Blatt mit Zeichnung

Beschreibung: Der zwischen die Seiten des untersten Buches eingeklemmte und herunterhängende weiße Blatt zeigt die Zeichnung eines einfach gekleideten Menschen. Die weiten Hosen und die umfangreiche Kopfbedeckung könnten ihn als einen Fremden erscheinen lassen, dessen Erscheinung für eine Beschreibung in dem Buch illustriert wurde. Nicht zu entscheiden ist, ob es sich um eine Federzeichnung oder einen Kupferstich handelt; für den Kupferstich spricht, dass Stoßkopf zunächst eine Lehre bei einem Straßburger Kupferstecher antrat, bevor er nach Hanau ging.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Während im Mittelalter Buchillustrationen wie auch der Text selbst von Hand gefertigt wurden und dabei meist kunstvoll ausgemalt und mit Verzierungen versehen waren - entsprechend dem Wert der raren und außerordentlich teuren und kostbaren Bücher - gibt es seit der Erfindung des Buchdrucks um 1440 in zunehmenden Maße Buchillustrationen, die auf der Technik des Kupferstechens beruhen, wozu beitrug, dass die Druckplatte bis zu einer Auflage von 600 Exemplaren wiederverwendet werden konnte. Die meisten Bücher enthielten Illustrationen, um den Text zu veranschaulichen und die Vorstellungskraft der Leser anzuregen. Die Häufigkeit von Illustrationen knüpft daran an, dass die Rate von Analphabeten - auch in wohlhabenden Schichten - bis zum 17. Jahrhundert relativ hoch war, so dass die Menschen gewöhnt waren, Bilder zu „lesen" und dabei auch das kleinste Detail zu betrachten. So sind z.B. die Bildprogramme mittelalterlicher Kirchenfenster oder auch die reiche Ausschmückung barocker Kirchen mit Gemälden darauf zurückzuführen, dass durch diese Bilder Analphabeten die biblische Geschichte vermittelt wurde. Insbesondere im Italien der Renaissance stifteten reiche Familien die Ausmalung von Kirchenkapellen und ließen Szenen aus der Bibel oder der Heiligengeschichte darstellen, die durch die Gestaltung in zeitgenössischen Szenerien und durch Einbezug der Gesichtszüge von Familienmitgliedern gleichzeitig Schriftunkundigen auch die Bedeutung der Stifterfamilie vermittelten. Seit dem Aufkommen von Büchern mit säkularen Inhalten - besonders seit dem Zeitalter der Entdeckungen - werden entsprechend auch weltliche Erscheinungen in den Buchillustrationen dargestellt.
Deutung: Zeichnungen und Buchillustrationen gehören zunächst in den Bereich der Kunst, so dass das hier abgebildete Blatt auch entsprechend als ein Symbol der Kunst gesehen werden kann. Bezieht man den Zweck der Buchillustrationen ein, so ergibt sich zusätzlich, dass auch die menschliche Erkenntnis symbolisiert wird, die durch die Illustrationen gestärkt werden sollte.