Kleidung1
Beschreibung: Unter dem Reiseumhang ist Goethes normale Kleidung zu erkennen. Er trägt eine hellrote Jacke, deren Kragen sowie ein Stück des Ärmels zu sehen ist, sowie ein weißes Halstuch, das die Farbe seines Gesichts besonders lebendig wirken lässt. Weiterhin ist ein Stück seiner hell-beigen Hose zu sehen, die unterhalb des Knies endet. Sie ist geknöpft und mit einer Schleife gebunden. Darunter trägt Goethe weiß-bläuliche Strümpfe, die sein Bein komplett verdecken und schlichte, schwarze, geschnürte Halbschuhe. Diese sind blank poliert. Insgesamt wirkt die Kleidung gepflegt und sehr sauber.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war die englische Mode sehr populär. Sie war angelehnt an die Kleidung der Diener und daher sehr schlicht. Die Männer trugen meist einen Tuchrock, der vom Schnitt her dem einer Uniform ähnelte und oft vorn mit Messingknöpfen versehen war. Um den Hals legten sie meist dicke Halstücher, die kunstvoll geknotet wurden. Die Hosen saßen recht eng an und reichten bis zum Knie. Um das Anziehen zu erleichtern, wurden sie an der Seite geknöpft. Das Bein wurde nicht offen gezeigt und war daher von Seidenstrümpfen verdeckt. Bei Schuhen wurde noch kein Unterschied zwischen linkem und rechtem Fuß gemacht, sie waren einheitlich.
Deutung: Goethes Kleidung ist sehr zeitgemäß. Es wird deutlich herausgestellt, dass auf saubere, gepflegte Kleidung Wert gelegt wurde. Die Kleidung die Goethe trägt, ähnelt der, die er selbst dem jungen Werther zuschrieb. So wird indirekt ein Hinweis auf sein berühmtes Werk gegeben.
1 Thiel, Erika: Geschichte des Kostüms, Henschel Verlag, Leipzig 2000, S.260 ff.