Stilleben (niederl. stil leven, engl. still life)1

  • Bezeichnung für eine Darstellung stiller, d.h. regungsloser Gegenstände, die aus ihrer natürlichen Umgebung entfernt und vom Maler bewusst in einer nach ästhetischen Gesichtspunkten komponierten Anordnung aufgebaut sind

  • generell sind Stilleben zunächst ein Zeichen der Verweltlichung, die in der Renaissance beginnt, da das Leben auf der Erde im mittelalterlichen Denken nur als Durchgangsstation aufgefaßt wurde, in der sich der Mensch bewähren mußte, um dann das ewige Heil im Jenseits zu erlangen

  • in diesem Denken ist die Abbildung irdischer Realität nicht der Mühe wert

  • Renaissance schafft auch Grundvoraussetzungen des Stillebens: Modellierung plastischer Gegenstände durch Licht und Schatten, räumlich-perspektivische Darstellung

  • erste Stilleben erscheinen als Teile in Gemälden mit religiöser Thematik (Weiterführung der ma. Tradition) und haben dort symbolische Bedeutung

  • Forschungen und Entdeckungen der Renaissance führen dann zu Ausweitung der Thematik: detailgenaue Naturstudien, gekennzeichnet durch realistische Wiedergabe von Dingen, die Können und Beherrschung der technischen Mittel der Malerei verlangen

  • im 17. Jh. beliebteste Bildgattung der Malerei und Gewinnung des „Status" als autonome Stilleben

  • Ziel: Erfassen von Naturgegenständen und Gegenständen des alltäglichen Lebens in ihrer Schönheit + Vermittlung eines gedanklichen Inhalts durch eine verschlüsselte Botschaft (symbolische Bedeutung der Gegenstände)

  • dabei Anordnung entsprechend der symbolischen Bedeutung

  • in der 1. Hälfte des 17. Jhs. sehr häufig in der Gestalt der Sondergattung des Vanitas-Stillebens

  • im späteren 17. Jh. im Zusammenhang mit der Ausbildung des Absolutismus, der u.a. der Repräsentation der Macht zu eben ihrer Aufrechterhaltung bedurfte, Bevorzugung der Prunkstilleben, die einen primär dekorativen und repräsentativen Selbstzweck besaßen

1 vgl. Kindlers Malerei Lexikon im dtv, Bd. 14, München 1976, S. 282 ff.; http://de.wikipedia.org/wiki/Stillleben [entnommen am 14.3.2012]