Globus1

Beschreibung: Der Erdglobus im rechten Bildvordergrund befindet sich in einer Halterung aus einem horizontal verlaufenden Ring (Äquatorring), der auf vier Füßen steht, von denen jedoch nur die vorderen zwei zu sehen sind. Auf diesem ist ein vertikal verlaufender Ring angebracht, der Meridianring genannt wird. Dieser scheint ebenfalls aus Holz zu sein. Der Globus selbst zeigt eine helle Grundfarbe; das nicht durchgehend klar erkennbare Kartenbild weist jedoch deutlich identifizierbare Verzierungen in Gestalt von Tierabbildungen auf: so ist Europa durch einen Bären, Afrika durch einen Löwen und der Atlantik durch eine übergroße Krabbe gekennzeichnet.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Diese Verzierung eines Erdglobus, dessen Entstehung und Verbreitung in Europa mit dem Zeitalter der Entdeckungen im 15. Jh. begann, geht vermutlich zurück auf die Gewohnheit, noch unbekannte Teile der Erde mit Fabeltieren zu illustrieren. Der erste erhaltene Globus dieser Art wurde um 1507 hergestellt (sog. Hunt-Lenox-Globus). Einer der ersten Erdgloben ist der sog. Erdapfel, der 1492 von Martin Behaim in Nürnberg angefertigt wurde.

Die Verbreitung von Globen folgte der Bedeutsamkeit der Seefahrt in Europa. So begann die Herstellung von Globen in Italien, gefördert durch dessen Vorreiterstellung bei der Wiederentdeckung der antiken Wissenschaften - bereits im 2. Jh.v.Chr. war in Griechenland die Kugelgestalt der Erde bekannt und es wurden Versuche unternommen, den Erdumfang zu berechnen, Kenntnisse, die im Mittelalter weitgehend verloren gingen, zumal der Glaube an die Scheibengestalt der Erde von der Bibel bestätigt zu werden schien, in der von „vier Enden der Welt" die Rede ist. Von Italien aus verbreitete sich der Globus nach Nordeuropa, vornehmlich in die Niederlande, die die beherrschende See- und Handelsnation des 16. Jahrhunderts waren. Frankreichs Aufstieg zur See- und Handelsnation führt dann dort zur Vermehrung der Globenherstellung, bis letztlich im 17. Jahrhundert England die Weltmacht auf dem Meer wurde und auch die Führung in der Karthografie und Globenherstellung übernahm. Globen dienten weniger der Navigation auf See als der Darstellung und Unterrichtung über Geographie. Vielfach wurden sie auch von Handelshäusern oder auch Familien reicher Seefahrer erworben, um von zu Hause aus die Routen der Schiffe nachverfolgen zu können.

Deutung: Gemäß der Tatsache, dass die Wiederentdeckung antiker Erkenntnisse und deren Erweiterung Grundlage des Erdglobus sind, ist der Globus zunächst als ein Symbol von Gelehrsamkeit und Bildung zu deuten. Darüberhinaus könnte er zusätzlich als Symbol von Macht gedeutet werden, da die Globenverbreitung eben der Macht von Seefahrernationen folgte. Als Abbild der Erde stellt er aus der christlichen Sicht genau das Irdische dar, das dem Verfall und der Vergänglichkeit anheimgegeben ist. Von daher kann der Globus im Bild als ein weiteres Zeichen der vanitas gesehen werden, als eine Erinnerung daran, dass wissenschaftliche Errungenschaften und Macht nicht von Dauer sind, sondern wie alles Irdische vergänglich sind.

1 vgl. Alois Fauser, Kulturgeschichte des Globus, München 1973, S. 38 ff., S. 63 f., S. 74 ff.