Geschichte der Stadt Florenz

Römische Zeit
Byzantiner, Langobarden und Karolingerzeit
Hochmittelalter
Das 13. Jahrhundert

Das 14. Jahrhundert - Guelfen vs. Ghibellinen

 

Römische Zeit

Ausgrabungen in Piazza Della Signoria belegen, dass das Gebiet des heutigen Florenz bereits zu prähistorischer Zeit bewohnt war. Die eigentliche Gründung der Stadt erfolgte jedoch zur Zeit der Römer, wie sich in den Eigenarten des  Straßennetzes im Altstadtkern zeigt.

Florenz begann als Kolonie, florentia, zur Zeit Cäsars.

Im Frühjahr 59 v. Chr., während  der „ludi flores“ (woraus sich der Name Florenz vermutlich ableitet), begannen die Bauarbeiten des Castrum und die Aufteilung des Ackergebietes der Kolonie in Zenturien, die sich  nach der Achse der nach dem römischen Konsul Cassius benannten Straße, entlang des nördlichen Randes der Florentiner Mulde, ausrichtete.

Aus militärstrategischen Gründen wurde die Stadt an zwei Wasserläufen angelegt (wo der Mugnone in den Arno mündet).

Die Siedlung ähnelte mit ihrem rechtwinkligen Grundriss und den 1800m langen Mauern anderen römischen Niederlassungen durch den geraden Verlauf der Straßen, die sich rechtwinklig kreuzten. Bei den vier mit Türmen bewehrten Stadttoren mündeten die beiden Hauptstraßen, der decumus maximus und der cardo maximus, Der Kreuzpunkt lag  auf einem Platz im Zentrum, dem forum urbis, wo später dann die Kurie und der der kapitolinischen Triade geweihte Tempel entstand.

Die Topographie der Stadt entsprach nicht der Orientierung der ländlichen Zenturien, die der Achse der Via Cassia folgten. Das Castrum war nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet und entsprach den klassischen Regeln.

Bei Ausgrabungen wurden die Überreste wichtiger öffentlicher Gebäude freigelegt, so die kapitolinischen Thermen und die Thermen von Capaccio, die Kanalisation, das Straßenpflaster, der Isistempel und andere kleinere Tempel, das Theater, das Amphitheater.

Einige dieser Gebäude lagen außerhalb der Stadtmauern (z.B. das Theater und das Amphitheater), was von einer Erweiterung der ursprünglichen  Niederlassung zeugt, die wahrscheinlich schon im ersten Jahrhundert vor Christus begonnen hatte.

Auch der Arno, der bis zum Zusammenfluss mit dem Affrico oberhalb von Florenz schiffbar war, floss außerhalb der Stadtmauern und der Flusshafen  war zur Zeit der Römer ein wichtiger Teil der Infrastruktur für die Stadt.

Die Lage der Stadt, die dort gegründet worden war, wo der Arno etwas leichter überquert werden konnte, war typisch für an Furten erbaute Zentren. Damals wurde wahrscheinlich auch ungefähr 50 v.Chr. eine Brücke erbaut, die erste in der Florentiner Geschichte, nahe dem jetzigen Ponte Vecchio. Bei der römischen Landaufteilung gehörte Florentia zu einem Bezirk, der ein Gleichgewicht zwischen städtischer und verkehrstechnischer Funktion darstellte. Es wurde über die Arnobrücke  ein Kontakt zwischen den Hügeln südlich des Flusses und den Übergängen über den Apennin im Norden hergestellt. Die günstige Lage und die wichtige Rolle im Bereich der Organisation der Region  sind eine Erklärung für die rasche Entwicklung, die bald dazu führte, dass Arezzo seine Stellung als wichtigstes Zentrum des nördlichen Etruriens verlor. Florenz wurde zum Sitz eines der correctores Italiae ausgewählt. Der wirtschaftliche Erfolg  war ein Antrieb für die junge Kolonie - die Handels- und Tauschgeschäfte blühten, auch weil Florentia der Kreuzpunkt wichtiger Verbindungswege (zu Land und zu Wasser) geworden war. So ist auch die Präsenz orientalischer Kaufleute zu erklären, die wahrscheinlich von Pisa gekommen waren, und als erste den Kult der Isis und später, ab dem 2.Jh., das Christentum mit sich  gebracht hatten.

Die ersten Zeugnisse der christlichen Religion sind mit dem Kult des Diakons Lorenzo (gest. 258) und der Palästinenserin Felicita verbunden, beide gebürtige Florentiner, denen auch die ältesten Kirchen San  Lorenzo und Santa Felicita geweiht sind.

Der erste Bischof, dessen Amtswürde gesichert ist, ist San Felice ab Ende des dritten Jahrhunderts, der berühmteste San Zanobi am  Anfang des fünften Jahrhunderts.

 

 

Byzantiner, Langobarden und Karolingerzeit

Durch den Einfall barbarischer  Völker im Zuge der Volkerwanderung verlor Florentia an Bedeutung. Trotz schwerer Zerstörung gelang es 405 der Stadt, die Horden des Ragadais, der von Stilicho besiegt wurde, aufzuhalten, aber später konnte sie sich doch nicht aus den verheerenden Gotisch-Byzantinschen Kriegen heraushalten. Die strategisch wichtige Lage, Brückenkopf am Arno und  Verkehrsknotenpunkt zwischen Rom und der Poe Ebene, erklärt die verbitterten Kämpfe zwischen Goten und Byzantinern um die Stadt. Letztere bauten zwischen 541 und 544 innerhalb der alten römischen Stadt eine engere Mauer. Trotzdem  gelang es nicht, den Goten  Tortilla  um 532 zurückzuschlagen. Der neue Mauerring war  zum Teil durch Einbeziehung einiger großer  römischer Gebäude, des Kapitols, des Wasserbeckens für die Thermen sowie des Theaters, errichtet worden. Zwei Zwillingstürme schlossen im Nord-Osten die Befestigungsanlagen des kleinen „byzantinischen“ Mauerringes ab. Trapezförmig und äußerst bescheiden in den Ausmaßen ist eine Aussage über den Rückgang der Stadt, die mit wahrscheinlich weniger als 1000 Einwohnern entvölkert und auf das castrum zurückgegangen war.

