Erste Gruppe von Bettlern

Beschreibung: Dem Bürger gegenüber steht eine Gruppe von sieben Bettlern, die aus zwei Frauen, zwei Kindern und drei Männern besteht.

Ganz links steht ein bereits etwas älterer Mann, an dessen linkem Bein eine Beinschiene angedeutet ist. Er ist in Lumpen gekleidet und trägt keine Schuhe, sein Gesichtsausdruck ist zurückhaltend und abwartend. Diese Haltung wird dadurch unterstützt, dass er mit seiner rechten Hand an sein Herz greift.

Neben ihm steht eine Frau mit offener Hand, welche dem Bürger zugewendet ist. Auch sie trägt keine Schuhe und ein Lumpenkleid sowie eine Art Haarband in den Haaren, ihr Gesichtsausdruck zeigt Demut. Das Kind neben ihr, vermutlich ein Mädchen von 10-12 Jahren, streckt dem Bürger bittend beide Hände entgegen, ihr Kopf ist bewundernd und bittend nach oben gerichtet. Wie die Frau neben ihr ist sie in ein Kleid aus Lumpen gekleidet und trägt keine Schuhe.

Hinter der Frau steht ein bettelnder alter Mann, von dem lediglich Kopf und Schultern zu sehen sind, der Rest des Körpers ist von den vor ihm stehenden Bedürftigen verdeckt. Der Mann trägt eine Kopfbedeckung und hat den Blick vom Bürger abgewendet, um den neben ihm stehenden Bettler anzusehen, der sich auf eine Krücke stützt, sein Gesichtsausdruck verrät Mitleid und Traurigkeit.

Hinter dem Kind steht ein weiterer älterer Mann mit einem Krückstock, der seine freie rechte Hand, in der er einen Hut hält, dem Bürger bittend entgegenstreckt. Auch er ist barfuß, trägt eine knöchellange Hose, der Ärmel seines Gewandes ist abgerissen, an seiner rechten Seite ist jedoch eine Umhängetasche zu sehen. Auf seinem Gesicht spiegeln sich finanzielles und soziales Elend sowie Traurigkeit wieder.

Rechts außen findet sich schließlich eine Frau mit Kind auf den Schultern, beide sind barfuß und in Lumpen gekleidet. Während das schätzungsweise 4-5-jährige Kind dem Bürger seine rechte Hand mit fröhlichem Gesichtsausdruck entgegenstreckt, zeigt die Frau Anzeichen von Erschöpfung, da ihre Körperhaltung unter dem Gewicht des Kindes leicht gekrümmt erscheint, auch Erleichterung wird deutlich.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang:  Die einfache Kleidung, die im 18. Jahrhundert zumeist aus Leinen bestand, weist die Armen als bäuerliche Landbevölkerung aus. Sie ist schlicht, aber zweckmäßig und weist teils starke Gebrauchsspuren auf. Die weniger wohlhabenden Menschen konnten sich im 18. Jahrhundert zumeist nur minderwertige oder keine Schuhe leisten, weswegen die Bettler barfuß gehen.

Die finanzielle Not der Bauern resultierte zumeist aus der zunehmenden Urbanisierung im Rahmen der Industrialisierung: die Landbevölkerung wanderte vermehrt in die Städte ab, da sie dort auf bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen hofften, die Landwirtschaft verlor also an Bedeutung. Darüber hinaus wurden den Bauern um 1750 noch hohe Steuern und Abgaben abverlangt, da die Bauernbefreiung aus ihrer feudalen Abhängigkeit von den jeweiligen Landbesitzern erst im Zuge der Befreiungskriege (1813-1815) erfolgte.

Die rückständigen Anbaumethoden konnten dem raschen Bevölkerungsanstieg nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und dem damit verbundenen höheren Bedarf an Lebensmitteln häufig nur unzureichend gerecht werden, was ebenfalls zur wirtschaftlichen Not beitrug.

Da es um 1750 auch noch kein Versicherungswesen gab, brachten Verletzungen oder Missernten die bäuerlichen Familien oft bereits in Existenznot.

Deutung: Die Gruppe der Bedürftigen verdeutlicht die wachsende Armut der bäuerlichen Landbevölkerung um 1750. Dabei kann das Mengenverhältnis der Bettler zum Bürger (insgesamt steht ein Bürger sieben Bettlern gegenüber) als repräsentativ für die realen gesellschaftlichen Verhältnisse angesehen werden. Im Gesamtzusammenhang des Bildes wird der Betrachter also dazu ermuntert, sich angesichts der real existierenden Armut im ländlichen Raum ebenso zu verhalten, wie der Bürger es tut. Der Künstler suggeriert durch sein Werk, dass die wirtschaftliche Not der Bauern durch Schenkungen von Geld, Land oder Sachwerten gemildert, wenn nicht aufgehoben werden kann.

Angesichts des quantitativen Verhältnisses von Bürgern und Bauern ist zwar fraglich, ob dieses Prinzip gelingen kann, allerdings ist die Darstellung im Hinblick auf die zu vermittelnde Moral durchaus als realistisch und positiv zu bewerten.