter Brückner"?

7. Erarbeitet eine Präsentation (in der Form Eurer Wahl), die Eure Ergebnisse zusammenfassend darstellt. Achtet darauf, dass Ihr Eure Aussagen belegt.

II. Materialien:

Mathias Boxleitner, Stichwort „Rote-Armee-Fraktion".- In: Encarta Enzyklopädie Professional 2003

Rote-Armee_Fraktion (Abkürzung RAF), Eigenbezeichnung einer 1968 entstandenen linksextremistischen und gegen das gesellschaftliche System der Bundesrepublik Deutschland gerichteten terroristischen Gruppierung, die aus der nach ihren Anführern Andreas Baader und Ulrike Meinhof benannten Baader-Meinhof-Gruppe hervorging. Die RAF verstand sich als Teil des internationalen Terrorismus, ihre Mitglieder wurden zum Teil im Nahen Osten von palästinensischen Widerstandskämpfern militärisch ausgebildet und unterhielten Beziehungen zu terroristischen Gruppen im Ausland wie der Action Directe in Frankreich, der IRA in Irland oder den Roten Brigaden in Italien. Seit den achtziger Jahren erhielten RAF-Mitglieder Ausbildung und Unterschlupf auch in der DDR. Ihr Vorbild waren die Tupamaros im Uruguay der sechziger Jahre. Im Umfeld der RAF agierten eine Reihe nicht aktiver Sympathisanten.

Die Rote-Armee-Fraktion hatte ihre Wurzeln in der außerparlamentarischen Opposition (APO) und der Studentenbewegung der sechziger Jahre. Zu den Aktionen der RAF gehörten neben Anschlägen auf US-amerikanische Einrichtungen in Deutschland vor allem Attentate auf Repräsentanten des Staates und der Wirtschaft. Viele dieser Aktionen stellten Befreiungsversuche oder Racheakte für inhaftierte bzw. getötete RAF-Mitglieder dar. Seit Anfang der siebziger Jahre verübte die RAF planmäßig Gewaltakte gegen Menschen. In den 20 Jahren Terror wurden dabei mindestens 30 Menschen getötet.

Bereits nach dem Tod des Studenten Benno Ohnesorg bei einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin im Juni 1967 und nach dem Mordanschlag auf den Studentenführer Rudi Dutschke Ostern 1968 wurde bald bei Protestaktionen kein Unterschied mehr zwischen der „Gewalt gegen Sachen" (so ging u. a. im April 1970 das Arbeitszimmer des Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann in Flammen auf) und der „Gewalt gegen Personen" gemacht.

Ihren Anfang genommen hatte die gewalttätige Entwicklung der APO im April 1968 in Frankfurt: Andreas Baader und Gudrun Ensslin hatten mit anderen in einem Kaufhaus Feuer gelegt, um ein Zeichen gegen den Vietnamkrieg zu setzen. Im Oktober desselben Jahres wurden sie wegen versuchter menschengefährdender Brandstiftung zu drei Jahren Haft verurteilt; im Juni 1970 befreite die Journalistin Ulrike Meinhof den inhaftierten Andreas Baader. Im Untergrund begannen beide mit dem Aufbau der so genannten Rote-Armee-Fraktion, und seit diesem Zeitpunkt führten sie ihren „bewaffneten Kampf" gegen das „imperialistische System" der Bundesrepublik, gegen die NATO und den „militärisch-industriellen Komplex".

Baader, Meinhof, Jan-Carl Raspe und Ensslin wurden für eine Serie von Bomben- und Brandanschlägen verantwortlich gemacht und im Juni 1972 verhaftet. Die Ziele der Terroristen der ersten Generation waren anfangs noch politisch motiviert, doch der zweiten und dritten Generation ging es in ihrem Kampf in erster Linie um die Freilassung der inhaftierten RAF-Mitglieder.

Die Gewalt eskalierte: Zu den ersten Opfern zählten der Präsident des Berliner Kammergerichts, Günter von Drenkmann, der am 10. November 1974 erschossen worden war, und der Militärattaché Andreas von Mirbach sowie der Botschaftsrat Heinz Hillegaart, die am 24. April 1975 beim Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm starben.

Während des so genannten Deutschen Herbstes 1977 war es zur größten Eskalation der Gewalt gekommen. Am 29. März 1977 hatte in Stammheim der Hungerstreik der dort einsitzenden RAF-Mitglieder (Ulrike Meinhof hatte sich im Mai 1976 das Leben genommen) begonnen, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Ihr Hungerstreik wurde außerhalb der Gefängnismauern durch Terroranschläge der übrigen RAF-Mitglieder begleitet: In Karlsruhe ermordeten sie am 7. April 1977 Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter. Der mutmaßliche Buback-Attentäter Knut Folkerts wurde am 22. September 1977 in den Niederlanden festgenommen; bei der Festnahme wurde ein Polizist durch Schüsse tödlich verletzt.

Baader, Ensslin und Raspe wurden am 28. April 1977 nach fast zweijähriger Verhandlungsdauer vom Oberlandesgericht Stuttgart zu lebenslanger Haft verurteilt. Am 2. Juni desselben Jahres verurteilte das Landgericht Kaiserslautern Manfred Grashof und Klaus Jünschke ebenfalls zu lebenslangen Haftstrafen und am 20. Juli 1977 das Oberlandesgericht Düsseldorf vier weitere RAF-Mitglieder wegen Überfalls auf die deutsche Botschaft in Stockholm zu lebenslangen Freiheitsstrafen.