Inzwischen wird in den ersten Jahrzehnten des 6.Jh., vielleicht auch etwas früher zur spätromantischen Zeit, die Kirche Santa Reparata errichtet. Der Überlieferung nach, die auch Villani wieder aufnimmt, hätten die Florentiner diese Kirche im Jahr 405 erbaut, um den Sieg der kaiserlichen Truppen des Generals Stilicho über die Ostgoten von Radagais zu feiern. Die Kirche hatte, wie man dank der Ausgrabungen feststellen konnte, einen basilikalen Grundriss mit drei Längsschiffen, die durch eingehende Säulenreihen aufgeteilt wurden. Der Fußboden, der nur noch teilweise erhalten ist, war in große rechteckige Flächen aufgeteilt mit Mosaikdekorationen, die  aus geometrisch verflochtenen Mustern bestanden.  In der Mitte befand sich ein Viereck mit einem Pfau, Symbol der Unsterblichkeit, mit dem Namen eines der Stifter „OBSEQVENTVS FECIT PED. XXX“. Weitere religiöse Gebäude kamen während der byzantinischen Herrschaft (553-570) zu denen der römischen Zeit hinzu: Santa Maria Odigitria, San Ruffillo und Sant’Apollinare. Zu Ende des 6. Jahrhunderts, als die Langobarden  Nord- und Mittelitalien eroberten, fiel auch Florenz unter ihre Herrschaft. So begann für die Stadt ihre dunkelste Zeit ihrer Geschichte. Von den großen Verbindungswegen ausgeschlossen, verlor sie ihre Bedeutung. Die Langobarden benutzten für ihre Nord-Süd-Verbindung  nicht die in der Mitte Italiens liegende Straße Bologna-Pistoia-Florenz, weil diese den byzantinischen Überfällen zu sehr ausgesetzt war. Die Byzantiner hatten in der Romagna noch einen festen Standpunkt, und so wurde der mehr westlich über den Apennin  durchgehende Weg bevorzugt, der über den Cisa-Pass nach Pavia und Mailand führt, auf der Linie Sarzana-Piacenza. Diese Straße, die spätere romea oder francigena, wird zur wichtigsten kontinentalen Verkehrsader des Mittelalters, die Italien mit dem Rest der Welt verbindet. Aus demselben Grund wählten die Langobarden Lucca als Hauptstadt des Herzogtumes Toscana, denn es lag schon an der für den Inlandverkehr benutzten Straße.

Trotzdem aber wurden während der langobardischen Herrschaft, und vor allem nach der Berkehrung der Königin Theodolinde zur römischen Kirche einige religiöse Gebäude in der Stadt gegründet: San Salvatore (unbekannte Lage), San Giorgio, Sant’ Andrea in Foro Vetere, San Pietro in Ciel d’Oro, San Miniato tra le Torri, San Pier Maggiore und Santa Maria de Ferlaupe, von der noch einige Strukturen unterhalb des Fußbodens der Kirche San Piero Scheraggio erhalten ist, die heute der Bau der Uffizien verschluckt hat. Eine Legende führt auch den Bau des Baptisteriums „San Giovanni“ auf die Bekehrung der Königin Theodolinde zurück, natürlich im Bau  und Ausmaß nicht so wie heute.

Einige Anzeichen scheinen auf einen gewissen Aufschwung der Stadt zur Zeit der Karolinger hinzuweisen. 854 zum Beispiel schloss Lothar I. Florenz und Fiesole in einer einzigen Grafschaft zusammen. Der Graf von Florenz, der diesen Titel vom Markgrafen Tusziens übernahm, übte somit über ein weites Gebiet die Rechtsprechung aus, das das Land zweier Bistümer umfasste. Obschon später die beiden ursprünglichen Grafschaften wiederhergestellt werden, so bestand in Florenz doch eine eindeutige Tendenz, den Bezirk seiner Gerichtsbarkeit auf Kosten des benachbarten Fiesole auszudehnen. In der Tat verliert es als Bistum die im Ersten liegenden Bezirke, die dem florentinischen Bistum zugewiesen werden. Im 9.Jh. wird in der Stadt auch eine öffentliche kirchliche Schule gegründet, auch die Brücke über den Arno wird wieder instandgesetzt, die während des gotisch-byzantinischen Krieges zerstört worden war. Außerdem wird zwischen dem 9. und 10. Jh. eine neue Stadtmauer angelegt, deren Bau vermutlich aus Angst vor einer ungarischen Invasion in Angriff genommen wurde. Diese neue, dritte Befestigungsmauer folgt zum Teil den ursprünglichen römischen Mauern; im Süden erweitert sie sich aber und schließt die Viertel, die sich am Arno entwickelt haben, ein; Die Stadt hat sich vergrößert. Im Norden wird aus politischen Gründen das Baptisterium, Santa Reparata, der Bischofspalast, und das danebenliegende Palatium regis, wo der Vertreter des Kaisers Gerichtshof abhielt, ausgeschlossen.

