Battisterio San Giovanni

Baugeschichte
Die Bronzetüren von Pisano und Ghiberti
Der Innenraum

 

Baugeschichte

Das Baptisterium stammt aus dem 11. Jahrhundert und wurde 1095 Johannes dem Täufer geweiht. Es ist damit das älteste Gebäude Florenz. Es wird davon ausgegangen, dass es anstelle eines frühchristlichen Salvatorkirchleins erbaut wurde.

Die Architektur zeigt deutlich die Kunstepoche der Romanik, in der die Kapelle entstanden ist. Romanik und das davor liegende frühe Mittelalter unterscheiden sich kaum durch unterschiedliche Bauweisen. Vielmehr wird in der romanischen Architektur größtenteils auf Prunk und Schmuck verzichtet. Die schlichte Fassade gibt keine Auskunft über das Innere der Gebäude, das durch viele Skulpturen und Gemälde eine sehr prunkvolle Wirkung erzielt.

Die Taufkirche weist einen achteckigen Grundriss auf. Die Wände bestehen aus grünem und weißem Marmor aus dem 13. Jahrhundert. Die Verarbeitung des Marmors zeigt Parallelen zwischen der Renaissance und der Antike auf. Sie tritt bei den meisten Kathedralen in Florenz auf.

Ein schlichtes Zeltdach bedeckt das Baptisterium.

Äußerlicher Schmuck ist ausschließlich an den drei zu den Himmelsrichtungen gewandten, vergoldeten Bronzetüren angebracht.[1]

Die Bronzetüren von Pisano und Ghiberti

Die Türen wurden im Zeitraum von 1330 bis 1336 fertig gestellt. Sie stellten den Beginn einer eigenständigen Florentiner Bildhauertradition da.

Andrea Pisano erstellte die Südtür. Diese sollte nach Plänen der Arti di Calimale, derzeit mächtige Tuchhändlerzunft in Florenz, eine zweiflügelige Holztür sein, die mit Bronzeplatten versehen sein sollte. Später entschied man sich jedoch für eine massive Bronzetür. Sie war vorerst an der Ostfassade angebracht, wurde aber am 14.06.1452 durch Ghibertis Paradiestür verdrängt.

Jeder Torflügel ist mit 10 Relieftafeln versehen. Der linke Türflügel zeigt Szenen des öffentlichen Lebens und der Predigt. Der rechte Flügel befasst sich mit dem Martyrium (freiwillig in Kauf genommener Tod um des Glauben Willens). Dadurch werden indirekt Interaktion und Architektur dargestellt.

Die jeweils unteren vier Tafeln beschreiben Tugenden und Demut. Die Demut wurde hinzugefügt, um die formalen Richtlinien zur Gestaltung der Tür einhalten zu können.

Nach der Fertigstellung des Südportals forderte Pisano eine weitere Bronzetür an der Nordseite des Baptisteriums. Daraufhin wurde 1401 ein Wettbewerb zur Erstellung des Nordportals ausgeschrieben, bei dem außer Pisano auch Brunelleschi , Ghiberti sowie vier weitere Künstler teilnahmen. Anreiz für die Errichtung eines weiteren Portals war, die innere Festigung und demokratische Ideologie zu veranschaulichen.

Lorenzo Ghiberti gewann den Wettbewerb und errichtete die Nordtür in der Zeit von 1403 bis 1424. Bei der formalen Gestaltung hatte er sich streng an Pisanos Südportal zu halten. Daher besitzt dieses Portal ebenfalls 20 Relieftafeln, allerdings zeigen sie das Leben Christi, wodurch die Nordtür ein ikonographisches Gegenstück zur Südtür bildet. Im weiteren Vergleich wirken die Szenen auf den Relieftafeln durch eine höhere Anzahl von dargestellten Personen lebendiger und gedrängter. Die Interaktion rückt stärker in den Vordergrund.

Die unteren acht Tafeln zeigen Evangelisten und Kirchenväter.

Ein Jahr nach Beendigung des Nordportals, wurde Ghiberti ein weiterer Auftrag zum Bau einer Osttür erteilt.

