Stickereien im alten China und im Mittelmeerraum der Antike

 

Das Sticken ist ein altes textiles Kunsthandwerk, das dazu dient, Stoffe zu verzieren oder Gegenstände zu dekorieren und das sich im Prinzip seit seiner Entstehung nur wenig verändert hat. Da das Verzieren von Kleidung und – durch Verspannen – Gegenständen dazu dient, das menschliche Bedürfnis nach Schönheit zu befriedigen, ist anzunehmen, dass die Stickerei in Kulturen entstand und gepflegt wurde, in denen andere Grundbedürfnisse ausreichend erfüllt waren, d.h. dass Stickerei in Hochkulturen entwickelt wurde. Entsprechend nennt Falke sie eine „Kunst des Luxus“[i] und – vergleichend mit der Malerei – „Nadelmalerei“[ii].

 

Zu den ursprünglichen Sticktechniken gehören

  • der Vorstich, auf dem alle anderen Sticktechniken beruhen[iii] und der die meiste Ähnlichkeit mit dem Nähen, also dem Verbinden zweier oder mehrerer Stofflagen, hat.
  • der Kettenstich, der bereits um 1100 v. Chr. in China gebräuchlich war. Er wurde mit Seidenfäden ausgeführt. Kenntnis von dieser Sticktechnik gelangte über die Seidenstraße nach Europa.[iv]
  • der Knopflochstich, dessen Zweck es ist, den Stoffgrund vor dem Ausfransen zu bewahren,[v]
  • der Plattstich, der sich zum Ausfüllen von Flächen auf dem Stickgrund gebraucht wird[vi]
  • der Kreuzstich, der über eine gleichmäßige Anzahl von Fäden des Stickgrundes in Form eines x aufgeführt wird. Durch die Zusammenfügung von Kreuzstichen auf einem gleichmäßig gewebten Stickgrund ergibt sich ein Muster bzw. Bild. Er war besonders seit dem Mittelalter der bekannteste Stickstich.[vii]

 

 

Stickerei im alten China

 

Was die Stickerei als solche angeht, so ist sich die Literatur einig, daß diese Kunst in China bereits zur Bronzezeit entwickelt wurde und dort als Seidenstickerei auf Seidenuntergrund weit verbreitet war[viii]. Vermutlich wurde dies begünstigt durch die mit der Erfindung der Bronzeverarbeitung sich ausdifferenzierende Gesellschaftsstruktur mit Herausbildung einer wohlhabenden bis reichen Oberschicht. Schuyler Cammann berichtet, daß der älteste Nachweis der Existenz von Stickerei aus dem China der Shang-Dynastie (18.-11. Jh.v.Chr.) stammt, und zwar in Gestalt einer Bronzevase, die in Seide eingewickelt als Grabbeigabe verwendet worden war. Auf ihrer Oberfläche fand man bei Ausgrabungen in Anyang, zusammen mit einem fein gewebten Stück Stoff, Abdrücke einer Seidenstickerei im Kettenstich[ix].

Die ältesten materiellen Zeugnisse von Stickereien stammen aus dem 5. Jh. Vor Chr., der Zeit der sogenannten Zeit der Streitenden Reiche (475-221 v.Chr.): zum einen handelt sich um ein Seidenfragment, das mit einem Phönix und einem Drachen bestickt und im Kettenstich gestickt ist[x]. Zum anderen wurden wurden in verschiedenen Gräbern mit Zweigen, Vögeln und Drachen bestickte Seiden gefunden, gestickt im Kettenstich und Plattstich[xi].  In dem Grab eines Beamten der Chu wurden verschiedene komplett bestickte Kleidungsstücke und Gegenstände mit wiederum in Kettenstich und Plattstich bestickten Borten entdeckt[xii]. Zu den Funden gehört auch ein kleines Stück Stoff, das mit der Signatur des Webers und einem roten Siegel versehen ist[xiii], möglicherweise ein Hinweis darauf, wie die zu dieser Zeit bereits existierenden rigorosen Qualitätsstandards, die von staatlicher Seite definiert wurden[xiv], kontrolliert wurden.

