Duomo Santa Maria del Fiore

Baugeschichte
Innenraum des Domes
Die Kuppel von Brunelleschi
Giottos Campanile
Kunst im Dom

 

Baugeschichte

Im Jahre 1296 bekam der damalige Stadtbaumeister Arnolfo di Cambio den Auftrag eine neue, größere Kathedrale zu errichten, um den Konkurrenten aus Venedig und Pisa Paroli zu bieten. Um dieses Bauvorhaben umzusetzen wurde die gesamte alte Kathedrale Santa Reparata abgerissen. Der Name des Doms sollte „Santa Maria del Fiore“ sein, dies auch mit klarem Bezug von „Fiore“ auf die antike Römerstadt Florentia, was soviel bedeutet wie „die Blühenden“.

Bis zu seinem Tode 1310 verwirklichte Arnolfo di Cambio einiges, doch nach seinem Ableben kam die Arbeit erst einmal zum Erliegen, da die Bauressourcen für die dritte Stadtmauer und den Palazzo Vecchio genutzt wurden.

.Neue Impulse gab es erst, als Giotto mit dem Dom beauftragt wurde. Dieser gab seinem berühmten Campanile allerdings den Vorzug vor den weiteren Arbeiten am Dom und so ging die Arbeit vorerst nicht so gut voran. Später wurden auch noch Francesco Talenti und Giovanni di Lapo Ghini mit den Arbeiten betraut. Ghini wollte sogar noch die Pläne Arnolfos ändern und einen wesentlich größeren Dom bauen, allerdings lehnte ein Ausschuss dieses Vorhaben ab und so wurde die Kathedrale nach den größtenteils alten Ideen verwirklicht. So konnten 1379 das Langhaus und das Kirchenschiff schon genutzt werden.

Allerdings fehlte dem Dom noch eine Kuppel, welche ein Problem darstellte, da die Ausmaße mit 45 Metern Durchmesser gewaltig waren. Im Jahre 1418 wurde deshalb ein Wettbewerb ausgeschrieben, aus dem der revolutionäre Architekt und Künstler Brunelleschi als Sieger hervorging. Die Arbeiten dauerten 12 Jahre und seine Kuppel sollte zum Höhepunkt der Renaissance ernannt werden.

Im Jahre 1434 waren die wesentlichen Arbeiten an der Kathedrale beendet und sie wurde durch Papst Eugen IV. geweiht. Später, im Jahre 1461, wurde noch die so genannte „Laterne“ auf die Kuppel aufgesetzt, die man noch heute über 400 Stufen erreichen und von deren Rundgang man die Aussicht genießen kann. Erst im Jahre 1887, also gut 400 Jahre später, wurde die Fassade mit Marmor verkleidet.

Der Dom von Florenz ist der viertgrößte der Welt, nach St. Peter in Rom, der Paulskirche in London und der Mailänder Kathedrale.

Mit seinen klaren, eleganten Architekturelementen und der bewundernswerten Ausarbeitung seines mehrfarbigen Marmorschmuckes gehört Santa Maria del Fiore zu den bedeutendsten und ältesten Beispielen der toskanischen Gotik.

(Florenz – Kunst und Geschichte, S. 4 Z. 20-22)

 

Innenraum des Doms
Die Kathedrale besitzt ein lateinisches Kreuz als Grundriss. Hochaufstrebende Spitzbögen und überwölbte Pfeilerstellungen unterteilen die drei Schiffe genauso, wie Arnolfo di Cambio es sich im Jahre 1296 vorstellte. Im Innenraum finden sich berühmte Fresken wie zum Beispiel „Dante und die göttliche Komödie“ von Domenico di Michelino oder die „Uhr“ von Paolo Uccello . Weitere Kunstwerke von Castagnor Maiano, Ghiberti , Luca della Robbia und vielen mehr tragen zum überwältigenden Anblick im Inneren des Domes bei.

 

Die Kuppel von Brunelleschi

Die Ausmaße der Kuppel betragen 45 Meter im Durchmesser und

116 Meter in der Höhe. Damit stellte sich ein großes Problem mit dem Bau dar. Doch Brunelleschi stellte sich dieser Aufgabe und löste sie phänomenal.

