vanitas (lat., leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit)

  • seit dem Niedergang des römischen Reiches und dem Beginn der Vorherrschaft des christlichen Denkens aus der Bibel (AT Koh. 1,2) übernommene Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen

  • nach dieser Vorstellung ist alles, was Menschen schaffen, leblos, da nur Gott Dinge beleben kann

  • Produkte des Menschen werden stets im Zusammenhang mit der dem Menschen von Gott zugedachten Rolle im Leben gesehen und gewinnen ihren Stellenwert nur dadurch, dass sie Ausdruck des gottgefälligen Tuns sind und dazu dienen, durch möglichst sündenfreies Erfüllen der Rolle den Eingang ins ewige Leben bei Gott zu erlangen

  • damit ist die Bedeutung der vom Menschen geschaffenen Dinge erloschen, sobald der Mensch stirbt

  • da dies auch Kunstwerke betrifft, müssen diese ihre Existenz quasi rechtfertigen, was dadurch geschieht, dass sie die Nichtigkeit weltlicher Dinge als Botschaft vermitteln (Bsp. Totentanz-Darstellungen in der bildlichen Kunst, Satiren in der Literatur, die die Lächerlichkeit, Ungehörigkeit und Selbstbezogenheit des Menschen als falsch entlarven)
  • seit der Renaissance und dem Aufblühen von Wissenschaften und Künsten - und das unter Rückgriff auf weltliche Vorstellungen der Antike - entsteht ein erhöhter Rechtfertigungszwang
  • dieser schlägt sich in den Vanitas-Darstellungen nieder, die die menschliche Demut angesichts der Allmacht Gottes einerseits und das neue menschliche Selbstbewußtsein angesichts seiner eigenen Errungenschaften andererseits durch die Darstellung von Schönheit und Verfall miteinander verbinden
  • Verstärkung erfährt der vanitas-Gedanke im 17. Jh. durch den 30jährigen Krieg, der sowohl das Bedürfnis weckt, das Leben zu genießen, solange es möglich ist, als auch durch die ständige Bedrohung von Leben und Besitz die Erfahrung vermittelt, dass das Irdische vergänglich ist und keine Perspektive bietet, weswegen diese im Glauben an das ewige Leben im Jenseits gesucht wird
  • insofern spiegelt der vanitas-Gedanke seit der Renaissance den Konflikt zwischen Mittelalter und Moderne wider