Ehepaar
Beschreibung: An einem kleinen Tisch sitzen vor dem Fenster ein Mann und eine Frau. Beide tragen dunkle Kleidung. Die Frau trägt ein hochgeschlossenes Kleid und eine lange Kette. Sie hat ihre dunklen, langen Haare zu einem Dutt zusammengebunden. Sie ist in ihre Handarbeit vertieft. Sie bestickt ein Tuch oder einen Bezug, was man am Nadelkissen, das sie an ihrer Hand trägt, erkennt. Der Mann liest in einem Buch und ist ebenfalls vertieft. Beide wirken in die Jahre gekommen.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Bis ins Jahr 1890 hatten die Frauen keine Rechte. Man ging in dieser Zeit vom allgemein gültigen, „aus der Natur“ begründeten Wesen von Mann und Frau aus. Die Frau wurde als emotional - passives Weib und der Mann als rational - aktiver Mann gesehen, die einander „harmonisch“ ergänzen1.
Zur Jahrhundertwende veränderte sich die Rechtslage der Frau. Es entstanden typische Frauenberufe wie Berufe, deren Arbeitsbereich in der hauswirtschaftlichen Tätigkeit oder Erziehung und Pflege lag.

Deutung: Das Ehepaar von Bode demonstriert das Rollenverständnis zwischen Mann und Frau zur Zeit der Industrialisierung. Die Frau ist dem Mann untergeordnet, was man an ihrer hauswirtschaftlichen Tätigkeit erkennen kann. Ihr Mann hingegen liest ein Buch, was auf einen höheren Bildungsstand schließen lässt.
1 http://www.oegkv.at/uploads/media/schierl.pdf