Frau

Beschreibung: Die Frau  sitzt auf dem Sofa in der Mitte zwischen dem gleichaltrigen und dem älteren Mann im Sessel. Sie beugt sich leicht nach vorne in die Richtung des Fernsehers, ihre Beine sind übereinander geschlagen. Ihre linke Hand ruht auf der Schulter des älteren Mannes und in der rechten Hand hält sie eine Zigarette. Außerdem trägt sie einen Ring, wahrscheinlich einen Ehering am Finger dieser rechten Hand.  

Die Frau legt Wert auf ihr äußeres Erscheinungsbild. So trägt sie ein wadenlanges Kleid, offene Schuhe mit einem leicht erhöhten Plateau und hat ein Tuch um ihren Hals geschlungen. So besticht sie durch Klassik und Eleganz durch ihr schlichtes aber schickes Kostüm. Des weiteren sind ihre Lippen stark, wahrscheinlich dunkelrot-braun geschminkt. Auch entsteht ein Bild einer markelosen und glanzvollen Haut durch den Einsatz von Puder und Wimperntusche, ihre Augenbraun sind zu einer strengen bogenförmigen Linie gezupft. Die Frau trägt eine Kurzhaarfrisur, welche ihre hohe Stirn hervorhebt.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Besonders die Frau wurde zum Objekt der Demonstration und Repräsentation von ökonomischem Wohlstand durch ihre wiedererlangte Schönheit in der Mode.

Die Kleidung der wieder moderner werdenden Zeit der 1950er Jahre bestand aus vielen gegensätzlichen Farben und Formen. Das neue Ziel der entstehenden Modekonsumindustrie war die Betonung der Weiblichkeit. Der harte Krieg mit Leid und Angst sollte vergessen werden, sodass z.B. der französische Modeschöpfer Christian Dior den „New Look“ der neuen Haute Couture kreierte. Die Mode fand nun ihre Blütezeit nach rationierter Kleidungsstückzahl im Krieg. Kleidung wurde wieder zum Ausdruck von Persönlichkeit und Gesellschaftszugehörigkeit, Glanz und Glamour. So importierten wohlhabende oder politisch einflussreiche deutsche Bürger oft Stücke aus der Modehauptstadt Paris.

Die Arbeitskleidung von Frauen bestand zumeist aus einer Bluse und einem Rock oder Rock und Twinset. Die Stoffe mussten gut waschbar und strapazierfähig sein, oftmals wurden dann auch Schürzen bei der meist anstrengenden häuslichen Arbeit getragen.

Die gute, elegante Kleidung des New Looks legte den Fokus auf enggeschnürte Taillen und eng anliegende Blusen, die Schulterpartien wurden schmaler. Es wurden fast nur Kleider und Röcke getragen, die meist wadenlang und durch mehrere Unterröcke, z.B. Petticoats, weit ausfallend waren oder extrem schmal. Auch kürzere Cocktailkleider lagen nun im Trend. Die weibliche Figur wurde zum Ideal mit ihren Rundungen, die auch durch Mieder und Polster hervorgehoben wurden. Außerdem wurden Accessoires wie breite Hüte und Handtaschen beliebt. Die Schuhmode war von schmalen Schuhen mit Absätzen geprägt, wie sie die Pumps besaßen.

Des weiteren formten sich neue  Frisurentrend: Hochgebauschte lange Locken wichen der Kurzhaarfrisur mit leichten Wellen.

Deutung: Die Frau im Foto erfüllt die Präsentation von Wohlstand ausgehend von der eleganten Kleidung. Sie trägt sie hier zu dem feierlichen Anlass: Weihnachten und das Schauen des zweistündigen Fernsehprogramms. Die Szenerie spielt im gut eingerichteten Wohnzimmer, dieses steht für die gehobene Gesellschaft, in die sich die Frau in ihrer Rolle von Weiblichkeit einfügt.