Zweite Gruppe von Bettlern

Beschreibung: Im rechten Mittel- beziehungsweise Hintergrund finden sich vier weitere Bedürftige, die sich vom Grundstück des Bürgers im Vordergrund entfernen. Der linke Bettler blickt sich, aufrecht gehend, in der rechten Hand einen Gehstock, zur Gruppe der Armen um den Bürger um, sein Gesichtsausdruck lässt auf Zufriedenheit schließen. Währenddessen geht die Frau rechts neben ihm gebeugt, trägt einen Sack auf den Schultern und stützt sich auf einen Gehstock. Beide tragen Kleider aus Lumpen und gehen barfuß.

Rechts im Hintergrund sind zwei weitere Bettler zu sehen: Eine Frau mit einem Kind auf dem Arm steht mit dem Rücken zum Betrachter neben der Mauer, die das Anwesen des Bürgers im Vordergrund von dem Haus dahinter abgrenzt. Auch sie trägt Lumpen und besitzt keine Schuhe. Ein weiterer männlicher Bettler mit Krückstock bewegt sich auf das mittlere Haus, das im Bild zu sehen ist, zu.

Die Gesichtsausdrücke dieser zwei Bettler im Hintergrund sind nicht zu erkennen, da die Personen dem Betrachter des Bildes den Rücken zuwenden.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Anhand der Kleidung (Lumpen aus Leinen, keine Schuhe) lässt sich erkennen, dass es sich auch bei diesen Personen um bedürftige Landbewohner handelt, die den Bürger allerdings einzeln und nicht in einer Gruppe um Unterstützung baten.

Die bäuerliche Landbevölkerung bildete die schwächste Gruppe der Gesellschaft und musste im Zeitalter des Absolutismus und hohe Abgaben und Steuern leisten, wodurch viele von ihnen verarmten.

Weitere Informationen zum kulturgeschichtlichen Hintergrund sind dem vorangegangen Text zur ersten Gruppe der Bettler zu entnehmen, die auch auf diese Bettler zutreffen.1

Deutung: Auch diese Bedürftigen sind wahrscheinlich verarmt, entweder durch Verletzungen oder durch die langsam einsetzende Urbanisierung, die durch die Industrialisierung vorangetrieben wurde. Die vier Bettler entfernen sich, weil sie womöglich schon vom Bürger mit Geld oder Sachwerten, vielleicht auch mit Lebensmitteln beschenkt worden sind.
1 www.waldschule-schwanewede.de/pages/projekte/2005/aufklaerung/geschichte-und-hintergruende.html , 27.03.12, 8:18