Nachdem er den Auftrag 1418 bekam, begannen die Bauten im Jahre 1420 und dauerten bis 1434 an. Die Kuppel übertrifft die Dimensionen des Pantheons in Rom und stellt auch die erste doppelschalige Kuppel dar.

Für ihre Errichtung, die unter größtem Zeitdruck stand, entwickelte Brunelleschi mit der Fischgrätentechnik erstmalig eine Mauertechnik, die es ermöglichte, die Kuppel selbsttragend einzuwölben. Dazu wurde auf den nach oben hin immer schräger liegenden Backsteinen und dem nur langsam aushärtenden Speis jeweils eine neue Lage von Backsteinen so aufgelegt, dass sie sich gegenseitig verkeilten und nicht abrutschen konnten. Während des Baus wurde ein großer Holzkran eingesetzt, um die Baustoffe nach oben zu befördern. Angetrieben wurde das Hebewerk durch einen Göpel. Dieser erforderte bisher, die Tiere für die Auf- und Abbewegung des Korbs zeitweise umzuspannen. Um diese Umrüstzeiten zu sparen, erfand Brunelleschi ein Wechselgetriebe, das ein Umspannen der Arbeitstiere überflüssig machte.

Bevor der Vorschlag Brunelleschis angenommen wurde, hatten die Zuständigen eine andere verrückte Idee, die hier noch Erwähnung finden soll. Sie dachten daran, da die Kuppel ja ohne Gerüste fertig gestellt werden musste, einfach den Raum darunter mit Erde aufzuschütten, bis sie ebenen Boden an der Kuppel hätten.  Außerdem wollten sie in der Erde jede Menge Gold verstecken, damit man nachher die Armen und Obdachlosen zum Abtragen dieser Geröllmassen bewegen konnte.

Brunelleschis Idee war jedoch um einiges stilvoller.

Zu guter Letzt musste Brunelleschi sich einem weiteren Wettbewerb unterziehen, um die „Laterne“ zu konstruieren, er gewann wieder, starb aber vor ihrer Fertigstellung. Nach seinen Entwürfen wurde die Laterne von Antonia Manetti, Michelozzo und Bernardo Rosselino im Jahre 1461 vollendet.

Den krönenden Abschluss gab es dann 1472, als Verrocchios Kreuz auf goldener Kugel aufgesetzt wurde.

 

Giottos Campanile

Der Glockenturm, welcher von Giotto im hohen Alter noch begonnen wurde, ist ein Beispiel für die gotische Architektur und die große Kunst Giottos . Nach seinem Antritt als „Bauvorsteher“ 1334 bis zu seinem Tod im Jahr 1337 wurde die erste Zone des Turmes fertig gestellt. Die weiteren Arbeiten wurden Andrea Pisano übertragen, der die gesamte 2. Ordnung errichtete, jedoch von Plan Giottos abwich und die Biforien, welche Giotto vorgesehen hatte, einfach wegließ.

Francesco Talenti errichtete dann ab 1343 die 3.Ordnung und hielt sich wieder an Giottos Plan. Die einzige Abweichung ist die weggelassene Spitze des Turms, für welche er stattdessen eine Aussichtsterrasse aufsetzte. 

 

Kunst im Dom

In der Kathedrale Santa Maria del Fiore gibt es viele bedeutende Kunstwerke. Früher gab es noch mehr, doch viele der Kunstwerke wurden ins nahe gelegene Museum der Domopera geschafft. Deshalb wirkt der Innenraum heute ein wenig kahl, die Florentiner verteidigen ihre Kathedrale jedoch immer damit, dass man keinen Prunk benötige um Gott zu huldigen. Außerdem sei die Größe des Gebäudes „erschlagend“ und solle andächtig wirken.

Gewaltig ist das Kuppelfresko von Giorgio Vasari   und Federico Zuccari, welcher die Arbeiten von Vasari nach dessenTod vollendete. Das Fresko zeigt Szenen vom „Jüngsten Gericht“.

