Westdeutsche Familie um 1950

Das Bild wurde von Franziska Fischer und Johannes Malik bearbeitet.

Bildkomposition:

Das vorliegende Foto ist symmetrisch aufgebaut, da die Zentralperspektive, von der Blickrichtung der Personen bestimmt, einen geradlinigen Verlauf in Richtung des Fernsehers aufweist. Somit wird eine ruhige, aber gespannte Stimmung erzeugt, die dem Foto jede Dynamik entzieht. Das Kind im unteren Bildrand verstärkt durch ihre Körperhaltung und Blickrichtung die zentrale Rolle des Fernsehers.

Der aus der linken unteren Ecke ragende Tisch bildet einen Gegensatz zum Fernsehgerät, welches den fast kompletten rechten Bildrand einnimmt. Diese beiden recht dominanten Gegenstände, welche zwei gesellschaftlich bedeutende Elemente beschreiben, erzeugen eine Distanz zwischen Personen und Gütern. Die Raumtiefe wird des weiteren durch das gradlinig nach hinten verlaufende Muster des Teppichs und durch das rechte senkrecht stehende Tischbein erzeugt.

Die drei erwachsenen Personen mit dem Kind formen die Spitze des Dreiecks in Richtung des Fernsehgerätes, wobei die Tischmitte die imaginäre Grundseite des Dreiecks darstellt. Die Sofa- und Sessellehne grenzen den Vordergrund, in dem sich das aktive Geschehen abspielt, von dem Hintergrund ab. Dort wird das Radio mit den Dekorationsgegenständen von der Szenerie isoliert. So entstehen zwei unterschiedliche Ebenen.

Durch die Nichtfarbigkeit des Fotos wird die Situation vereinheitlicht und lässt keine Anzeichen für Unruhe aufkommen. Nur Licht- und Schattenverhältnisse leisten den wesentlichen Beitrag zur Bildkomposition und beeinflussen die Bedeutsamkeit des Kontrastes zwischen Personen und Gütern.

Eine unbekannte Lichtquelle aus dem linken Bildrand wirft einen Schatten auf die Gesichter der drei Personen auf dem Sofa und dem Sessel. Eine zu definierende Lichtquelle ist die Lampe auf dem Radio in der oberen Bildmitte, die den Hintergrund erhellt. Eine zweite undefinierte Lichtquelle, aus der rechten Bildecke ins Bild hinein strahlend, beleuchtet das Gesicht des Mädchens und lässt sie damit zu einem weiteren zentralen Punkt in dem Foto werden. Das Schimmern der Kerzen auf dem Adventskranz betont den gemütlich dekorierten Wohnzimmertisch.

Gesamtdeutung: Die Rollenverteilung einer typisch deutschen Familie in den 1950er Jahren war klar definiert, man ging von einer heterosexuellen, bürgerlichen Kernfamilie aus: Mutter- Vater-Kind.

Die 1950/60er Jahre in Westdeutschland werden oftmals als „Goldene Zeitalter der Ehe und Familie“ bezeichnet. Die Vorstellung junger Männern und Frauen von der  Ehe und damit verbundenen Kindern war groß. Es entwickelte sich ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Liebe ausgehend aus der Situation von Nachkriegszeit und anfänglichem Wirtschaftswunder. Die Raten der Eheschließungen und Geburten lagen auf einem hohen Niveau, das allerdings schon in der Mitte der 1960er Jahren wieder abflaute. Seit dem Ende dieser „goldenen Zeit“ sinkt die Wertvorstellung von einer solchen Familie jedoch immer weiter ab.

In diesem Foto besteht also die Vorstellung einer strengen Kleinfamilie mit dem Bezug zur Elterngeneration noch. So ist auf diesem Foto wahrscheinlich der Vater der Frau  abgebildet, da er die Grundlage für das Wohlhaben und Vermögen der gesamten Familie gelegt hat.

Deutschlands Aktivität im freien Handel von Im- und Export sorgten für die Einfuhr neuer Stoffe und Materialien. So kam die synthetisch hergestellte Seide auf den Markt. Sie sollte pflegeleicht und gleichzeitig schön in Farbigkeit, Glanz und Schimmer sein, außerdem war sie sehr preiswert.

Für die neuen Hemdenkollektionen setzten sich Nylon- und Perlonstoffe durch.

Als neustes Gut wurde die Blue Jeans gehandelt. Sie wurde nun aus den USA importiert, wurde aber nur von der rebellischen deutschen Jugend angenommen. Die ehemalige Arbeitshose wurde zur amerikanischen Freizeitmode, die europäische junge Generation betonte mit der Jeans ihre Lässigkeit. Sie trennte die „praktische“ Unterschicht von der feinen Oberschicht ab.

Diese Entwicklung von Wirtschaft und Familienleben beschreibt das Lebensgefühl der 50er Jahre in Westdeutschland.

Die Entwicklung des Lebensgefühls zur heutigen Zeit hat sich stark verändert. Die Rolle der Familie hat vielfach an Bedeutung verloren, weil die Kommunikation wie auf dem Bild zu sehen eine neue Bedeutung erfährt. So ist das Massenmedium, der Fernseher, gegenüber dem gemütlich dekorierten Tisch deutlich stärker. Diese Veränderung vollzieht sich bis heute. So hat heute fast jedes einzelne Mitglied der Familie einen eigenen Fernseher. Der Kaufpreis des Mediums ist gesunken bei gleichzeitigem Anstieg seines Gebrauchs.