Jean-Francois de Troy , Das Austernfrühstück (Le Déjeuner d´Huitres), 1735

Das Bild wurde von Nadja Homann und Christopher Severin bearbeitet.

180 cm x 126 cm, Ölgemälde auf Leinwand

Bildkomposition:

Jean-François de Troy hat mittels seines Gemäldes mit verschiedenen Kompositionstechniken gespielt. Zum einen teilt eine gedachte horizontale Linie durch das sich im Zentrum befindende Geländer das Bild in zwei gleich große Hälften. Die untere Hälfte wird durch die Darstellung der speisenden Personen rund um den Tisch belebt und die obere Hälfte beinhaltet die Darstellung der Innenwände des Gebäudes, in dem die Szene spielt.

Außerdem entstehen zwei vertikale Linien durch die linke Säule und die sich in der Nische befindende Statue.

Der Maler verwendet ebenfalls einige kreis- bzw. ellipsenförmige Elemente, wie den runden Torbogen der Tribüne und den Tisch. Diese Linienführung ermöglicht es, dass in beiden Bildhälften ein Zentrum entsteht, auf das der Blick des Betrachters zuerst fällt und wodurch er gelenkt wird.

Durch die gleichmäßige symmetrische Aufteilung des Gemäldes lässt de Troy das Gemälde harmonisch auf den Betrachter wirken.

Den Hintergrund der dargestellten Szene bildet die im Stil des Barock verzierte Innenausstattung des Raumes und im Vordergrund befinden sich die Personen rund um den Tisch. Beide Ebenen werden aber durch die runde Form des Bauwerks verbunden.

Von hoher Bedeutung scheinen der Champagner und die Austern zu sein, die ganz vorne auf dem Bild zu sehen sind. Vor dem Tisch befindet sich ein Behälter mit Eis, in dem zwei ungeöffnete Champagnerflaschen stehen und auf dem Boden erkennt man zahlreiche Austerschalen.

Die Tischgemeinschaft hebt sich farblich von dem Rest des Gemäldes ab, da die Kleidung der Personen mit hellen Farbtönen dargestellt ist. Auch wird diese Hervorhebung dadurch bestärkt, dass das Licht von links nach rechts durch den Raum scheint. Im Gegensatz zu der Innenwand, die sich zu großen Teilen im Schatten befindet, werden die Personen angeleuchtet.

Gleichzeitig lenkt das Licht das Auge des Betrachters auf die Statue an der Wand, da sie genau angestrahlt wird.

Gesamtdeutung:

Das Gemälde „Le Déjeuner d’Huitres“ ist als eine Momentaufnahme zu verstehen, deren Bildelemente die geistige Haltung, das Verhalten bzw. die Verhaltensweisen und die Staatsordnung verdeutlichen.

Der Adel zur Zeit des Absolutismus in Frankreich lebte verschwenderisch und dekadent. Für die Wohlhabenden spielte es eine große Rolle, ihren Luxus nach außen hin darzustellen und sich damit von den anderen Bevölkerungsschichten abzugrenzen. Im Vordergrund standen für sie der ästhetische Genuss und Konsum.

Gleichzeitig lebte der Adel in einer Parallelwelt zu dem einfachen Volk. Während die unteren Bevölkerungsschichten mit Armut, Krankheiten und Hunger zu kämpfen hatten, führten die Adligen ein luxuriöses Leben in Versailles und feierten ihre Feste.

Die Gleichgültigkeit, die die Reichen den untergeordneten Ständen entgegenbrachten, wird ebenfalls in dem Bild gezeigt.

Mit dem Tod Ludwigs XIV. endete auch eine Periode strikter absolutistischer Herrschaft. Phillip II. und Ludwig XV. schafften es nicht, an die Methoden des vorherigen Königs anzuknüpfen, da sie nicht mehr so starke Vertreter des Absolutismus waren. Außerdem konnte Ludwig XV. Frankreich nicht vor einem Staatsbankrott bewahren. Dies führte dazu, dass der Undiszipliniertheit der Adligen Freiraum gegeben war und der König keine Autoritätsperson mehr darstellte.

Obwohl die Ständegesellschaft noch erhalten war, entwickelte sich langsam ein neues Bürgertum, ein Teil der vorherigen Staatsordnung ging verloren.

In dem Gemälde zeigt sich die neue Entwicklung im Staat durch die chaotische Verteilung der Personen.

Insgesamt gibt das Gemälde Aufschluss über verschiedene Aspekte der Zeit. Der für den Absolutismus typische Barockstil zeigt sich in dem immer wiederkehrenden  Motiv des Luxus und der Selbstdarstellung, zum Beispiel in der Präsentation der Architektur und des verschwenderischen Lebensstils der Menschen, während gesellschaftliche Strukturen in dem Verhalten der Personen erkennbar sind.