Ein weiteres großartiges Fresko von Domenico di Michelino zeigt „Dante und die göttliche Komödie“. Dante Alighieri wurde 1302 aus Florenz vertrieben und lebte den Rest seines Lebens im Exil. Allerdings war er sogar schon zu Ende seiner Lebzeiten in Florenz wieder beliebt und nach seinem Tod wurden sogar öffentliche Lesungen seiner Werke durchgeführt sowie seine Werke gerne untersucht.

So wurde Michelino 200 Jahre nach Dantes Geburtstag, also 1465 mit der Ausführung dieses Gemäldes im Dom beauftragt.

Auf dem Fresko sieht man Dante, der sein Hauptwerk die göttliche Komödie in der linken Hand dem Betrachter präsentiert, mit einem Lorbeerkranz auf einer roten Dichtermütze. Mit der rechten Hand zeigt er auf den Hintergrund, er scheint auch diesen vorzustellen.

Den Hintergrund, genau wie viele andere Motive, hat Michelino den Jenseitsbeschreibungen aus der göttlichen Komödie entnommen. Es gibt drei verschiedene Darstellungen in diesem Fresko. Ganz zur Linken findet man die Schar der Verdammten, welche von scheußlichen Dämonen in die Hölle geleitet werden. Im Hintergrund erhebt sich der „Läuterungsberg“, auf dessen Gipfel Adam und Eva zu erkennen sind. Zur Rechten findet sich eine interessante Darstellung Florenz, wie Dante sie selbst nie zu Gesicht bekam. Die Domkuppel und die Laterne sind vollendet, die Marmorverkleidung fehlt jedoch noch. Dante steht bezeichnenderweise vor der Stadtmauer, als Zeichen der Verbannung, welche ihm 1302 auferlegt wurde. Jedoch geht von seiner linken Hand Licht aus, das Florenz „symbolisch“ erhellt. Dies zeigt, dass die Florentiner Dante akzeptieren und seine Werke loben.
Im Innenraum der Kapelle finden sich zwei Reiterbilder.

Paolo Uccello, Reiterbild des John Hawkwood, 1436

Andrea del Castagno, Reiterbild des Niccolo da Tolentino, 1456 

Das erste schuf Paolo Uccello im Jahre 1436.

Es wurde als Dank für die Leistungen des englischen Söldners John Hawkwood geschaffen. Eigentlich wollte man ihm eine Statue widmen, doch dazu fehlten die Mittel und deshalb wurde Uccello mit einem Fresko beauftragt. Die Auftraggeber verlangten eine Ausführung in jenem grünlichen Farbton (terra verde), der der Patina einer Bronze angenähert ist. Zweifellos sollte dies eine direkte Anspielung auf Reiterbildnisse der Antike sein und Hawkwood wurde als Nachfolger des berühmten römischen Feldherren Fabius Maximus geehrt. Auffallend ist, dass der Sockel in extremer Untersicht dargestellt ist, wobei der Reiter im Profil wiedergegeben ist. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass Uccello Veränderungen vornehmen mussten, da die Auftraggeber mit seinem ersten Werk nicht zufrieden waren.

Das zweite Reiterfresko stammt von Andrea del Castagno . Dieses zeigt den Söldnerführer Niccolò da Tolentino. Dieses Fresko ist in den gleichen Maßen gehalten wie das Gegenstück von Uccello.

Da diese beiden Fresken ähnliche Darstellungen enthalten, kann man sie gut vergleichen und so die Unterschiede der beiden Meister erkennen.

Bei Castagno sind das Pferd und der Reiter in der Bewegung dargestellt und man sieht deutlich das Muskelspiel. Er verzierte sein Fresko auch mit mehr Details und schönen Dekorationen. Außerdem hat Castagno sein Fresko einem Marmordenkmal angenähert.

Quellen:

Rolf C. Wirtz, Florenz, Kunst und Architektur, Köln 1999

Florenz, Kunst und Geschichte - Santini und Donati, 1991

Terni, Florenz und Toskana - Dorling, 2001

Marcel Wiegelmann