Herrenmode

Beschreibung: Die auf dem Bild dargestellten Personen tragen mantelartige und verzierte Anzüge in verschiedenen Farben. An den Handgelenken der Speisenden ist das Hemd zu sehen und um den Hals haben sie weiße Halsbinden. Über den verschiedenfarbigen Kniestrümpfen tragen sie Kniehosen.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang:  Die Herrenmode veränderte sich zur Zeit des Rokoko (~1720-1770) nicht wesentlich gegenüber Mode des Barock. Trotz aufwendiger Aufmachung sollte die Kleidung natürlich wirken. Die für die Zeit unter Ludwig XIV beliebte Schwere, die beispielsweise durch Metallstickereien, Barten und Fransen erreicht wurde, war nicht mehr üblich, sondern stattdessen glich sich die Kleidung immer mehr dem „verehrten Bild der Frau“ an. Die Herren trugen Anzüge aus Justaucorps mit Westen und Kniehosen, den sogenannten Culotten. Durch Einlagen aus Wachstuch, Rosshaar oder Papier wurden die Umrisse des Schoßes des Justaucorps schwingender und ähnelten somit dem Reifrock der Frau. Auch die Formen des Anzugs wurden feiner und graziler, indem die Ärmel eine engere Form bekamen und die Umschläge zierlicher wurden.

Verzierungen als Merkmal des Rokoko fanden sich auch auf der Kleidung wieder, denn an den Handgelenken und der Brust sah man zum Beispiel den Spitzenbesatz des Hemdes (Jabot).

Leichter und eleganter wurde auch die Schoßweste. Möglichst viel vom Hemd konnte man dadurch sehen, dass Rost und Weste nur an der Taille geschlossen wurden. Das lässt erkennen, dass selbst für Männer der „Reiz des Dessous“ eine Rolle spielte.

Statt Krawatte trug man eine hinten mit einer Schnalle geschlossene weiße Binde um den Hals.

Seit 1730 wurde die Hose über den weißen und selten schwarzen Strümpfen getragen und unterhalb des Knies mit einer Schnalle geschlossen, die am Knieband befestigt war.

Der typische Schuh war ein schwarzer Lederhalbschuh mit Absatz, der aber mit der Zeit immer niedriger wurde. Ein rot gefärbter Absatz galt als Adelsprivileg.

Zu allen Anlässen war die Perücke auf dem Kopf unentbehrlich. Doch nach dem Tod Ludwig XIV. lösten weniger lockige Perücken die Allongeperücke ab. Das Kunsthaar puderten die Reicheren weiß, was wiederum ein Standesmerkmal darstellte.

Deutung: Da die Mode als Privileg des Adels galt, grenzten die Wohlhabenden sich damit von den übrigen Schichten, besonders dem aufkommenden Bürgertum, ab. Den dargestellten Personen ist es sehr wichtig, dass ihre Zugehörigkeit zum gehobenen Stand für alle sichtbar wird.

Außerdem kann eine Parallele zwischen dem Symbol der Austern und der Kleidung gezogen werden. Die Austern haben unter anderem eine erotische Bedeutung und diese Wirkung findet sich auch in der Kleidung der damaligen Zeit wieder. Die Damen kleideten sich immer mehr in dem „Dienst der Liebe“1 durch zum Beispiel die Betonung des Dekolletés. Da die Herrenkleidung elegantere, der Bekleidung der Frauen ähnliche Formen annahmen, kann dies auch in Teilen auf die Herrenkleidung übertragen werden.

Normalerweise wurden auch weiße und selten schwarze Kniestrümpfe getragen, aber die Personen an dem Tisch haben teilweise sogar rote und blaue Kniestrümpfe an. Dies zeigt, dass die Menschen sich mehr von den festgelegten Normen lösten und auf Verspieltheit setzen, ganz im Sinne des Rokoko.

1 http://antike-textilien.de/page1/page1.html

Quellen:

Erika Thiel, Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, 9. akt. Aufl. Leipzig 2010

http://de.wikipedia.org/wiki/Kleidermode_des_Rokoko (Stand: 27.03.12)