Gegen Ende des 10.Jh., im Jahre 978, gründete die Gräfin Willa, Witwe des Markgrafen der Toskana, Uberto, und Eigentümerin eines ganzen Stadtteiles, innerhalb der Mauern eine Benediktinerabtei, die der Santa Maria Assunata in cielo  gewidmet war, und ließ sie zum Gedenken an ihren Ehemann reich ausschmücken. Der Klosterkomplex wird später einfach Badia Fiorentina genannt, weil er das hauptsächliche Kloster der Stadt bleibt. Der Sohn der Gräfin Willa, Higo, trug entscheidend zur Entwicklung von Florenz bei, dergestalt dass er Lucca verließ und die Stadt am Arno zu seinem Wohnsitz erwählte und somit ihre Bedeutung als Verwaltungszentrum vergrößerte. Ein weiteres Zeichen des Aufschwungs ist der Wiederaufbau der Kirche und des Klosters von San Miniato al Monte.

Quellen:

http://www.arca.net/db/storia/chp1.htm

Leonardo Benevolo, die Geschichte der Stadt, 6. Aufl. 1991 Frankfurt

www.wikipedia.org/wiki/Florenz [entnommen am 07.03.2005]

www.boden.uni-trier-lehrveranstaltungen/Skripte/Italien2002/Datei_17_Florenz.pdf [entnommen am 07.2005]

 

Hochmittelalter

Um 1050 nahm die Bedeutung Florenz in der Toskana erheblich zu, einerseits, weil Lucca nicht mehr Sitz des Landgrafen ist, andererseits weil die Stadt sich aktiv an der Reformbewegung der Kirche beteiligt. Der Kampf, der die weltlichen Einmischungen in kirchliche Dinge beseitigen und die Unabhängigkeit des Papstes von der kaiserlichen Macht im Zuge des Investiturstreites durchsetzen sollte, hatte einen seinen seiner Hauptvertreter in San Giovanni Gualberto, Sohn eines Florentiner Ritters und Gründer des Mönchordens von Vallombrosa. 1055 wird in Florenz sogar ein Konzil abgehalten, dem Papst Viktor II. unter Beisein Heinrich III. und der Teilnahme von 120 Bischöfen vorsitzt. Wahrscheinlich hatte es Anstoß für die Erweiterung der Kirche von Santa Reparata gegeben, die im frühen Mittelalter schon ausgebaut worden war und im 11. Jh. renoviert wurde. Ausgrabungen zufolge hatte die Kirche romanische Schwere, so in der Aufeinanderfolge der viereckigen Säulen, die den Innenraum in drei große Schiffe aufteilten. Unter dem erhobenen Chor befand sich eine große Krypta; eine große zentrale Apsis und zwei danebenliegende kleinere Chöre schlossen die drei Schiffe ab, seitlich besaß sie zwei von Chören abgeschlossene Nebenarme.
Auch andere alte Gebäude werden in der zweiten Hälfte des 11. Jh. umgebaut, das Baptisterium, Santa Felicita, San Pier Maggiore, San Lorenzo, Santi Apostoli und San Remigio. Am 6. November 1059 weiht Bischof Gerhard, der mit dem Namen Nikolaus II. Papst geworden ist, das alte Baptisterium der Stadt, das viel großzügiger wiederaufgebaut ist und dem heutigen wohl entspricht. Das Gebäude mit seinem achteckigen Grundriss, halbrunder Apsis auf einer Seite und drei Zugangstüren hat eine aus acht spitzen Dreiecken geformte Kuppel. Auf der Außenseite fehlt die wertvolle Marmorverkleidung noch, im Inneren aber bestand das Gebälk, das die Flächen des Polygons nachzeichnet, wahrscheinlich schon bis zur Höhe des ersten Geschosses. So kamen die beiden Porphyrsäulen, die die Pisaner den Florentinern aus Dank für die Hilfe bei dem Unternehmen der Balearen geschenkt hatten, 1117 zu spät an.
Nach dem Tod der Markgräfin Beatrice und ihres Gemahls, Gottfried des Bärtigen, wurde deren Tochter Mathilde Markgräfin der Toskana, Sie hatte schon immer die Ideen der Reform und die Unternehmen von San Giovanni Hualberto unterstützt, und während des Investiturstreits stand sie auf der Seite des einflussreichsten Reformators Hildebrand von Sovanna, des späteren Papstes Gregor VII. und trat somit eindeutig in Kontrast mit Heinrich IV. Nach Canossa (1077) und dem Sieg Heinrichs IV. 1081 wurde die Markgräfin amtlich abgesetzt und von allen toskanischen Städten außer Florenz verlassen. Wegen dieser der abgesetzten Markgräfin bezeugten Treue wurde die Stadt im Juni 1082 vom Kaiser belagert - das erste Mal, dass die florentinische Gemeinde zu den Waffen griff -, es gelang ihm aber nicht, sie einzunehmen.
Mathildes besondere Gunst für Florenz und die Folgen des Bruches mit dem Kaiser gaben den Anstoß dazu, im Jahr 1078 die Stadt mit besseren Verteidigungsanlagen zu versehen. Es wurden neue Mauern gebaut, welche Dante später den "alten Ring" benennen sollte. Dieser vierte Mauerring folgt zum Großteil dem aus der Karolingerzeit, im Norden jedoch schließt er das Baptisterium, die Kathedrale Santa Reparata und die Residenz der Markgräfin ein. Die Spur der Mauern aus dem 11. Jh. ist im Grundriss des heutigen Stadtzentrums noch erkennbar.
So wie in allen alten Städten des Mittelalters fand man auch im Florenz des 11. Jh. teils die Strukturen der Antike und eine willkürliche Aufteilung des Stadtgefüges, je nach den Bedürfnissen. Es gab keine größeren öffentlichen Freiräume, nimmt man die Märkte aus. Die größten Plätze entsprachen dem ehemaligen Forum, dessen Existenz belegt ist, sowie den wichtigsten Kirchen, aber es waren nur einfache Erweiterungen. Im Großen und Ganzen bestand die Stadt aus Holzhäusern; ein paar Turmhäuser aus Stein, auf den Grundmauern römischer Häuser erbaut, erhoben sich über die ärmlicheren Gebäude. Nur die religiösen Gebäude hoben sich ab: außer dem Baptisterium, Santa Reparata und den alten Kirchen lagen viele auch außerhalb der Stadtmauer längs der Landstraßen, die zu den Stadttoren führten, so Sant'Apollinare , Santa Maria Novella, San Felice, Santo Stefano al Ponte und San Pier, die Kirche des Santo Sepolchro usw.
In einigen der erwähnten religiösen Gebäude, die im Laufe des 11. Jh. renoviert wurden, treffen wir auf die ersten Anzeichen des florentinisch-romanischen Stils, der sich durch eine besondere Anlehnung an die Antike auszeichnet. Die Erklärung für den florentinischen Klassizismus findet sich in der theoretischen Einstellung des intensiv religiös orientierten Lebens der Stadt, in deren kulturellem Nährboden des 11.Jh. sich die These des benediktinischen Ursprungs behauptet, nach der jede logische Beweisführung über die Wahrheit überflüssig wird, denn die Wahrheit sei ja als solche rational und ihr Nachweis liege in der Klarheit der Aussage, der Form. Dies sind die Voraussetzungen für das Entstehen einer künstlerischen Konzeption, derzufolge in der Architektur eindeutige geometrische Formen ein unmittelbarer Ausdruck dieser Rationalität sind. Das Gebäude, bei dem zuallererst die geometrischen Formen und die Abgrenzung der räumlichen Werte an erster Stelle standen, ist das Baptisterium. Seine Bedeutung für die darstellende Kunst in Florenz ist enorm, denn San Giovanni kann mit einem der Klassik entnommenen Raumbegriff als paradigmatisches Vorbild für die Florentiner Architektur angesehen werden, wobei die Form wichtiger ist als die Mächtigkeit.

