Bücher

Beschreibung: Fast im Zentrum des Bildes im Mittelgrund sieht der Betrachter auf dem Tisch eine Ansammlung von Büchern, teils aufrecht stehend, teils als Bücherstapel liegend. Eines der Bücher ist durch Schnallen geschlossen und gesichert. Der Einband der Bücher ist aus Leder, teils dunkel-, teils hellbraun bis fast weiß. Bei dem untersten Buch des Stapels sind auf dem Bückrücken die Rippen der darunter befindlichen Bindung zu erkennen.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Die ersten Vorläufer des Buches wurden im 1. Jh. entwickelt, als im römischen Reich damit begonnen wurde, mehrere Pergamente, die auf beiden Seiten beschrieben wurden, in der Mitte zu falten und mit einem Faden aneinander zu binden. Dadurch entstand der sog. Codex. Bei dieser Art der Buchherstellung blieb es bis zum 15. Jh. Die einzige Veränderung war, dass nun nicht mehr das ganze, später in der Mitte zu faltende Pergament durchgehend beschrieben wurde, sondern dass man darauf achtete, dass die Rückseite den Text der Vorderseite fortsetzte. Dazu mußte man vorab die Größe der Codices bestimmen und dann errechnen, wie viele Seiten aus einem Pergament entstehen würden. Eine weitere Veränderung ergab sich durch die Benutzung von Papier statt Pergament. Papier war weit billiger und auch einfacher herzustellen, insbesondere seit Einführung von Papiermühlen im 14. Jh. Dennoch blieben Bücher einer der teuersten und damit auch seltensten Gegenstände der Zeit. Sie waren handgeschrieben und von Hand illustriert, d.h. jedes einzelne Buch, wie häufig es auch kopiert wurde, war ein Unikat. Bücher setzten in der Produktion die Fähigkeit zu lesen und zu schreiben sowie auch die für einen so langen Prozeß nötige Zeit voraus, so dass die Produktionsstätten der Bücher meist Klöster waren, in denen es Schreibstuben gab, die regelmäßig mit vielen Fenstern ausgestattet und auch gewärmt waren, um genügend Helligkeit zu gewährleisten und das Verkrampfen der Finger durch Kälte zu verhindern. Bücher wurden für den eigenen Gebrauch der Klöster, die regelmäßig umfangreiche Bibliotheken besaßen, produziert. Jedoch wurden auch, wenngleich viel seltener, Bücher im Auftrag eines weltlichen Adligen geschrieben. Durch die Abhängigkeit der Buchproduktion von den Klöstern wurde auch die Thematik der Bücher bestimmt: sie war in der Regel religiös. Hergestellt wurden Bibeln, Meßbücher, Stundenbücher, Monatsbücher, Heiligenlegenden, Abschriften der Lehren der Kirchenväter u.ä. Daneben kopierten die Klöster aber auch antike Bücher, wenn sie ihrer habhaft werden konnten, wodurch ein wesentlicher Beitrag zur Wiederbelebung und Weiterentwicklung der Wissenschaften geleistet wurde. Außerdem wurden Bücher erstellt, die z.B. die Einnahmen und Ausgaben des Klosters verzeichneten oder sonst im Zusammenhang mit dem Betrieb des Klosters standen. Außer in Klöstern wurden Bücher nur noch in den Kanzleien von Herrschern bzw. hohen Adligen hergestellt, meist als Gesetzesaufzeichnungen, Güterverzeichnissen, Rechnungsbüchern, aber auch Chroniken usw.

Erst mit der Erfindung des Buchdrucks um 1450 durch Johannes Gutenberg veränderte sich die Herstellung und damit auch die Verbreitung von Büchern. Der Druck mit beweglichen metallenen Lettern und die Druckerpresse machte die Massenproduktion von Büchern möglich. Die neue Technik breitete sich - für damalige Verhältnisse - rasend schnell in Europa aus, zumal sich der Buchdruck als ein gewinnbringendes Unternehmen erwies. Mit dem Buchdruck begann praktisch eine Revolution der Informationsverarbeitung: Bücher konnten beliebig oft gedruckt werden, die Inhalte wurden breiter, insbesondere in Bezug auf die Wissenschaften, sie förderten die Alphabetisierung der Bevölkerung und individualisierten das Lesen, das nun vom Vorlesen und Zuhören abgelöst wurde. Auch wenn wissenschaftliche Traktate als thematische Schwerpunkte hinzukommen, wird die Literatur selbst erst im Zuge der Aufklärung verweltlicht, nachdem sich die zuvor eingeleiteten Prozesse vervollständigt hatten und das auschließlich religionsgebundene Denken anfing, sich aufzulösen.

Deutung: Bücher sind Mittel, die dem Menschen religiöse Unterweisung geben und zu seiner Erbauung beitragen. Gleichzeitig sind sie, jedenfalls in der Mitte des 17. Jhs., auch Mittel, mit denen wissenschaftliche Erkenntnisse verbreitet werden. Sie verbreiten das Bemühen, die Gesetze, nach denen die Welt funktioniert, zu erforschen und zu erfassen, d.h. sie versuchen, das Geheimnis der göttlichen Schöpfung aufzudecken. In dieser Lesart sind Bücher eine Versuchung, gottgleich werden zu wollen, und sie stellen somit eine Warnung vor der Hybris des Menschen dar.