Historischer Hintergrund der Entstehungszeit

Das Entstehungsjahr des Bildes, 1641, fällt in die zeitbestimmenden Vorgänge der konfessionellen Auseinandersetzungen zwischen Protestanten und Katholiken. Die Gegenreformation beabsichtigte - ausgehend von Süddeutschland und nach Norden vordringend - die Rekatholisierung der protestantischen Länder. Die Mittel der Gegenreformation waren nicht nur Unterweisung und Belehrung der Bevölkerung in der aus Sicht der katholischen Kirche einzig wahren, richtigen Glaubenslehre, sondern sie richtete sich vor allem auch an die einfache Bevölkerung, die überwiegend noch analphabetisch war. Diese Bevölkerung war nicht durch gelehrte Diskurse und Auseinandersetzungen zurückzugewinnen, sondern bedurfte der Unterweisung im Glauben durch einfache Mittel, die die religiösen Inhalte und Leitsätze verständlich und vor allem anschaulich darlegte. Daher nahm die bildliche Darstellung von Sachverhalten und moralischen Sätzen einen wichtigen Platz ein. Gleiches gilt aber auch für die Durchsetzung und Verbreitung reformatorischer Glaubensinhalte, wenngleich diese nicht darauf zielte, durch Bilder biblische Geschichte zu vermitteln, sondern eher das unmittelbare Verhältnis des Menschen zu Gott in den Mittelpunkt stellte und von daher zu Tugendhaftigkeit im Glauben aufrief.
Ihren letzten Höhepunkt fanden die konfessionellen Auseinandersetzungen im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), der nicht nur eine Auseinandersetzung zwischen Katholiken und Protestanten darstellte und insofern die Kriege des 16. Jahrhunderts fortsetzte, sondern der wesentlich eine Auseinandersetzung zwischen dem auf Stärkung der Reichseinheitlichkeit bedachten Zentralismus des Kaisers und den auf Sicherung und Ausdehnung der Selbständigkeit ihrer Territorialstaaten zielenden Fürsten war. Unter dem Vorwand der Unterstützung ihrer jeweiligen Glaubensbrüder traten bald auch außerdeutsche Mächte in den Krieg ein, wobei sie jedoch eigentlich auf eine Erweiterung ihrer Machtstellung in bestimmten Räumen Europas zielten: So ging es dem katholischen Frankreich um das Vorschieben seiner Ostgrenze an den Rhein, und das protestantische Schweden zielte auf die Hegemonialstellung im Ostseeraum. Der Krieg wurde mit wechselnden Koalitionen geführt und verlor zunehmend seinen Charakter als religiöse Auseinandersetzung. Die Kriegführung belastete erheblich die Zivilbevölkerung, da der Krieg mit Söldnerheeren geführt wurde, die sich nicht mehr - wie die mittelalterlichen Ritterheere - an einen bestimmten Ehrenkodex gebunden fühlten, der die betroffene Bevölkerung wenigstens vor dem Schlimmsten bewahrte. Die durch das Land ziehenden Söldnerheere plünderten und brandschatzen, um ihre Versorgung sicherzustellen und um Beute zu machen, zumal die Zahlung des Soldes durch die Feldherren nicht immer pünktlich erfolgte. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ging die Bevölkerung im Deutschen Reich von ca. 15 - 17 Mio. Menschen auf ca. 10 - 11 Mio. zurück, wobei die meisten Menschen nicht durch direkte Einwirkung von Kriegshandlungen starben, sondern auf der Flucht bzw. in den von Flüchtlingen überfüllten Städten, den einzigen etwas gesicherten Orten, starben, zumal sich hier angesichts der Überfüllung und der hygienischen Verhältnisse der Zeit Seuchen und Pestepidemien rasch ausbreiteten.
Zu den Zeitbedingungen gehört weiter das neue Weltbild, das sich in der Folge der wissenschaftlichen Entdeckungen des 16. und 17. Jahrhunderts änderte. Die Durchsetzung des heliozentrischen Weltbildes durch die Forschungen des Kopernikus und anderer Astronomen raubte dem Menschen seine ihm im gültigen geozentrischen Weltbild von Gott zugewiesene Stellung als Mittelpunkt des Universums, d.h. als letzter Sinn und Ziel der Schöpfung. Das einfache Volk, das die Gedankengänge der Wissenschaftler nicht nachvollziehen konnte, sah in der neuen Lehre den totalen Verlust der überkommenen göttlichen Ordnung und fühlte sich dabei unterstützt von der katholischen Kirche, die die neuen Lehren trotz des erfolgten Beweises als ketzerisch verwarf. Die dennoch einsetzende Verunsicherung erzeugte Abwehrmechanismen, die sich in den Juden- und Hexenverfolgungen der Zeit Bahn brachen.
Somit kann die Wirklichkeit der Zeit zusammenfassend als durch Zerstörung, Krieg und tiefgreifende (Glaubens-)Unsicherheit gekennzeichnet werden. Aus dieser Situation erwächst eine dualistische Deutung der Welt. Weitgehend im Einklang mit den überkommenen Vorstellungen wird das Leben als ein Theater aufgefaßt, in dem der Mensch nur ein Rollenträger ist und Gott die Regie führt. Daraus ergibt sich für die Menschen der Zeit die notwendige Orientierung: Friede ist nur in Gott zu finden (in deo pax), nur im Jenseits können die Vergänglichkeit des Lebens und die Allgegenwart des Todes überwunden werden. Diese Deutung der Wirklichkeit wird gemeinhin mit den Stichworten „vanitas" und „memento mori" (Gedenke, dass du sterben mußt) belegt. Daneben existiert eine andere Deutung der Welt, die zwar vom selben Tatbestand - der Kürze des Lebens - ausgeht, jedoch andere Folgerungen daraus zieht. Nach dieser Auffassung soll der Mensch nämlich die ihm zugemessenen Augenblicke genießen und sich des Lebens erfreuen, um sich so in der Welt zu behaupten. Diesem carpe-diem-Gedanken wohnt allerdings die Mahnung an das memento mori inzident inne.