Die Terroraktionen setzten sich fort: am 30. Juli 1977 wurde der Vorstandsvorsitzende der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, in seinem Haus in Oberursel bei Bad Homburg erschossen. Die mutmaßlichen Täter, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt, wurden 1985 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Präsident der Arbeitgeberverbände und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hanns Martin Schleyer, wurde am 5. September 1977 in Köln entführt. Sein Fahrer und drei Polizisten wurden bei diesem Überfall getötet. Der Bundestag verabschiedete u. a. als Reaktion auf die Schleyer-Entführung am 29. September desselben Jahres ein Gesetz über eine zeitlich begrenzte Kontaktsperre für inhaftierte Terroristen. Auf die Forderungen der RAF, die Inhaftierten freizulassen, ging der Krisenstab der Bundesregierung unter Bundeskanzler Helmut Schmidt nicht ein, auch dann nicht, als am 13. Oktober 1977 eine Lufthansa-Maschine mit 91 Menschen an Bord von vier palästinensischen Terroristen nach Somalia entführt worden war. Der Flugkapitän Jürgen Schumann wurde vier Tage später in Aden von den Flugzeugentführern erschossen. Am 18. Oktober stürmte ein Kommando des Bundesgrenzschutzes (GSG 9) in Mogadishu die Maschine und befreite die Geiseln. In Stammheim begingen daraufhin Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe Selbstmord; Irmgard Möller überlebte schwer verletzt. Einen Tag später wurde Hanns Martin Schleyer im Elsass ermordet aufgefunden. Am 12. November 1977 nahm sich die in München inhaftierte Terroristin Ingrid Schubert in ihrer Zelle das Leben.

Die so genannte dritte Generation der RAF setzt die Welle der Gewalt nach 1977 fort. Zu ihren bekanntesten Opfern zählen: der MTU-Manager Ernst Zimmermann (1985), der Diplomat Gerold von Braunmühl und der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts (1986), der Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Alfred Herrhausen (1989) und der Treuhandchef Detlev Karsten Rohwedder (1991). All diese Attentate blieben unaufgeklärt, die Mitglieder der dritten Generation der RAF bleiben weitgehend unbekannt. Am 10. April 1992 verkündete die RAF, „Angriffe auf führende Repräsentanten aus Wirtschaft und Staat" einzustellen. Seit dem Tod von Wolfgang Grams und der Festnahme von Birgit Hogefeld im Juli 1993 in Bad Kleinen kann die Rote-Armee-Fraktion als zerschlagen gelten

Am 20. April 1998 erklärten die letzten noch im Untergrund lebenden Mitglieder der RAF durch ein Fax an die Presseagentur Reuter die Rote-Armee-Fraktion für aufgelöst. In dem von der deutschen Generalbundesanwaltschaft als authentisch bezeichneten Schreiben heißt es: „Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte." Als Grund wurden strategische Fehler genannt, u. a. hätte die RAF versäumt, neben der illegalen bewaffneten Organisation eine politisch-soziale Bewegung aufzubauen. Auch habe man die Wirkung der terroristischen Aktionen überschätzt.

In der Auseinandersetzung mit dem Terrorismus reagierte die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag mit Gesetzesänderungen und verschiedenen neuen Gesetzen („Anti-Terror-Pakete", Kronzeugenregelung). In diesem Zusammenhang kam es auch zu verstärktem Einsatz des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Darüber hinaus lösten die Ereignisse seit den späten sechziger Jahren eine umfassende gesellschaftliche Diskussion aus, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist.

„Ich sah mich bald einer Situation gegenüber, die mich zum Opfer abstempelte, dem allgemeine Verachtung zuteil wurde. Ich wurde gleichsam umklammert. Es entstand eine Scheinrealität um mich herum. Je nachdem, wann und in welchen Zeitungen Berichte über mich erschienen, setzte bei Tag und bei Nacht eine Flut von anonymen Telefonanrufen ein. Es gab viele Drohbriefe. Auf der Straße wandten sich viele von mir ab. Ich sah mich plötzlich betroffen, belastet, diffamiert und fragte mich: Bin ich's, oder bin ich's nicht? Das Problem der Isolierung traf mich unvermittelt. Es entstand eine Publicity, die nicht Folge von Verdienst oder Verbrechen war. Im Herbst 1972 entdeckte ich in einer Sonntagszeitung mein Konterfei unter einem Artikel mit der Schlagzeile: Im Bett macht Ulrike ihre Männer munter. Es wurde eine neue Person B. produziert, wobei sich ein Image herausbildete, das dem Selbstverständnis des Opfers nicht mehr entsprach. – Durch die Negativ-Publicity war ich zur Unperson geworden, gleichsam einem Zustand der persönlichen Entfeierlichung ausgesetzt. Die soziale Distanz gegenüber dem, der zur öffentlichen Unperson geworden ist, wächst. Jedes Treffen – auch mit Freunden und Leuten aus der eigenen politischen Gruppe – wird zur Veranstaltung. Dadurch schwindet die Chance, unbefangen miteinander umgehen zu können."
Aus: Hubert Höring, Betroffen - belastet - diffamiert (Leserbrief).- In: Der Spiegel 34 (1974), S. 7

siehe auch: 1968 - ein Jahr mit Folgen.- In: www.bk-siegburg.de/projekte/1968/index.html

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