Fenster mit Fensterläden
Beschreibung: Mittig im Hintergrund ist an der getäfelten Wand ein Kastenfenster mit Innenfensterläden aus hellem Holz angebracht. Der linke Fensterladen ist geschlossen; er ist mit der Laibung durch Metallbeschläge verbunden. An der rechten Seite dieses Fensterladens sind Teile von Beschlägen zu erkennen, die zum Schließen der Läden erforderlich sind. Der rechte Fensterladen steht offen, so dass die in roter Farbe gehaltene Innenseite und die ebenfalls rot gemalten Zargen erkennbar sind. Der Blick nach außen ist nicht möglich, d.h. das Fenster gibt kein Licht für den Raum ab, entweder weil es Nacht ist oder weil ein weiterer äußerer Fensterladen geschlossen ist.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Fenster waren ursprünglich einfache ovale oder rechteckige Maueröffnungen ohne eine Möglichkeit des Verschlusses. Deswegen waren sie relativ klein. Um sich gegen eindringende Feuchtigkeit und gegen Wind zu schützen, entwickelte man dann Bespannungen aus Häuten, Pergament oder Leinen, während Fensterverglasungen wegen der hohen Kosten zunächst im Mittelalter nur den Kirchen und seit dem Spätmittelalter auch weltlichen Bauten wie öffentlichen Gebäuden in Städten oder Wohnsitzen reicher Adliger vorbehalten waren. Als Verstärkung des Schutzes gegen die Witterung, aber auch als Schutz gegen unbefugtes Eindringen in Zeiten einer generellen Unsicherheit bei Dunkelheit sicherte man seit der frühen Neuzeit Fenster durch Fensterläden, wobei sowohl Innen- als auch Außenfensterläden gebräuchlich waren.
Deutung: Das Fenster ist wesensmäßig die Schwelle zwischen Innen und Außen, der Ort des Übergangs zwischen diesen beiden Zuständen. Hier ist nur eine Seite des Fensters durch den offenen Fensterladen offen, die andere Seite ist geschlossen und verwehrt dadurch die Sicht und den Übergang. Auffällig ist, dass der offene Fensterladen an seiner Innenseite in roter Farbe gemalt ist. Diese Farbe steht häufig zur Erinnerung an das Blut Christi und die Erlösung des Menschen durch seinen Tod. Bezieht man diesen Aspekt ein, so erhält das Fenster einen doppelten Gehalt. So würde es hier den Übergang vom Diesseits ins Jenseits symbolisieren, für das zwei Möglichkeiten existieren: Der in seinem Leben gottgefällige Mensch kann durch den Erlösertod Christi ins Jenseits eingehen, das ihm jedoch zu seinen Lebzeiten nicht einsichtig ist (Dunkelheit außerhalb), so dass der Glaube an das ewige Leben das Vertrauen in Christus voraussetzt. In dieser Deutung symbolisiert der verschlossene Fensterladen die andere Möglichkeit, nämlich dass dem sündigen Menschen der Eingang ins Jenseits verschlossen bleibt. Die zentrale Positionierung des Fensters im Hintergrund würde diese Deutung insofern unterstützen, als das Fenster am hinteren Ende des Raumes das Ziel des Lebens, durch den Tod in das Licht Gottes zu gelangen, kennzeichnen könnte.