Bürger

Beschreibung:  Der Bürger befindet sich im Goldenen Schnitt, er steht den Armen gegenüber und wird dadurch hervorgehoben. Er steht in aufrechter Haltung, hält und verliest die Schriftrolle. Sein Gesichtsausdruck verrät Würde, Zufriedenheit und Mildtätigkeit.

Die Kleidung besteht aus einem verzierten Hut, einem Mantel oder Umhang, kniehohen Stiefeln mit Absatz und Handschuhen.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Die Mode während der Aufklärung sollte der jeweiligen Situation angepasst werden und zeichnete sich durch einem Hang zur Perfektion aus: In jeder Situation sollte die Kleidung angemessen und zweckmäßig sein. Insgesamt wurde sie jedoch immer schlichter und natürlicher, die Mode war Ausdruck eines Wandels in der Auffassung der Gesellschaft von der Natur des Menschen.

Die Kleidung des Mannes während der Aufklärung bestand aus einem knielangen Justaucorps aus Seide. Die Ärmel waren zunächst kurz, eng und mit einer überweiten Manschette ausgestattet, die am Ärmel mit Knöpfen fixiert werden musste, damit sie nicht durch das Eigengewicht hinunterklappte.1

Die Schuhe waren meist aus Leder und entsprachen dem schlichten Modestil der Aufklärung2, eine pelzbesetzte Kopfbedeckung und Handschuhe, wie der Bürger sie wahrscheinlich auf dem Kupferstich trägt, waren durchaus üblich und Ausdruck des Wohlstandes.

Bedingt durch die von der Hausväterliteratur beabsichtigte Sozialdisziplinierung, die ihre Blütezeit im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert erreichte, wird sein Verhalten als vorbildhaft und moralisch richtig dargestellt.

Deutung: Bei der Darstellung des Bürgers handelt es sich um eine realistische Inszenierung, die der zeitgemäßen Mode der Aufklärung entspricht und die Deutungshypothese unterstützt, dass es sich bei dem dargestellten Mann um einen wohlhabenden Bürger handelt, der genug Geld und Besitz angehäuft hat, um Teile davon Armen und Bedürftigen zu vermachen.

Das Gegenüberstellen soll die gesellschaftlichen Positionen der Personen verdeutlichen: Der Bürger in der gebenden, die Bettler in der nehmenden Rolle. Der mit Pelz verzierte Hut, das Justaucorps und die Schuhe mit Absatz stehen repräsentativ für die bürgerliche Schicht, in der er sich befindet, und im Gegensatz dazu sind die Bettler alle ohne Schuhe und in Lumpen gekleidet.

Der Bürger steht vor seinem großen, höfischen Haus als Vorbild für andere Bürger, er wird realistisch dargestellt und zeigt ein geschehenes, sehenswertes und beispielhaftes Verhalten.

1  Annemarie Bönsch: Formengeschichte europäischer Kleidung, S. 190-191

2  www.schuhmuseum.de/01/index03.htm; 26.03.12, 12:03