Die Osttür besitzt Relieftafeln, die Szenen des Alten Testaments darstellen.

Er sollte sich bei der formalen Gestaltung dieser Tafeln an den bereits vorhandenen Türen orientieren. Allerdings platzierte er statt 20 nur 10 Relieftafeln, die jeweils eine Größe von 78x 77 cm, also das Fenstermotiv der Renaissance, aufweisen. Dadurch entsteht eine weiträumige Ausdehnung des Bildgedankens, die Landschaft und die Architektur bekommen ein neues, höheres Gewicht. Landschaft und Architektur werden real dargestellt, wodurch Ghiberti die Kunst revolutioniert. Ebenfalls fortschrittlich ist die klare Raumgestaltung, die durch die Perspektive entstanden ist.

Der Rahmen ist mit einem Fries mit Blumen, Früchten, Blättern und Tieren bedeckt, was den Reichtum der Erde und von Florenz erkennen lassen soll.

Mit der Paradiestür ist Ghiberti, der für gemäßigte Kunst bekannt war ein enormer Stilwandel gelungen.[2]

Der Innenraum

Der Innenraum steht im Kontrast mit der Außenfassade. Besonders auffällig ist das Kuppelmosaik, welches das schlichte Zeltdach kaschiert. Die Erstellung des Mosaiks wurde 1225 begonnen und 1270 fast fertig gestellt. Die Arbeit wurde von Venezianern verrichtet.

Nach dem Kuppelmosaik der Kathedrale San Marco ist es das bedeutendste dieser Zeit. Da es aber durch antikisierende Formelemente im unteren Raumbereich einen Stilbruch zur Umgebung darstellt, fand es in der Bevölkerung kaum Anerkennung.

Das Mosaik verkleidet eine in sich verstrebte Kugel, die unter dem Zeltdach angebracht ist. Durch die Kugelform erscheint das Mosaik wesentlich pompöser.

Im Mittelpunkt des Mosaiks steht Jesus mit einer Höhe von acht Metern im Jüngsten Gericht. Dieser Teil des Mosaiks wurde durch Coppo di Marcovallo verwirklicht.

Des Weiteren  wird die Kuppel in vier Streifen untergliedert. Sie erstrecken sich in Form von Zyklen rund um die Kuppel in denen Darstellungen des alten Testamentes zu finden sind. Dazu zählen die Ereignisse von Genesis bis zur Sintflut, die Geschichte von Joseph in Ägypten, eine Darstellung aus dem Leben Marias und Christus sowie das Leben von Johannes dem Täufer. Als Vorbild dienten Entwürfe von Florentiner Malern, unter anderem Cimabue.

Die oberen drei Zyklen stoßen an das Weltgericht. Vorraussetzung für diese These ist, das Christus das übergeordnete Thema der Zyklen ist. Der untere Zyklus setzt sich von den oberen ab, da Johannes das Hauptthema bildet. Die Verbeugung vor Johannes als Fürbitter im Weltgericht könnte möglicher Grund für die Parallelsetzung von Weltgericht und Johannes sein. Allerdings ist nicht nachgewiesen, ob diese Zeitfolge der Grundgedanke des Zyklus war.[3]

Ansonsten ist der Innenraum, wie die Fassade, von grünem und weißem Marmor geprägt. So ist zum Beispiel das Taufbecken aus solchem Marmor erstellt. Es ist aber auch wegen seiner Reliefs der Pisaner Schule erwähnenswert. Das Grabmal des Gegenpapstes Johannes XXIII. muss ebenfalls an dieser Stelle genannt werden. Es wurde von Donatello und Michelozzo erstellt.[4]


[1] Vgl. Loretta Santini/ Germano Donati: Florenz- Kunst und Geschichte, Narni- Terni 1991, S.14

[2] Vgl. M.Scherpe: Battistero San Giovanni, Karlsruhe 2001

[3] vgl. ebd.

[4] Vgl. Loretta Santini/ Germano Donati: Florenz- Kunst und Geschichte, Narni- Terni 1991, S.14

Lukas Hamm