Zweites bürgerliches Haus
Beschreibung: Im Mittelgrund auf der linken Bildhälfte erkennt man ein zweites bürgerliches Haus mit mehreren Stockwerken. Auffällig ist die symmetrische Anordnung der Fensterreihen, ein angedeuteter, spitz zulaufender Turm am Dachstuhl sowie fünf Fahnen auf dem Hausdach, welches ebenfalls eher spitz zuläuft.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Das zweite bürgerliche Haus weist einige Elemente des Barockstils auf, der zeitgeschichtlich auf den Renaissance-Stil folgte, die Übergänge waren teilweise fließend.

Die Epoche des barocken Baustils in Deutschland (1650-1770) begann nach dem Dreißigjährigen Krieg, als französische und italienische Gastarbeiter barocke Stilelemente in die deutsche Architektur einführten.

Charakteristische Merkmale der barocken Architektur, die das zweite bürgerliche Haus erfüllt, sind beispielsweise die starke Betonung der Mitte, z.B. durch einen Turm, sowie üppiger plastischer Schmuck, hier verdeutlicht durch die Fahnen auf dem Dach. Die Simse, besonders in der Dachzone, wurden plastisch stark hervorgehoben, was ebenfalls auf dem Stich zu erkennen ist.

Im Übrigen folgt die Architektur des zweiten Hauses ebenfalls den architektonischen Merkmalen der Renaissance, etwa in Bezug auf die symmetrische Gestaltung der Fassade. 1

Deutung: Auch das zweite Haus deutet auf enormen Wohlstand des Besitzers hin, weswegen auch hier wahrscheinlich Bedürftige von Bürgern beschenkt werden. Erneut wird ein Kontrast zwischen den prachtvollen bürgerlichen Häusern und den in Lumpen gekleideten Bettlern und Invaliden erzeugt, um deren Bedürftigkeit und niedrigen sozialen Stand zu betonen, wodurch die tugendhafte Handlung des Bürgers im Vordergrund hervorgehoben wird.
1 www.lerntippsammlung.de/Architektur-im-Barock--k1-1650_1170-k2-.html , 28.03.12, 10:44