Abbildung 1:Fragment einer Stickerei aus dem Grab Nr. 1 in Mashan, Jiangling, Provinz Hubei. Zeit der Streitenden Reiche, 475-221 v.Chr., Kettenstich

 

 

Dass sich die Stickerei in China zu einem hochentwickelten Kunsthandwerk entfaltete, zeigt das Fragment aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v.Chr. – 220 n.Chr.): ein Wolkenmuster in den Farben pink, orange, blau und grün steht symbolisch für den Glauben der Chinesen an Unsterblichkeit[xv]. Diese Stickerei wurde, genauso wie die zugleich gefundene in einem geometrischen Muster, in Kettenstich ausgeführt. Cammann weist darauf hin, daß jedoch zur Zeit der Han-Dynastie auch der Plattstich entwickelt und verwendet wurde, teilweise sogar bereits in Anlegetechnik, um die Verschwendung des Seidenfadens für die Rückseite zu vermeiden[xvi]. Plattstich wurde zu einer dominanten Sticktechnik in der chinesischen Stickerei[xvii].

 

 

 

Abbildung 2: Fragment einer Stickerei aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v.Chr.-220 n.Chr.), Symbole der Unsterblichkeit, Kettenstich. - Wahrscheinlich Teil eines Frauenkleides

 

Frick berichtet, daß zur Zeit der Zhou-Dynastie (1045-221 v.Chr.) die chinesischen Kaiser die Insignien des Himmelssohnes, d.h. der kaiserlichen Würde, auf ihre Ritualgewänder malen und sticken ließen[xviii]. Offensichtlich war das Sticken eine Kunst, die so üblich war, daß die Chinesen ein eigenes Schriftzeichen dafür besaßen[xix].

Spätestens aber seit der Han-Dynastie wurden Künstler und Sticker am Hof beschäftigt, um die kaiserlichen Roben zu erstellen[xx]. Möglicherweise gab es bereits zur Zeit der Qin-Dynastie (221-206 v. Chr.) professionelle Designer und Sticker am kaiserlichen Hof, da es bereits zu dieser Zeit bestickte Kleidung gab[xxi], was sich vermutlich nur die kaiserliche Familie und sehr hohe Beamte leisten konnten.

Für die Vermutung, der Kreuzstich stamme aus dem China vorchristlicher Jahrhunderte konnte ich keine Belege finden[xxii].

 

Stickerei im vorderasiatischen Raum und im Mittelmeerraum der Antike

 

In Vorderasien waren die Phrygier, die in der heutigen Türkei spätestens seit dem 8. Jh. v. Chr. ein großes Reich errichtet hatten und deren bekanntester König Midas war[xxiii], für ihre Stickereien bekannt. Seit dem ausgehenden 8. Jh. v.Chr.[xxiv] zählten ihre „Prunkgewänder neben den Gürteln und Fibeln zu den wichtigsten Handelsgütern“[xxv] nach Ionien und Griechenland. Speck nennt neben dem Plattstich auch den Kreuzstich als gebräuchlichen Stickstich[xxvi], ohne dass sich jedoch ein materieller Nachweis dazu finden ließ. Da China zu dieser Zeit noch keine Kontakte zum Westen unterhielt und auch die wichtige Handelsroute der Seidenstraße erst später entwickelt wurde[xxvii], ist anzunehmen, daß sich die Stickerei als Kunsthandwerk in Phrygien eigenständig entwickelte.

