Wissenschaftlicher Salon, Fächerbild um 1680

Das Bild wurde von Jonas Fischer und Nadine Palmer bearbeitet.

Bildkomposition:

Das Bild ist ein lässt sich als Genrebild bestimmen, da es informelle Gruppenportraits zeigt. Die Symmetrie des Bildes schafft Gemütlichkeit und Harmonie im Zusammenspiel mit der zentralen Sicht auf das Raumgeschehen. Den Raum kann man unterteilen in zwei Ebenen, sowohl im physisch dargestellten als auch im inhaltlich tätigen Raum, bestehend aus Vordergrund, in dem Kommunikation betrieben wird, und dem Hintergrund, welcher sich mit der aktiven Forschung befasst. Die beiden Ebenen, Vordergrund und Hintergrund, bilden einen flüssigen Übergang und eine Einheit mit der Landschaft, welche man durch die Fenster erblickt. Diese ist natürlich beschaffen und zeigt den Beginn eines Sonnenuntergangs. Die Formen des Bildes wirken naturgetreu/realistisch und man findet viele geometrische Formen wieder, so zum Beispiel die Kreisform bei verschiedenen Elementen (Lampe, Globus). Wichtigster Bestandteil der Komposition ist die Fluchtpunktperspektive, welche in der Deckenlampe ihren Fluchtpunkt findet. Die Dominanz der Farbe Gelb unterstützt die Wirkung der Bildkomposition von Behaglichkeit und Wärme. Des Weiteren unterstreicht die Farbe rot die Mentalität der Anwesenden, welche neugierig und wissenschaftlich revolutionär wirken. Blaue Elemente sind symmetrisch im Raum verteilt und produzieren so eine beruhigende und nachdenkliche Atmosphäre. Das Element weiß bei den Vorhängen sowie vereinzelt im Raum verteilt deutet im Falle der Wissenschaft auf Klugheit, Neutralität, Genauigkeit und das Neue hin, was sich ebenfalls mit der Mentalität der Anwesenden deckt. Das Zusammenspiel von Licht und Schatten lenkt das Auge auf die Diskussionszirkel sowie die Anwesenden im Hintergrund, schattiert wird dabei lediglich der Boden. Das Auge des Betrachters wird durch die fluchtpunktartige Symmetrie der Raumwände auf das Zentrum des Bildes gelenkt, die Deckenlampe. Man kann die Anwesenden verschiedenen Diskussionsgruppen beziehungsweise Tätigkeitsfeldern zuordnen (Kartographen, Astronomen, Literaturkreis).

Gesamtdeutung:

Das Genrebild, das sich durch ein informelles Gruppenportrait auszeichnet, zeigt einen bürgerlichen Treff von Wissenschaftlern und Literaten in einem typischen Salon in den 1680er Jahren. Durch die Personenkonstellation, bestehend aus einzelnen Tätigen und Tätigkeitsgruppen, wird eine gewisse Unordnung im Raumgeschehen geschaffen. Dieser Effekt wird durch einzelne Elemente wie die verstreuten Skizzen und Bücher unterstützt. Insgesamt wirkt der Raum dadurch sehr belebt und das Geschehen in vollem Gange. Folglich wird das Zeitalter der Aufklärung als ein lebhafter und impulsiver Prozess zur Schau gestellt, welcher durch die ausgelassene und  enthusiastische Stimmung der gezeigten Bürger zusätzlich verstärkt wird. Das Bild zeigt einen Salon, der damals ein typischer Treffpunkt des Bürgertums für Buchbesprechungen und Forschung/Fortbildung war. Die Gesprächsthemen reichten von Politik, über (Natur-)Wissenschaft bis hin zur Religion. Außerdem war der Salon ein wichtiger Ausgangspunkt für die Anfänge der Emanzipation, denn in den Salons, bei denen meist Frauen die Gastgeber waren, durften auch sie sich frei entfalten und aufklärerisch betätigen. Der Ort des Bildes ist also ein wichtiges Indiz für die weitere Entwicklung der Frauengeschichte, die durch solche Tätigkeiten am aktiven Leben teilhaben durften. Die geladenen Gäste sind Leute verschiedenster Stände, wie auf dem Bild durch unterschiedlichste Mode und Auftreten verdeutlicht wird: vom Wissenschaftler bis hin zum Literaten, allesamt Teil des Bürgertums, einer breiten, ungezwungenen Gesellschaftsschicht. Darüber hinaus stellen die Tätigkeiten in dem Salon eine substantielle  Neuerschließung der Welt, und damit des Welt- und Menschenbildes dar. Insgesamt lässt sich sagen, dass das Bild den Aufstieg von der Unmündigkeit und Abhängigkeit vom Aberglauben zum aufgeklärten Bildungsbürgertum illustriert. Die Aufklärung hatte für den Aufklärenden den Zweck den Menschen zu bilden, zu erziehen und gleichzeitig zu unterhalten, wie im Geschehen des vorliegenden Salons.