Salon der Gründerzeit, um 1905

Das Bild wurde von Jule Wagener und Pascal Schmitte bearbeitet.

Das Foto zeigt den Salon der Familie des Wilhelm von Bode

Bildkomposition: Das Foto „Salon der Gründerzeit“ ist in drei Ebenen aufgeteilt, sodass eine Raumtiefe im Bild entsteht. Im Vordergrund sieht man den Teppich und den abgeschnittenen Hocker in der rechten unteren Ecke. Im Mittelgrund befinden sich die Sitzgruppe und der Sekretär, welche einen Gang bilden, der auf die Personen im Hintergrund hinführt. Im Hintergrund befindet sich das Fenster, welches, obwohl es im Hintergrund liegt, der Blickfang des Bildes ist. Das liegt daran, dass die Lichtführung von ihm ausgeht, die sich von mittig hinten nach vorne in beide Ecken ausbreitet. Eine genaue Zuordnung zur Symmetrie des Bildes ist nicht möglich. Das liegt daran, dass der Raum an sich nicht symmetrisch ist, da ein Vorsprung an der rechten Wand vorhanden ist und auch der Teppich nicht mittig im Raum liegt. Durch die unruhigen Muster des Teppichs und des Tischläufers wirkt es disharmonisch. Im Gegensatz dazu tragen die ruhigen Bildelemente wie die Portraits, die Palme oder das ruhige Verhalten des Ehepaares zu einer entspannten Stimmung im Bild bei.
Trotz dieser nicht ganz eindeutigen Bestimmung der Symmetrie haben die Bewohner des Hauses Wert darauf gelegt, dass die Möbel einheitlich zusammenpassen. So haben Teppich und Tischläufer ein ähnliches Muster und Stühle, Bänke und der Schreibschrank geschwungene Formen.

Gesamtdeutung: Das Foto wurde zur Zeit des „Gründerzeitstils“ aufgenommen. In dieser Zeit gab es einen wirtschaftlichen Boom, der sich auf das bürgerliche Leben auswirkte. Diese Auswirkungen spiegelten sich in der Wohnkultur wider. Das bürgerliche Selbstverständnis lehnte sich an obere Schichten wie den Adel an, da man sich mehr leisten konnte. Durch einen aufwendigen, repräsentativen Lebensstil, der sich durch Verwendung von Formen aus früheren Epochen zusammensetzte, entwickelte man neues Selbstbewusstsein.
Massige, dunkle und kostspielige Möbel mit gedrechselten Formen sowie der Gebrauch von teuren Stoffen wie Samt und Seide sollten den aus heutiger Sicht protzigen Lebensstil unterstreichen.

Der Eindruck des Wohlstandes, der repräsentiert werden soll, wird auf dem Foto „Salon der Gründerzeit“ ebenfalls deutlich. Die Portraits mit den teuren Bilderrahmen, die große Wanduhr, die Vitrine und der Kronleuchter drücken alle den gehobenen Stand der Familie von Bode aus und stellen ihr Vermögen dar.  Die Palme sowie der Tischläufer und der Teppich mit den orientalischen Mustern drücken dieses ebenfalls  aus und zugleich zeigen sie die Weltoffenheit zu anderen Kulturen. Ein weiterer Aspekt, der sich in diesen Elementen zeigt, ist die Flucht in die Exotik. Dieses Interesse ist durch politische und wirtschaftliche Ereignisse, wie z.B. der Ägyptenfeldzug Napoleons,  begründet.  Sieht man die Bildelemente im Zusammenhang, stellt man fest, dass die Bürger in der Gründerzeit viele Einflüsse aus vergangenen Zeiten oder anderen Kulturen in ihre Einrichtung aufnahmen. Diese Erscheinung bezeichnet man als Stilpluralismus.

Wilhelm von Bode

  • * 10. Dezember 1845 in Magdeburg; † 1. März 1929 in Berlin

  • Abitur am Gymnasium in Braunschweig

  • 1863 bis 1867: Jura-Studium in Göttingen und Berlin, zeigt Interesse an der Kunstgeschichte (viele Reisen in holländische, italienische und belgische Museen).

  • anschließendes Studium in Kunstgeschichte und Archäologie

  • 1870: Promotion zum Kunsthistoriker

  • Im Jahr 1872 trat er in den königlichen Museen zu Berlin seine Stellung als Assistent in der Skulpturenabteilung an, deren Direktor er 1883 wurde.

  • 1889 wurde ihm die Leitung der Neubestückung der Straßburger Kunstsammlungen anvertraut, mit der er sich bis Ausbruch des Ersten Weltkriegs befasste.

  • 1905: Generaldirektor der Königlichen Museen zu Berlin (er knüpfte viele Kontakte zu Künstlern, Sammlern und Stiftern)
    à Mit seinen Zusammenstellungen von Werken verschiedener Gattungen aus Malerei, Kunsthandwerk und Skulptur in epochalen Räumen entwickelte Wilhelm von Bode eine neue Form der kunsthistorischen Präsentation, die eine Kulturepoche in ihrer Vielfalt darstellen konnte. 

  • Bode verstand sich gut mit Kaiser Wilhelm II.

  • Im Jahr 1914 wurde Wilhelm Bode für seine kulturellen Verdienste in den Adelsstand erhoben

  • Wilhelm von Bode starb am 1. März 1929 in Berlin.

  • Zu Ehren des Kunsthistorikers wurde postum im Jahr 1960 das (Königliche) Berliner Museum auf der Museumsinsel in Bode-Museum umbenannt.