 

Obwohl faktisch die Griechen die Kunst der Stickerei von der Phrygiern übernommen zu haben scheinen[xxviii], wird die Erfindung der Stickkunst in der griechischen Mythologie der Göttin Pallas Athene zugeschrieben[xxix]. Ovid läßt Arachne, deren Geschick mit vielfältigen Handarbeiten er rühmt[xxx] und die „mit der Nadel Bilder stickte“[xxxi], allerdings bestreiten, sie habe von der Meisterin Pallas gelernt. Arachne betrachtet sich als mindestens ebenbürtig mit Pallas Athene[xxxii]  Homer (vermutlich 2. Hälfte des 8. Jhs. V. Chr. – 1. Hälfte des 7. Jhs. V.Chr.[xxxiii]) erzählt im 14. Buch der Ilias von dem bestickten bunten Gürtel, den Hera von Aphrodite als Hilfsmittel erbittet, um ihren Mann Zeus zu verführen[xxxiv]. Zu seiner Zeit sollen die Frauen aus Sidon als besonders geschickte Stickerinnen gegolten haben[xxxv].

Kenntnis von der Stickerei der Griechen ist vor allem durch figürliche Darstellungen und Vasenbilder erhalten. So gab es bestickte, eng anliegende Halsbänder[xxxvi] sowie „Gruppen von menschlichen Figuren und Thieren geschmackvoll gestickt als breiter Besatz von Frauengewändern“[xxxvii]. Generell scheinen die Griechen Stickereien vornehmlich zur Verzierung von Saum und Ärmelsaum des Chitons mit Borten benutzt zu haben[xxxviii]. Welche Sticktechniken eingesetzt wurden, läßt sich aufgrund des Mangels an textilen Überresten nicht bestimmen.

Abbildung 3: Zeichnung nach einem Vasenbild, Griechin auf einem Lehnstuhl am Stickrahmen.- In: Theodor Ponofka, Griechinnen und Griechen nach Antiken, Berlin 1844

 

Die Römer griffen – anders als die Griechen – nicht auf die Mythologie zurück, um den Ursprung des Stickens von den Göttern abzuleiten. Statt dessen erkannten sie die besondere Qualität der phrygischen Stickereien an, und zwar in solchem Maße, daß Plinius d.Ä. die „Kunst Malereien in Kleider zu sticken“ als eine Erfindung der Phrygier bezeichnete[xxxix]. Dementsprechend wurden Sticker als phrygiones bezeichnet[xl]. Möglicherweise ist diese Anerkennung der kulturellen Errungenschaften der Phrygier mit der Tradition der Römer zu erklären, sowohl Gottheiten als auch kulturelle und wirtschaftliche Errungenschaften unterworfener Völker in die römische Kultur aufzunehmen[xli] und zu integrieren – eine Tradition, die den Unterworfenen durchaus ein Wertgefühl ließ. Natürlich könnte es auch einfach sein, daß durch die vielfältigen Handelsbeziehungen Nachrichten und Wissen so sehr Allgemeingut geworden waren, daß es lächerlich gewesen wäre, eine andere als die tatsächliche Herkunft der Stickerei anzugeben.

Die Gleichsetzung der Stickerei mit der „Kunst Malereien in Kleider zu sticken“ scheint das Anwendungsgebiet der Stickerei auf die Verzierung von Kleidung zu beschränken, was durch die Überreste an bemalter Keramik gestützt wird. Eine frühe Darstellung aus Apulien, die dem 4. Jh.v.Chr. zugeordnet wird, zeigt bereits Stickereien, die als schmückende Elemente der Kleidung dienen[xlii].

Besonders geeignet zur Verzierung mit Stickereien waren die „Standardkleider“ der Römer, die Tunika und die weiße Toga. Die Tunika hatte häufig zwei Streifen, die „auf der Vorder- und Rückseite senkrecht vom Halsausschnitt bis zum unteren Saum“[xliii] verliefen und entweder eingewebt, aufgenäht oder aufgestickt waren[xliv]. In der republikanischen Zeit wurden sie wegen ihrer Schmalheit angusticlavia genannt; sie dienten dazu, den Rang des Trägers anzuzeigen[xlv]. In der Kaiserzeit war diese Funktion verlorengegangen, allerdings demonstrierten die Farbvielfalt, Ornamentik und Qualität der Stickereien den Wohlstand des Trägers und waren somit ein indirektes Statussymbol[xlvi].