 

Das 13. Jahrhundert

Diese neue Stadtmauer wurde in kurzer Zeit erbaut, woraus man ersehen kann, wie wohlhabend Florenz zu der Zeit geworden war, jetzt wo es mit seinen ungefähr 30.000 Einwohnern und einem ständigen Bevölkerungszuwachs zum wichtigsten Zentrum der  Toskana geworden war. Gerade die Zuwanderung der Landbevölkerung und der Ärmsten unter ihnen gab den Anlass zu der Herausbildung einer neuen sozialen bürgerlichen Schicht, die Spannungen mit sich brachte, neben denen der Kämpfe der Adligen, die die Macht in den Händen hatten und all der andern, die ausgeschlossen waren, auch der reichen Bürgerfamilien. 1193 führten die Spannungen dazu, dass einige bedeutende Adelsfamilien, unter diesen die Alberti, die bisher keinen Zugang zum Konsulat gehabt hatten, durch die Gunst des Kaisers gestärkt, sich der staatlichen Macht bemächtigten. Im Grunde hatte die neue führende Schicht eine Zusammensetzung, die sich von der alten nicht wesentlich unterschied: der Unterschied lag vor allem im Übergang zu einer Regierungsform mit einem Bürgermeister, denn die ausübende Macht wurde einem einzigen, Podestà genannten, Richter verliehen. Aber mit dem Tod Heinrichs VI. (1197) gewannen die abgesetzten Familien wieder die Oberhand und das konsularische System wurde erneut eingesetzt. Allerdings nur für kurze Zeit, denn der gemeinsame Ansturm der von der Macht noch ausgeschlossenen sozialen Schichte (Kaufleute und Handwerker) führte zur endgültigen Errichtung eines Bürgermeisterregimes. Bürgermeister wurde ein von außen kommender  - der erste war ein gewisser Gualfredotto da Milano -, der auf diese Weise die Unparteilichkeit bei der Anwendung der Gesetze gewähren  sollte. Dem Bürgermeister stand ein in Personen begrenzter Rat zur Seite, der das Kollegium der Konsuln ersetzten sollte, und ein allgemeiner Rat, zu dem die Vertreter der Kaufleute gehörten. So brachte das neue Regierungssystem ein Gleichgewicht in die gegensätzlichen Tendenzen der führenden Adelsklasse und gleichzeitig bekamen auch die mittleren Schichten der Bevölkerung einen ersten bescheidenen Zutritt.

So erlebte die Gemeinde eine Zeit des Friedens, während derer die wirtschaftliche Basis der Stadt noch anwuchs: die Kaufleute, die sich von 1182 ab nach dem Beispiel der Rittergesellschaften in einem körperschaftlichen Bund zusammengeschlossen hatten (L’Arte dei Mercanti), vermehrten sich und breiteten sich bald weit über die Grenzen ihrer Region hinaus aus. So wird Florenz in den Jahren des Übergangs vom 12. zum 13. Jh. ein internationales wirtschaftliches  Zentrum und seine Kaufleute sind auf den wichtigsten Messen der damaligen westlichen Welt vertreten.

