Erstes bürgerliches Haus

Beschreibung: Im Vordergrund links befindet sich das Anwesen des Bürgers, vor dem er mit der Gruppe der Bedürftigen steht. Man erkennt einen prunkvollen Eingang: Eine steinerne Treppe führt zu einer Art Veranda, wobei die Treppe von zwei kleinen Säulen, welche mit Kugeln geschmückt sind, flankiert wird. Um die linke kleine Säule rankt sich eine Efeupflanze, die auch am linken unteren Bildrand wächst.

Der Eingang des Hauses wird von einer Säule markiert, die einen Bogen an ihrem oberen Ende andeutet.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Das Haus des Bürgers ist architektonisch dem Baustil der Renaissance nachempfunden, welche sich in drei Hauptphasen einteilen lässt:

  • Frührenaissance (1400-1500)

  • Hochrenaissance (1500-1525)

  • Manierismus (1520-1600)

Während in der Frührenaissance grundlegende Konzepte der Architektur entwickelt wurden, bei der man sich, was die Säulenordnung, Ornamentik und Details betraf, an altrömischen Vorbildern orientierte, reiften die architektonischen Konzepte in der Hochrenaissance aus, man orientierte sich jedoch weiterhin an antiken Vorbildern.

Im Manierismus experimentierte man dann mit Formen und bemühte sich um eine künstlerische Herausarbeitung der räumlichen Beziehungen.

Zu den architektonischen Hauptmerkmalen der Renaissance, die auch das erste bürgerliche Haus erfüllt, gehören die Übernahme der Gestaltungselemente der römischen Antike sowie ein rechtwinkliger, symmetrischer Grundriss des Gebäudes sowie eine symmetrische Gestaltung der Fassaden.

Um die Stadtpaläste der führenden bürgerlichen Familien führte ringsum eine Sitzbank aus Stein, auf der Bittsteller Platz nehmen konnten, die den Hausherren um eine Audienz bitten wollten.

Charakteristisch waren zudem ein mittiges Eingangsportal und ein Balkon, wobei die Säulenordnung, die auch auf dem Bild zu finden ist, von den Römern übernommen wurde. Die verputzten Außenwände wurden meist mit Natursteinplatten aus Marmor verkleidet.1

Deutung: Das erste bürgerliche Haus kann dem Baustil nach hauptsächlich der Hochrenaissance (1500-1525) zugeordnet werden. Daraus lässt sich schließen, dass das Anwesen einer bereits langjährig wohlhabenden Familie gehört, sofern es in dieser Zeit errichtet worden ist.

Möglich und plausibler ist jedoch die Deutungshypothese, dass eine wohlhabende und gebildete bürgerliche Familie ihr Haus im Renaissance-Stil nachbauen ließ, üblich war auch die Errichtung eines zweiten Wohnsitzes in ländlicher Umgebung, der zur Erholung vom städtischen Leben dienen sollte.

Insgesamt zeugt die Bauart allerdings in jedem Fall vom Wohlstand ihrer Bewohner.

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Architektur_der_Renaissance 27.03.12, 9:33