 

Abbildung 4: Oinochoe, Apulien, 4. Jh.v.Chr., Frauenkopf mit Perlenschmuck, Strahlenkranz, besticktem Kopftuch und Tänie um den Haarknoten.- Stadtmuseum Duisburg

Die normalerweise weiße Toga des Römers konnte ebenfalls mit verschieden breiten, den Rang anzeigenden Streifen verziert sein. Bereits während der Zeit der Republik[xlvii] durften Konsuln und Triumphatoren[xlviii] „eine purpurne, mit reichen Goldornamenten bestickte Toga“[xlix] (die toga picta) tragen, die die Römer „entweder auf die Tracht ihrer Könige oder auf das Gewand ihres obersten Gottes Jupiter“[l] zurückführten, die aber in Wahrheit etruskischer Herkunft war[li]. Der Triumphator durfte zudem ein palmenbesticktes Untergewand, die tunica palmata, tragen[lii]. Diese besonderen Gewänder wurden in der Zeit des Augustus zum kaiserlichen Ornat; teilweise wurde in der Kaiserzeit auch die seit Alexander d. Gr. bekannte Chlamys getragen, die ebenfalls bestickt war.[liii]

 

Abbildung 5: Der etruskische Adlige Vel Saties in der toga picta, Fresko aus dem Francois-Grab nahe des antiken Vulci, 4. Jh.v.Chr.

 

Während Stickereien bei der männlichen Kleidung somit einer gewissen Tradition folgten, gab es um bestickte Gewänder der Frauen durchaus Kontroversen in der römischen Gesellschaft. „In der Zeit des Augustus unterschied man zwischen den tugendhaften Web-Matronen einerseits, die sich in Stola und Palla aus Wolle kleideten, und den höheren Töchtern andererseits, die goldbestickte Kleider trugen (inaurata veste), ihre Haare parfümierten, häufig ihre Frisur änderten und ihre Hände mit Gemmen schmückten, um fremde Bewunderung auf sich zu ziehen“[liv] Konservative Römer verurteilten diese Form der Zurschaustellung von Luxus als einen gravierenden Verstoß gegen die guten Sitten, dem mos maiorum[lv].

 

Bedauerlicherweise geben die erhaltenen Überreste und Quellen keinen Einblick in die verwendeten Sticktechniken. Plinius Formulierung „Malereien in Kleider zu sticken“ legt nahe, daß Blumen-, Tier- und figürliche Motive verwendet wurden, die wegen der Rundungen normalerweise in Plattstich und Kettenstich ausgeführt werden. Gestickte Clavi könnten im Gegensatz dazu eher einen bortenartigen Charakter haben, zu dem auch geometrische Muster verwendet werden können, die sich im Kreuzstich ausführen lassen. Über Vermutungen kommt man aber aufgrund der geringen Zahl materieller Überreste hier nicht hinaus.

 

 

Anders gestaltet sich die Quellenlage in Bezug auf die Hochkulturen des arabischen Raumes.

Bei den Ausgrabungen und Öffnungen der Königsgräber wurden nicht nur Textilien aus Leinen gefunden, deren Qualität mit 100 Fäden/cm die heutige Qualität mit ca. 35-40 Fäden/cm bei weitem übertrifft[lvi], sondern in den Gräbern des Thutmosis IV.(1397-1388 v.Chr.) und des Tutanchamun (1332-1323 v.Chr) wurden Textilien gefunden, die echte Stickereien aufwiesen.  Sie beweisen, dass die Stickerei in Ägypten schon lange ausgeübt wurde und eine hohe Qualität erreichte.

 

Abbildung 6: Mit Rosetten bestickter Stoff aus dem Grab des Thutmosis IV.