Die Wirtschaft erlebt einen Aufschwung und innerhalb weniger Jahre  vervielfältigten sich die Zusammenschlüsse anderer kaufmännischer und handwerklicher Berufe, deren Anzahl rasch zunimmt. Insbesondere vergrößert sich die Zunft der Kaufleute, die sich von nun ab Arte di Calimala nennt. So hieß die Straße, in der sich die hauptsächlichen in der Veredelung  und Färbung der Wollstoffe spezialisierten Werkstätten befanden, die die Tücher als Rohware einführten, um sie dann auf den bedeutendsten Märkten des Abendlandes weiterzuverkaufen. Die Grundlage für das Wirtschaftswachstum war die Bevölkerungszunahme, die nicht nur auf die natürliche Vermehrung, sondern  auf die ständig wachsende Landflucht zurückzuführen ist. Die Zugewanderten ließen sich mit Vorliebe in dem städtischen Viertel nieder, das von dem Land, aus dem sie kamen, abhing. Die immer dringenderen werdenden Ansprüche des Handels und des städtischen Verkehres, zusammen mit der Ausdehnung der  Stadt, führten 1252 zum Bau einer weiteren Verbindung zwischen den Arnoufern, dem Ponte a Santa Trinità. Die nun existierenden vier Brücken waren für die Bedürfnisse der Stadt bis zum 14. Jahrhundert ausreichend. Die Bevölkerungsdichte  und das tiefe religiöse Empfinden der Bewohner rief natürlich auch die Bettelorden in die Stadt als Ausdruck der erneuerten Spiritualität im 13. Jahrhundert.  Die neuen Mönchsorden, Franziskaner, Dominikaner, Augustiner, Serviten, Karmeliten, spielten eine erstrangige Rolle im Stadtgefüge des Hochmittelalters. Aufgrund des ihnen auferlegten Apostolats - die Notwendigkeit, in den dichtbevölkertsten Gegenden zu wohnen und große Räumlichkeiten zu Verfügung zu haben zwecks Treffen mit anderen  Mitbürgern - erbauten sie nicht nur große Klosterkomplexe, sondern wurden auch zum Anziehungspunkt und organisierten das Leben in vielen Bereichen der Stadt.

Die Baugeschichte der Bettelorden kann in Florenz ungefähr in zwei Zeitabschnitte aufgeteilt werden. Der erste, von den Ursprüngen bis zur Hälfte des 13. Jahrhunderts, betrifft die Gründung der Gemeinden und den Bau der ersten Kirchen. All diese Gebäude sind bescheidenen Ausmaßes, wie es die jeweiligen Ordensregeln auch vorschreiben. In der Folge aber nimmt das Ansehen der Bettelorden in der Gesellschaft des 13. Jh. zu und die immer intensiver werdenden  Aufgaben der Predigt und des religiösen Unterrichts für das Volk machen die Erweiterungen dieser Bauten notwendig. So beginnt die zweite Periode der Franziskaner- und Dominikaner-Baugeschichte und all der anderen  Bettelorden, und die meisten der ursprünglichen Bauten werden ganz neu und oft in gewaltigem Umfang wiederaufgebaut. Die Dominikaner lassen sich 1221 in Florenz nieder in der kleinen Kirche Santa Maria delle Vigne, einem Geschenk des Kapitels der Kathedrale. 1246 erweitern sie zum ersten Mal den ursprünglichen Kern ihres Klosters, um dann 1278 den jetzigen Bau von Santa Maria Novella in Angriff zu nehmen. Die erste Kirche der Franziskaner geht zurück auf das zweite Viertel des 13. Jh.s und wird nach Santa Croce, dem heiligen Kreuz, benannt. Zu Ausgang des 13. Jhs., 1294, wird sie in der noch heute gekannten Gestalt erbaut. Dasselbe geschah für die Augustiner von Santo Spirito, die sich 1259 in dem Stadtteil am linken Arnoufer niedergelassen hatten und die wenige Jahre darauf, 1269, ihr Kloster erweiterten, ebenso für die Karmeliter von Santa Maria del Carmine und die Serviten von Santissima Annunziata, einem weiteren Bettelorden, der in Florenz selbst entstanden ist.

Wenn die Lösungen in der Gestaltung doch verschiedenartig sind, so zeichnen sich doch die religiösen Bauten der neuen Orden durch ihre grandiose Ausführung aus. Die kultischen Ansprüche erforderten dies und die Tatsache, dass die Kirchen als öffentliche Bauten angesehen wurden, die vom Volk und für das Volk errichtet worden waren, trug dazu bei. „Ad utilitatem amarum et decorum civitatis expedit.“ Außer dem Wiederaufbau der vorhandenen Kirchen rufen die neuen religiösen Orden große Klosterkomplexe ins Leben, mit Räumen für Studium und Handarbeit; sie organisieren das Gemeinschaftsleben der städtischen Bevölkerung und spielen somit nicht nur eine politische und kulturelle Rolle.

Zu der intensiven Bautätigkeit der Bettelorden kommt die Erneuerung zahlreicher städtischer Kirchen  hinzu, so die der Vallombrosaner mit der Kirche Santa Trinità der Silvestriner Patres, und Santa maria degli Angioli, ein Kamaldulenser Zönobium (1259). Auch die Badia Fiorentina wird 1285 von Arnolfo di Cambio erweitert und verschiedene andere Kirchen werden restauriert (San Simone 1243, Santo Stefano al Ponte 1233, Sant Ambrogio).  Zwischen 1278 und 1294  endlich errichten die demütigen Brüder, die 1239 von Alexandrien nach Florenz gekommen waren und sich  zu Anfang in der Nähe von San Donato a Torri niedergelassen hatten, ihr Kloster und ihre Kirche San Salvatore in Ognassanti und verlegten auch ihre Werkstätte für die Wollverarbeitung  in die Stadt. Die Ausübung der Barmherzigkeit, die mit dem Gebet die Grundlage der neuen Orden ist, führt zur Gründung neuer Krankenhäuser. Zu erwähnen sind besonders: Spedale de Santa Maria Nuova (1286), San Martino alla Scala und San Matteo.

