Rüstung und Schwert
Beschreibung: An der Wandvertäfelung des Hintergrundes hängt ein Schwert an einem Haken. Das Heft des Schwertes, dessen oberster Teil nicht zu sehen ist, und die Parierstangen sind aus Gold gefertigt. Die Klinge, die in einer Schwertscheide steckt, zeigt schräg nach unten. Im rechten Mittelgrund ist ein Teil der dazu gehörigen Rüstung zu sehen, bei der es sich um einen Plattenharnisch (Plattenpanzer) handelt. Zu sehen ist der vordere Teil des Helms mit Halsberge und Visier, wobei die untere Kante der Halsberge sowie die Streben des Visiers sowie die Mittelnaht des Helms vergoldet sind, sowie der obere Teil des Brustpanzers mit den Brechrändern des rechten Armes.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang1: Der Plattenharnisch ist eine Weiterentwicklung der schon im 8. Jh. getragenen Brünne, die als Körperschutz diente und aus gepolstertem Leinen oder Leder gefertigt wurde. Mit der Veränderung der Kampf- und Waffentechnik wurde ein stärkerer Schutz des Körpers nötig, weswegen man begann, die Brünne durch aufgenähte Eisenringe, Ketten oder Metallplatten zu verstärken, woraus sich wiederum das Kettenhemd entwickete, das die meisten Menschen mit dem Begriff einer Ritterrüstung verbinden. Ab dem 14. Jh. benutzten Kämpfer den Plattenharnisch, der gegen die langen Lanzen und langen Schwerter besser schützte und diese bei einem Stoß abgleiten ließ. Plattenharnische wurden maßgefertigt und ihre Herstellung war sehr teuer, weil das Metall in einem aufwendigen Prozeß gehärtet werden mußte. Zudem bedurfte es spezialisierter Kenntnisse im Bereich der Anatomie, um die Beweglichkeit des Kämpfers zu erhalten. Daher wurden Plattenpanzer nur von reichen Adligen getragen; ärmere Adlige und einfache Ritter begnügten sich weiterhin mit dem Kettenhemd oder gar der alten Brünne. Daher zeugte besonders im Spätmittelalter, nachdem die spätmittelalterliche Agrarkrise zur Verarmung vieler Angehöriger des niederen Adels (woraus sich die „Notwendigkeit" des Raubrittertums entwickelte) beigetragen hatte, von der Macht und dem Wohlstand des Trägers. Diese reichen Adligen besaßen vielfach auch eine Prunkrüstung, die zu repräsentativen Zwecken diente und nicht im Kampf getragen wurde.
Deutung: Im vorliegenden Bild handelt es sich um eine Prunkrüstung mit einem Prunkschwert, wie aus der Vergoldung zu erkennen ist. Dabei macht der goldene Griff des Schwertes auf die Verlockung des Greifens nach Ruhm aufmerksam. Der symbolische Wert dieses Bildbestandteils ist in der Darstellung von Reichtum, weltlicher Macht und Tapferkeit zu sehen; Tapferkeit war neben Frömmigkeit und Milde eine der hervorstechenden Tugenden, die von einem Ritter erwartet wurden.
1 vgl. Joachim Bumke, Höfische Kultur, München 1986, S. 127 ff.