Abbildung 7: Details von bestickten Bordüren aus dem Grab des Tutanchamun

 

Generell sorgte das trocken-heiße Klima des Wüstenraumes dafür, dass Textilien erhalten bleiben konnten. Vor allem in Ägypten fand man bei Ausgrabungen von Gräbern Textilien, die allgemein als „koptische“ Textilien bezeichnet werden. Dieser Begriff läßt zunächst die Vermutung aufkommen, es handele sich um Stoffe, die von den christlichen Bewohnern Ägyptens stammten, zumal in der Bibel das Sticken erwähnt wird[lvii]. In der Literatur herrscht jedoch weitgehende Einigkeit, dass „das Adjektiv „koptisch” in Zusammenhang mit Kunst und Kultur nicht primär christlich, sondern eher „ägyptisch“  hinsichtlich der geographischen Herkunft und einer bestimmten Zeitspanne“[lviii] bedeutet. Als Zeitspanne wird das 3.-10. Jahrhundert n.Chr. angegeben[lix]. Aufgrund der mangelnden Sorgfalt bei der Dokumentation und Behandlung der seit dem 19. Jahrhundert ausgegrabenen Funde ist deren Datierung häufig nur durch Vergleich der Symbolik, der Farben und der Herstellungstechnik möglich[lx]. „Über die von den Kopten verwendeten Textilien geben Wandmalereien und Mosaiken sowie Grabfunde Aufschluss. Wurde ein Grab sachgemäß gehoben, so konnten oft vollständige Gewänder oder Behänge geborgen werden. Erhalten sind auch  Wandbehänge, Teppiche, Vorhänge und Möbelstoffe, wie Matratzenbezüge, Kissenhüllen und dickere Decken“[lxi].

Teilweise übernehmen die Stickereien auf koptischen Textilien sehr alte Muster aus dem asiatischen Raum[lxii].  Die gewöhnlichsten Sticktechniken sind der Plattstich, der Vorstich und der Kettenstich[lxiii]. Gelegentlich kommt auch der Überwendlingstich vor.

 

 

 

 

Abbildung 8: Clavus einer Tunika mit Fragmenten einer Stickerei aus Vorstich und Kettenstich, 6./7.Jh..- Laura Klama, Bestandskatalog der koptischen Textilien im bayerischen Nationalmuseum, München 2009, Kat.-Nr. 56

Abbildung 9: Fragment eines Streifens (eines Clavus?), Stickerei aus Kettenstich und Überwendlingsstich, ohne Datierung. Landesmuseum Stuttgart, Die koptischen Textilien im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart 2016, Nr. 104

 

„Das sonst so beliebte einfache Verfahren des Kreuzstichs wurde damals im Nillande anscheinend nur ausnahmsweise gepflegt“[lxiv] heißt es bei Ernst Kühnel, der über islamische Stoffe in ägyptischen Grabfunden berichtet, der auf einen Fund, der auf das 14./15.Jh. datiert wird, verweist[lxv].  Leider geht er nicht darauf ein, zu welcher Zeit und in welchen Gegenden der Kreuzstich als Sticktechnik „so beliebt[e]“ war. Im Bayerischen Nationalmuseum findet sich ein Stofffragment des 7./8. Jhs., das möglicherweise Teil eines Behangs war. Auf naturfarbenem Leinengewebe befinden sich eingewebte und aufgestickte Ornamente, wobei die Stickerei u.a. rote und blaue Kreuzstiche aufweist[lxvi]. (Bild einfügen).