Die großen Kirchen, die die Bettelorden in den letzten Jahrzehnten des 13. Jhs. errichteten, bilden zusammen mit der neuen Kathedrale Santa Maria del Fiore, deren Bau 1294 begann, die wichtigsten Beispiele religiöser gotischer Baukunst in Florenz. Die neuen Formen, die die Zisterzienser nach Italien  importiert hatten, verbanden sich am Arno  mit der Liebe zur Klassik und mit der geometrischen Zweifarbigkeit, die für die Florentiner architektonische Tradition so bezeichnend sind. Es entsteht dadurch eine originelle Interpretation der Gotik und das Hochstreben der Kirchen jenseits der Alpen wird hier durch eine gemäßigtere Version gedämpft und räumlich perfekt ausgewogen. In Santa Maria Novella, das den Dominkanern Fra’ Sisto und Fra’ Ristoro zugeschrieben wird, hat der weite und schmucklose Innenraum, der mit anspruchslosem Material - Sandstein für die Pilaster und Rippen, Ton für den Fußboden und Verputz für die Wände und Gewölbe - verwirklicht ist, einen stilistisch klar ausgesprochenen Charakter, dank des deutlicheren Absetzens der Bauglieder gegenüber der glatten Fläche der Mauern und des in den Proportionen klar aufgeteilten Raumes, in dem das Hauptschiff zu den Seitenschiffen in einem idealen Verhältnis steht. In Santa Croce ist das In- die-Höhe-Streben der nordischen Kirchen noch mehr gedämpft dank des freien Raumes und der Eindeutigkeit der einzelnen Teile. Die drei Schiffe, aus denen die Kirche besteht, sind durch feingliedrige achteckige Pfeiler abgegrenzt, die die weiten Spitzbögen mit ihrer doppelten Umrahmung stützen. Der Dachstuhl besteht, der Franziskaner Regel nachkommend, aus einer horizontalen Balkendecke, so dass ein geschlossener Raumeindruck entsteht, indem die linearen vertikalen Profile immer im Verhältnis zu den horizontalen Elementen stehen, zu der Balkendecke und dem darunter liegenden Ballatoio, dem von Konsolen getragenen Laufgange. Die Perspektive spitzt sich in Richtung des lichtvollen Chors mit seinen hohen Glasfenstern zu.

Im Laufe des 13. Jahrhunderts wurde eine Reihe von Veränderungen vorgenommen und so nahm das Baptisterium sein heutiges Aussehen an. 1202 wurde die halbrunde Aspis durch die jetzige mit dem rechteckigen Grundriss ersetzt. Wenige Jahre später wurde das neue Presbyterium von Fra’ Jacopo mit Mosaiken dekoriert und die großartige musivische Dekoration der Kuppel in Angriff genommen, die im Laufe des Jahrhunderts von griechischen Meistern unter Mitarbeit lokaler Künstler wie  Gaddo Gaddi oder Cimabue vollendet wurden. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts  wurde auch das oberste Geschoss der äußeren Marmorverkleidung hinzugefügt sowie das pyramidenförmige Dach, das die darunter liegende Kuppel verbirgt und die prismenförmige Basis krönt. Die neue dekorative Verkleidung zeichnet sich durch die strengen hervorgehobenen Intarsien und die kaum hervorgehoben Lisenen in zwei Farben aus, die sich fast nur durch den chromatischen Kontrast von der Grundfläche abheben. Die schneeweißen Marmorplatten, die das ganze glatte Dach der Pyramide bilden, unterstreichen die räumliche Struktur des Gebäudes, das in seinem oberen Teil wie eine Art templum cristallinum aussieht.

 

Das 14. Jahrhundert - Guelfen vs. Ghibellinen

Die Zeit des Friedens, die auf die Gründung des Priorates folgte, dauerte nicht lange an. Schon 1216 wird die Feindschaft zwischen den Sippschaften der Buodelmonti und der Amidei zum Vorwand, der die Kämpfe zwischen den führenden Gruppen wieder aufflackern lässt. Es beginnt eine Reihe von Racheakten, unter denen die Florentiner Bevölkerung das ganze Jahrhundert lang zu leiden hat, und die Bevölkerung teilt sich in (kaisertreue) Guelfen und (papsttreue) Ghibellinen. 1244 treffen die Ghibellinischen Adligen, in deren Händen die Macht liegt, die Entscheidung, die soziale Basis der Regierung auszudehnen, um die Gunst der Kaufleute zu erwerben. Diese Tatsache ist ein Vorspiel für die sogenannte Regierung des Primo Popolo. Neben dem Bürgermeister werden zwei Capitani eingesetzt, die das Volk, d.h. die Kaufleute und die Handwerker vertreten. Aber wenige Jahre später, 1250, gelingt es den Kaufleuten und Handwerkern „radunandosi insieme a rumore“ Adligen die Macht zu entreißen und einen neuen politischen Kurs einzuleiten: Il Popolo, der sich den anderen kommunalen Institutionen  widersetzt. Diese neue Organisation hat militärischen Charakter: 20 Kompanien auf topographischer Basis, jede mit eigener Fahne, Bannerträger und Rat. An der Spitze steht der Capitano del Popolo, ein Ausländer (um die Unparteilichkeit zu gewährleisten), als Beistand hat er einen Rat der Alten und einen Rat der Zunftvertreter. Um die Arroganz der Adligen zu beseitigen und um zu verhindern, dass sie die Macht zurückgewinnen könnten, wird die societas militum abgeschafft und die Reduzierung aller adligen Wohntürme auf eine Höhe von fünfzig Ellen verordnet (29m). Es beginnt eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes, in der Florenz einen wirtschaftlichen und finanziellen Aufschwung erlebt. Indikator für Ausdehnung der Florentiner Wirtschaft stellt beispielsweise die Prägung einer Münze dar, des goldenen Florins, der sich zu dem silbernen gesellt, der wiederum seit 1235 geprägt wird. Symbol der Stadt - die Münze trägt auf der einen Seite das Baptisterium San Giovanni Battista und auf der anderen eine Lilie -, bezeugt der goldene Florin, dass im Florenz des 13. Jahrhunderts das wertvolle Metall im Umlauf ist, unterstützt vom Handel, der kontinentalen Umfang erreicht hat, und vom Kreditwesen, das aus Florenz die finanzielle Hauptstadt des Abendlandes macht.

