William Holman Hunt, The Children´s Holiday, 1864

Das Bild wurde von Sarah Denecke und Sophie Nieder bearbeitet.

Öl auf Leinwand, rechteckig, Auftragsstück

Bildkomposition: Das Bild von William Holman Hunt besteht aus drei Ebenen. In der vorderen Ebene wird eine Familie sehr detailgetreu dargestellt, die mittlere Ebene zeigt zwei junge Kinder, welche sich zwei Rehen nähern. Die hintere Ebene stellt eine mit Bäumen bepflanzte und begrünte Waldfläche dar.

Der Blick des Betrachters wird zuerst zu der zentral positionierten Frau gelenkt, welche den Mittelpunkt des Bildes darstellt. Danach schweift das Auge zu den jeweils links und rechts positionierten anderen Familienmitgliedern, bevor es in den Hintergrund zu der Baumallee gelenkt wird. Dieser Effekt wird zusätzlich durch die Lichtführung erzeugt, da einzelne Sonnenstrahlen in den Hintergrund führen.

Aufgrund der symmetrischen Anordnung der Elemente in dem Bild wird eine ruhige Stimmung erzeugt, das Bild der Familie vermittelt Harmonie und Idylle. Auch die Linienführung ist einfach, durch ihre Anordnung wird der Eindruck von Ordnung erzeugt. Die Anordnung der Kinder bildet ein Dreieck, welches die Mutter als Hauptfigur umschließt. Die Bäume im Hintergrund bilden zu beiden Seiten eine Linie, die jeweils diagonal auf den Lichtpunkt im Hintergrund zuläuft; die Bereiche von Licht und Schatten zwischen den Bäumen werden jeweils durch horizontale Linien unterteilt. Die Frau ist sowohl Mittelpunkt als auch die Mittelsenkrechte des Bildes. Ihre Funktion ist es, die drei Ebenen miteinander zu verbinden, sie dominiert den Vordergrund und ragt gleichzeitig bis in den Hintergrund hinein. Farblich unterscheidet sich besonders die vordere Ebene von den beiden hinteren Ebenen. Es fällt auf, dass im Vordergrund viel mit hellen und sehr kräftigen Farben gearbeitet wurde, während der Hintergrund mit naturgetreuen und eher trüben Farben gestaltet wurde. Diese Farbgebung unterstützt die Bildkomposition, da sie die verschiedenen Ebenen deutlich voneinander trennt und durch die natürlichen Farben im Hintergrund den Eindruck der Idylle verstärkt.  

Gesamtdeutung: Das Bild „The Children´s Holiday“, welches von William Holman Hunt im Jahr 1864 gemalt wurde, will zum Ausdruck bringen, wie stark der Mensch die Natur beeinflusst. Er verwendet zum Beispiel Elemente der Natur, stellt diese jedoch in leicht veränderter und unnatürlicher Form dar. Dies zeigt sich vor allem  an den gezähmten Rehen, welche sich auf dem Landsitz der Familie ohne Scheu bewegen. Auch der unnatürliche ordentliche Wald ist ein Zeichen der Veränderung der Natur durch den Menschen. Natur und Mensch können nur zusammen kommen, wenn der Mensch die Natur so prägt, wie er sie sich in idealisierter Form vorstellt. Dies erkennt man an der Gestaltung der mittleren Ebene, in der das Zusammentreffen von Mensch und Tier durch starken Lichteinfall betont wird. Sowohl die Tiere als auch die kleinen Kinder verlassen ihren gewohnten Lebensraum, allerdings wollen sich  die Kinder nur mit dem Schönen der Natur beschäftigen, denn sie gehen nicht in den dunklen Wald. Dieser Aspekt zeigt sich auch an dem Accessoire der Frau, ihr Hut wird von einer besonders schönen, langen Vogelfeder geschmückt. Auch die kleinen Mädchen im Vordergrund verwenden Naturmaterialen, um ihre Ketten herzustellen.  Sie benutzen  also Elemente der Natur, um sich zu schmücken. Eine weitere negative Auswirkung des Menschen auf die Natur zeigt sich an dem Verhalten des Hundes. Durch den Menschen erzogen, unterdrückt er seine natürlichen Triebe und fügt sich dem Menschen. Die Darstellung der Familie, besonders die der Kleidung, der Haltung und der materiellen Güter, drückt den Wohlstand aus, welchen besonders die breite Mittelschicht während des viktorianischen Zeitalters genossen hat. Allerdings deutet dieses Bild auch eine Mahnung an, die Natur nicht für eigenen Zweck und das Erlangen von Ansehen zu missbrauchen. Der Künstler stellt ein realistisches Szenario dar, jedoch in einer etwas übertriebenen Art und Weise. Der Mensch wird darauf hingewiesen, die Natur mehr so zu akzeptieren, wie sie ist und sie nicht zu stark zu beeinflussen und zu verändern.

Dieses Bild ist eindeutig dem präraffaelitischem Stil zuzuordnen, die Gestaltung ist farbenfroh und detailliert, jedoch wurden in dieser Stilrichtung hauptsächlich religiöse Motive dargestellt, insofern hebt sich das Bild von anderen Gemälden dieser Zeit deutlich ab. Familienportraits wie dieses wurden vielfach während des 17. Jahrhunderts gemalt, und als so genannte „Conversation Pieces“ bezeichnet. Diese Art von Bildern zeigte oftmals eine Gruppe von Menschen, dargestellt in der Natur bei einer gemeinsamen Aktivität. Zusammenfassend lässt sich hierzu also sagen, dass William Holman Hunts Bild stilistisch in die Zeit der Entstehung passt, jedoch das dargestellte Motiv auch der Kunst 100 Jahre zuvor entspricht.

Die präraffaelitische Bruderschaft

  • Zusammenschluss von Malern im 19. Jahrhundert in England

  • Gründung im Jahr 1848

  • Mitglieder waren z.B. William Holman Hunt, Dante Rossetti, John Everett Millais, Thomas Woolner

  • erschufen und prägten den Präraffaelismus

  • dieser Malstil ist stark von der Kunst des (späten) Mittelalters, vor allem in Italien, geprägt

  • ihr Ziel war es, die Natur in der Kunst wiederzuentdecken und detailgetreu darzustellen

  • Maltechnik ähnlich der Freskomalerei, es wurde viel im Freien gearbeitet