Abbildung 10: Fragment einer Stickerei auf naturfarbenem Leinengewebe, Stickerei aus Kreuzstich und eingestickten V-Motiven und Schrift, 7./8. Jh.- Laura Klama, Bestandskatalog der koptischen Textilien im bayerischen Nationalmuseum, München 2009, Kat.-Nr. 57

 

Insgesamt läßt sich aus der Literatur und den materiellen Überresten entnehmen, dass im antiken Mittelmeerraum der Kreuzstich – obwohl bekannt -  nicht häufig als Sticktechnik gebraucht wurde. Forrer gibt die Erklärung, dass die „hochentwickelte und vielgeübte Wirkerei“ die Stickerei nicht aufkommen ließ, obwohl man „hie und da […] kleine Kreuze […] eingestickt“ findet[lxvii]. Ein Grund könnte auch sein, dass sich insbesondere Rundungen in Kreuzstich nicht so leicht ausführen lassen wie mit anderen Techniken, so daß jenen Vorrang gegeben wurde. Auf jeden Fall lässt sich die vielfach vertretene Ansicht, der Kreuzstich sei die älteste Sticktechnik, durch die Befunde nicht aufrecht erhalten.

 



[i] Jacob Falke, Geschichtlicher Gang der Stickerei bis zu ihrem Verfall im Anfange des 16. Jahrhunderts.- In: Zeitschrift für bildende Kunst 1869, S. 233   [http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PID=PPN523137710_0004|log81&physid=phys269#navi, abgerufen am 9.8.2021]

[ii] Ebda.

[iii] Straight stitch - Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[iv] Chain stitch - Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[v] Buttonhole stitch - Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[vi] Satin stitch - Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[vii] Cross-stitch - Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[viii] Chinese embroidery - Wikipedia [abgerufen am 9.8.2021]

[ix] Schuyler Cammann, Embroidery Techniques in Old China. In: Archives of the Chinese Art Society of America, Bd. 16, 1962, S. 16 [Embroidery Techniques in Old China on JSTOR, abgerufen am 9.8.2021]

[x] Chinese Embroidery (chinaculture.org) [abgerufen am 10.8.2021]

[xi] M.A. Hann, Dragons, Unicorns and Phoenixes – Origin and Continuity of Technique and Motif, S. 11  [abgerufen am 1.9.2021]

[xii] Ebda., S. 11

[xiii] Ebda, S. 14

[xiv] Ebda, S. 18

[xv] Textile Fragment with “Longevity” Design | China | Western Han dynasty (206 B.C.–A.D. 9) | The Metropolitan Museum of Art (metmuseum.org) [abgerufen am 10.8.2021]

[xvi] Schuyler Cammann, a.a.O., S. 16 [Embroidery Techniques in Old China on JSTOR, abgerufen am 10.8.2021]

[xvii] Schuyler Cammann, a.a.O., S. 17 [Embroidery Techniques in Old China on JSTOR, abgerufen am 10.8.2021]

[xviii] Patricia Christine Frick, Gewand und Ritual. Die Bekleidung der Song-Dynastie im Spiegel des Sanli tu, Diss. Würzburg 2006, S.  32, [https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/10192/file/Frick_Bekleidung_Song.pdf, abgerufen am 4.8.2021]

[xix] Ebda, S. 33

[xx] Art of Silk Blog ~ Shengfei Zhu & Pia Fennell on July 31, 2013; King's Silk Art: Embroidery from Imperial China [Artikel von abgerufen am 10.8.2021]

[xxi] Chinese embroidery (trc-leiden.nl) [abgerufen am 10.8.2021]

[xxii] Ohne Belege anzugeben, seien als Beispiele für die Auffassung, der Kreuzstich sei die älteste Form der Stickerei, Cross-stitch - Wikipedia [abgerufen am 13.8.2021] und Kreuzstich – HiSoUR Kunst Kultur Ausstellung [abgerufen am 13.8.2021].