Während der Zeit des Primo Popolo nimmt die Stadt nicht nur an Bevölkerung zu, sie bereichert  sich auch an öffentlichen Gebäuden: 1225 beginnt der Bau des Palazzo del Popolo. Außerdem sorgt man dafür, die Befestigungen im Viertel am linken Arnoufer zu verstärken. Dabei werden als Material auch die Bruchsteine der geköpften Geschlechtertürme verwendet. Auch eine vierte Brücke, Ponte Santa Trinità, wird erbaut. Der Palazzo del Popolo, der heutige Palazzo il Vecchio, war für die Sitzungen des Gemeinderates gebaut worden und mit seiner beeindruckenden Größe, dem hohen, mit Zinnen gekrönten Turm, der in der Höhe alle Türme der Stadt überragt, ist er der architektonische Ausdruck des neuen politischen Kurses. Die Erweiterungen und Zusätze, die 1340-45 hinzukommen, geben dem Palazzo sein derzeitiges Aussehen, streng  und ehrfurchtgebietend in seiner einheitlichen, rechteckigen Masse, kaum unterbrochen durch die leichten Kranzgesimse, die ihn in drei Felder aufteilen, wovon das mittlere durch Einzelbogen- und Zweibogenfenster aufgelockert ist. Der Unglückstag von Monteperti - Florenz wird von den Sienesern besiegt - zieht die Beseitigung aller politischen Errungenschaften des politischen Bürgertums nach sich. Die Ghibellinen reißen die Macht wieder an  sich und mit der Wiedereinsetzung der alten Institutionen  verordnen sie die Zerstörung der Türme, Paläste und Häuser der etabliertesten Guelfen. Die Stadt lag in Schutt und Asche. Sechs Jahre musste Florenz die Übergriffe der Ghibellinen erdulden und wäre zerstört worden, hätte Farinata degli Uberti sich auf der Versammlung in Empoli nicht so für die Stadt eingesetzt. Nichtsdestoweniger blieb die Wirtschaft von diesen politischen Entwicklungen  eher unberührt. Auch das städtische Bürgertum gab nicht auf. Nach dem Tod des letzten Staufers Manfred (26. Februar 1266) versucht es, wieder an politische Macht zu kommen, das Unterfangen wurde von den Ghibellinen, die die Stärke des Volkes fürchteten, vereitelt. Man sah sich, nunmehr ohne kaiserlichen Schutz, gezwungen, Papst Klemens IV. als Friedensstifter zwischen den Parteien  anzuerkennen. Der Papst unterstützt offen die Guelfen, die auf diese Weise mit Hilfe Ritter Karls von Anjou (dessen Spedition von den Florentinern Bankiers finanziert wird) die Macht zurückgewinnen.  Die Guelfen, Herren der Stadt, ernennen  Karl zum Stadtvogt auf sechs Jahre und rufen die  von den Ghibellinen außer Kraft gesetzten politischen Institutionen wieder ins Leben zurück.

Trotz zahlreicher misslungener Versuche einer Aussöhnung beider Parteien entstehen im gesellschaftlichen Gefüge zwei weitere Parteien: die „Popolanti“, Händler und Handwerker, in Zünften zusammengeschlossen und wiederum unterteilt in Grassi, und, entsprechend ihrem Interessenbereich, Minuti und „Magnati“, i.d.R. adlige Guelfen und zurückgekehrte Ghibellinen.

Zwischen 1282 und 1283 gelingt es den höheren Zünften,  die man wohl als mittleren Geschäftsbürgerstand bezeichnen kann, eigene Vertreter und Organe in Regierung einsetzen: hiermit beginnt die Regierung des Popolo Secondo  mit anschließender Errichtung der Priorato, welches zwar mit wechselndem Erfolg, doch fast zweihundert Jahre lang die Vorherrschaft der Zünfte verkörpert. Die neuen Vertreter der Stadtrepublik heißen ab jetzt „Priori delli Arti“ oder später: „signori“; sechs Vertreter, einer pro Stadtteil, sind vorgesehen. Den Vorsitz führt der „Verteidiger der Zünfte und der Handwerker, Befehlshaber und Hüter des Friedens Hüter des Friedens der Stadtrepublik Florenz“. Anfänglich  werden die Magnati von der Regierung nicht ausgeschlossen; Voraussetzung für ihren Eintritt in die Regierung ist jedoch die Mitgliedschaft in einer Zunft.1293 „Ordinamenti di Giustizia“:  jedwede politische Aktivität wird den  Magnati verboten.