[xxiii] Phryger – Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[xxiv] Rainer Michael Boehmer, Phrygische Prunkgewänder des 8. Jahrhunderts v. Chr. Herkunft und Export.- In: Archäologischer Anzeiger 1973, Heft 2, S. 172  

[xxv] Maximilian Räthel, Midas und die Könige von Phrygien. Untersuchungen zur Geschichte Phrygiens und seiner Herrscher vom 12. Jahrhundert bis zum 6. Jahrhundert vor Christus, Diss. Göttingen 2017, S. 323

[xxvi] E. Speck, Handelsgeschichte des Altertums, Zweiter Band: Die Griechen, Nachdruck des Originals von 1901, Paderborn, s. 303

[xxvii] H.A.Hann, a.a.O., S. 18; Hann weist darauf hin, daß der Terminus „Seidenstraße“ im 19. Jahrhundert entstanden zu sein scheint, ebda. S. 19

[xxviii] E. Speck. A.a.O., S.303 und Maximilian Räthel, a.a.O., S. 323

[xxix] Damen Conversations Lexikon, Band 8. [o.O.] 1837, S. 75-76 [Pallas Athene (Mythologie) - Zeno.org, abgerufen am 4.8.2021]

[xxx] Ovid, Metamorphosen 6. Buch, v. 1-23

[xxxi] Übersetzung der Ovid-Erzählung bei: Udo Reinhardt, Arachne und die Liebschaften der Götter, ROMBACH WISSENSCHAFTEN - REIHE PARADEIGMATA herausgegeben von Bernhard Zimmermann in Zusammenarbeit mit Karlheinz Stierle und Bernd Seidensticker Band XX22, Freiburg 2013, o. Seitenangabe [Reinhardt-Arachne.pdf (scriptbakery.de), abgerufen am 11.7.2022]

[xxxii] Ovid, a.a.=., v 23-25

[xxxiii] Homer – Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[xxxiv] Gürtel der Venus – Wikipedia [abgerufen am 4.8.2021]

[xxxv] retro|bib - Seite aus Brockhaus Konversationslexikon: Stickereifachschulen - Stickmaschine (retrobibliothek.de) [abgerufen am 4.8.2021]

[xxxvi] Andrea M. Pülz, Goldfunde aus dem Artemision von Ephesos.- In: Forschungen in Ephesos, hrsg. vom Österreichischen Archäologischen Institut in Wien, Band XII/5, 2007,

[xxxvii] Theodor Panofka, Griechinnen und Griechen nach Antiken skizziert, Berlin 1844, S. 5

[xxxviii] Griechische Mode (messala.de) [abgerufen am 4.8.2021]

[xxxix] Plinius d.Ä., Naturalis historia, 8,74: „acu facere id Phryges invenerunt, ideoque Phrygioniae appellatae sunt“ [https://www.academia.edu/61916471/Gaius_Plinius_Secundus_d_%C3%84_Naturalis_Historia, abgerufen am 12.7.2022]

[xl] Stellvertretend für viele K.J. Marquart, Das Privatleben der Römer, Zweiter Teil, Leipzig 1882, S. 521 [Das Privatleben Der R?mer - K.J. Marquardt - Google Books, abgerufen a, 4.8.2021]

[xli] S. das Beispiel des kaiserlichen Ornats, das auf griechische und etruskische Traditionen zurückgeht. Vgl. Yvonne Schmuhl, Von Alexander dem Großen zu Heinrich II. Sternenmantel und Purpurchlamys als kaiserliche Insignien in Antike und Mittelalter, S. 289 .- Dennis Graen, Mareike Rind, Henning Wabersich (Hrsg.), Otium cum dignitate. Festschrift für Angelika Geyer zum 65. Geburtstag, Studien zur Archäologie und Rezeptionsgeschichte der Antike, S. 289-

[xlii] Stadt Duisburg, Kultur- und Stadthistorisches Museum Duisburg, Sammlung Köhler-Osbahr, Band I: Auswahlkatalog Münzen und Antiken, Duisburg 1990, S. 44 (Abb. 70)

[xliii] Die römische Tunika. Die Clavi, S. 1 [http://docplayer.org/24645881-Die-roemische-tunika-die-clavi.html, abgerufen 7.3.2022]

[xliv] Ebda.

[xlv] https://en.wikipedia.org/wiki/Angusticlavia [abgerufen am 12.7.2022]

[xlvi] Die römische Tunika. Die Clavi, a.a.O., S. 2 und 4

[xlvii] Yvonne Schmuhl, Von Alexander dem Großen zu Heinrich II. Sternenmantel und Purpurchlamys als kaiserliche Insignien in Antike und Mittelalter.- Dennis Graen, Mareike Rind, Henning Wabersich (Hrsg.), Otium cum dignitate. Festschrift für Angelika Geyer zum 65. Geburtstag, Studien zur Archäologie und Rezeptionsgeschichte der Antike, S. 290

[xlviii] Virtuelles AntikenMuseum Göttingen [http://viamus.uni-goettingen.de/fr/e/uni/d/01/01 abgerufen 7.3.2022]

[xlix] Ulrike de Vries, Hosen trugen nur die Barbaren.  In: DAMALS (11/94) Kleidung im alten Rom (uni-klu.ac.at),  [http://wwwg.uni-klu.ac.at/archeo/alltag/15kleid.htm, abgerufen am 15.3.2022]

[l] Yvonne Schmuhl, a.a.O., S. 291

[li] Jiyun Kim, Toga Picta, veröffentlicht 8.3.2919. toga picta | Fashion History Timeline (fitnyc.edu) [abgerufen am 24.7.2022)

[lii] Ebda.

[liii] Yvonne Schmuhl, a.a.O., S, 294

[liv] Carmen Alfaro Giner /Manel García Sánchez, Die Rolle der antiken Frau nach den schriftlichen Quellen, S. 120.- In: Die Macht der Toga. Begleitband zur Sonderausstellung »Die Macht der Toga – Mode im Römischen Weltreich« im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim in Kooperation mit den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, 20. April 2013 bis 8. September 2013, Herausgegeben von Michael Tellenbach – Regine Schulz – Alfried Wieczorek, Mannheim 2013

[lv] Ebda.

[lvi] Angezogen für die Ewigkeit.- In: FOCUS Nr. 17 (1994)

[lvii] 2. Buch Moses, 36-38 Und du sollst einen Vorhang für den Eingang des Zeltes anfertigen, aus blauem und rotem Purpur und Karmesin und aus gezwirntem Leinen in Buntwirkerarbeit. Oholiab, der Sohn Ahisamachs, vom Stamme Dan, ein Meister zu schneiden, zu wirken und zu sticken mit blauem und rotem Purpur, Scharlach und weißer Leinwand […]

[lviii] Die koptischen Textilien im Landesmuseum Württemberg, Hrsg. Landesmuseum Württemberg Stuttgart, 2014, S. 6

[lix] Ebda.; siehe unter vielen anderen auch Laura Klama, Bestandskatalog der koptischen Textilien im Bayerischen Nationalmuseum, München 2009, S. 10

[lx] Vgl. Die sogenannten koptischen Textilien im Museum Andreasstift der Stadt Worms, Bestandskatalog. Bearbeitet von Dorothee Renner-Volbach, Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz, 1. Auflage 2002. S. 19

[lxi] Laura Klama, a.a.O., S. 13

[lxii] Vgl. Giulia Baccelli, Prestige und Bedeutung von Textilien in West-Syrien im 2. Jahrtausend v. Chr. Mit besonderer Beachtung der Textilreste aus der Königsgruft von Qatna, Diss. Tübigen 2017, S. 314 ff.

[lxiii][lxiii] Vgl. Laura Klama, a.a.O., S. 58

[lxiv] Islamische Stoffe aus ägyptischen Gräbern in der islamischen Kunstabteilung und in der Stoffsammlung des Schloßmuseums, bearbeitet von Ernst Kühnel, Hrsg. Im Auftrage des Generaldirektors der staatlichen Museen, Berlin 1927, S. 47

[lxv] Vgl. Islamische Stoffe aus ägyptischen Gräbern, a.a.O., S. 65

[lxvi] Laura Klama, a.a.O., Kat.-Nr. 57

[lxvii] R. Forrer, Die Gaeber- und Textilfunde von Achmim-Panopolis, Straßburg 1891, S. 18