In den letzten Jahren des 13. Jahrhunderts erreicht Florenz den Höhepunkt seines wirtschaftlichen und demographischen Wachstums: es beginnt eine Epoche der bedeutenden architektonischen  und urbanen Werke, gefördert durch die ansehnliche Akkumulation von Kapitalien im Rahmen der Expansion des Handels und der finanziellen Aktivitäten. Das alte Stadtbild mit seinen eng von den Mauern umschlossenen Türmen weicht einer neuen Stadt, die sich in einem Gleichgewicht von offenen und bebauten Gebieten ausbreitet, wo die städtische Landschaft, geprägt von den Türmen der mächtigen Familien, durch die strenge Gliederung um die großen öffentlichen Bauwerke gekennzeichnet ist. Die weiterhin wachsende Bevölkerung  wurde außerhalb der 1172 erbauten Mauern ansässig und es entstanden neue Borghi. So erschien der Bau eines neuen Mauergürtels nötig: 1282 geplant, war eine Gesamtlänge der Mauern  von 8500m mit 73 Türmen und 15 turmbewehrten Toren vorgesehen, die eine Fläche von 430 ha umfassten, die fünffache Ausdehnung  des ehemaligen Stadtbezirkes.  Die großzügige Planung ermöglichte, zahlreiche Felder und bebaubare Grundstücke innerhalb der aufzunehmen. Die neuen Stadtmauern wurden angelegt um die Eingliederung der geraden Straßen zu ermöglichen, was den Verlauf des neuen Walls erklärt. Der Mugnone wurde abgeleitet und seine Wasser füllten auch die neuen Festungsgräben entlang den Stadtmauern.  Diese sechste und letzte Stadtmauer war mit dem größtem finanziellen Aufwand verbunden  Daraus erklärt sich das langsame Fortschreiten der Arbeiten, die aufgrund von Kriegen mehrmals unterbrochen und erst 1333 beendet wurden. Nach den Zerstörung aus dem letzten Jahrhundert bleiben nur wenige Abschnitte der Mauern im Oltrano, die ursprüngliche Höhe beibehielten.

Gegen Ende des Ducento kann Florenz mit Recht als bedeutendste Stadt des Abendlandes bezeichnet werden. Die mächtigsten Geschäftsleute beschlossen den Bau zweier neuer monumentaler Gebäude als Wahrzeichen des Reichtums und der Macht der Stadt: der Palazzo della Signoria und die Kathedrale. Arnolfo di Cambio entwarf beide Gebäude sowie die übrigen vom Governo delle Arti beauftragten Gebäude, unter diesen die neuen Stadtmauern. Ab 1294 wurde mit der Erbauung des mächtigen Festungspalastes als Sitz der Priori begonnen, dessen stattliche Fülle alle anderen Bauwerke der Stadt überragte. Er kennzeichnet sich durch den hohen Turm, der dasselbe plastische Motiv des Palastes widerspiegelt.  Die Rustikaverkleidung in Pietraforte betont die männliche und kriegerische Kühnheit des dreistöckigen Baus mit Gesimsen, über denen die zweiteiligen Fenster in Rundbögen eingeschlossen sind.1296 begann man  mit dem Wiederaufbau er antiken Kathedrale Santa Reparata, die zwar riesige  Formen  aufwies, jedoch im Vergleich zu dieser Stadt extrem klein schien. Das neue Gebäude, das nun nicht mehr der palästinensischen Heiligen geweiht war, sondern der Madonna, und zwar Santa Maria Maria del Fiore, wurde im Laufe der Erbauung, die fast ein Jahrhundert dauerte, sowohl in den Abmessungen als auch im Grundriss teilweise geändert. Der kühne Plan Arnolfos blieb jedoch im wesentlichen unverändert, der der Längsgliederung der drei Schiffe einen zentralen Körper einzusetzen versuchte, der in einem einzigen Bauglied das Querschiff und das Presbyterium erhalten und somit drei kleeblattartig um die mächtige achteckige Kuppel liegende Flügel aufweisen sollte. Das Innere des Bauwerks ist gekennzeichnet durch die große räumliche Auslegung, die sich in alle Richtungen des breiten Mittelschiffes ausgedehnt und von Spitzbögen und Kreuzgewölben überragt ist, die auf mächtigen Pfeilern „multipli et uni“  aufliegenden Flügel, verbunden mit sämtlichen Widerlagerlinien. Dem Arnolfo di Cambio wird auch der Bau der großen Franziskanerkirche Santa Croce zugeschrieben, die zusammen mit der Domikanerkirche Santa Maria Novella eines der eindrucksvollsten Monumente aus dem Ende des 13. Jhs. unter der Regierung des Secondo Popolo darstellt.

Mit der Neuorganisierung der Stadt und der Aufteilung in Stadtviertel (1292), sowie mit dem Baubeginn der neuen Mauern wird eine Reihe städtebaulicher Pläne verwirklicht mit dem Ziel, neue Straßen zu bauen und die bereits bestehenden zu verbreitern um das städtische Gefüge einförmiger und schmuckhafter zu gliedern. Neben den zahlreichen  Häusern mit Türmen entsteht einen Reihe von Palästen, die der Händlerbürgerstand als Wahrzeichen und Zeugnis des eigenen Reichtums und der Macht erbauen lässt. Bereits im Laufe des Ducento wurden die Häuser mit Türmen verändert, die verschiedenen Räum wurden mit zahlreichen Öffnungen versehen, teilweise auch mit neuen ornamentalen und dekorativen  Elementen, so der Torre degli Uberti.

In den neuen Bauwerken jedoch, die reiche  Händler und Geschäftsleute in den letzten Jahrzehnten  des 13. Jahrhunderts errichten ließen, sind die Ergebnisse tiefgreifender Veränderungen im Bauwesen bereits bemerkbar und die Häuser mit Türmen werden  vorwiegend durch Bauten ersetzt, in denen die Räume vorwiegend horizontal ausgerichtet mit einer sich teilenden und entspannenden  Anordnung der Volumen und einer komplexeren planimetrischen Auslegung. Die eckigen Massen der Paläste, in denen  die Mauerverkeidungen aus Pietraforte-Ziegeln weiterhin zu sehen sind, werden durch eine immer engere Folge von Öffnungen gekennzeichnet, als Ausdruck einer neuen Welt, freier und weniger schematisch, in einer räumlichen Neuordnung und Neugliederung.

Patrick Dürr