Nikolaus Braun , Berliner Straßenszene, 1921

Das Bild wurde von Luisa Schäfer und Daniel Valente Fraga bearbeitet.

Allgemeine Informationen zum Bild

Das Ölgemälde „Berliner Straßenszene, gemalt von Nikolaus Braun wurde 1921 veröffentlicht und in der Berlinischen Galerie . Das 74 x 102 cm (Länge x Breite) große Gemälde lässt sich der Genremalerei zuordnen.

Zu sehen ist eine Weihnachtsszenerie der Berliner Innenstadt zur Entstehungszeit des Bildes.

Thematisiert wird die Verwirrung und Unordnung in deutschen Städten in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg.

Bildkomposition

Da das Bild asymmetrisch aufgebaut ist, strahlt es Unruhe und Hektik aus.

Die quadratisch und rechteckig dargestellten Geschäfte nehmen einen großen Teil des Bildraumes ein, wobei das Fehlen der Fassaden einen Einblick in das Innenleben der Geschäfte gewährt. Die hell leuchtenden und bunten Farben der Geschäfte scheinen willkürlich, wodurch sie die Asymmetrie unterstützen.

Die in allen Bildebenen liegenden Geschäfte verbinden den Vorder- mit dem Hintergrund.

Durch die trichterförmige Bildachse wirkt die abgebildete Straße noch enger und überfüllt.

Gesamtdeutung

Durch die Darstellung Marias mit dem Jesuskind wird das Ölgemälde zu einem Weihnachtsbild. Die in dem Bild fehlenden Fassaden, welche einen Einblick in das Innenleben der Geschäfte geben, zeigen das Konsumverhalten der Bevölkerung.

Hier wird deutlich, dass materielle Dinge in den Vordergrund gerückt werden und die wesentlichen Dinge des Weihnachtsfests außer Acht gelassen werden, wie beispielsweise Werte wie Nächstenliebe. Die Menschen scheinen alle sehr alleine zu sein, was ebenfalls an einem Weihnachtsfest nicht der Fall sein sollte.

Es werden viele Kontraste gezeigt, wie zum Beispiel die arme und reiche Gesellschaft und Leben und Tod. Die verschiedenen Gesellschaftsschichten werden besonders in den gemalten Menschen und Geschäften deutlich. So wird ausgedrückt, dass gerade die Extrema der Gesellschaftsschichten - Ober- und Unterschicht - in Städten sehr präsent sind. Die Mittelschicht wird demzufolge kaum dargestellt. Durch den Kontrast von Leben und Tod wird die Vergänglichkeit des Lebens aufgezeigt. Der Tod wird einerseits durch den Fleischwarenladen und andererseits durch das Bestattungsinstitut und den „Akrobat in Satansgewand"1 dargestellt. Das Jesuskind und die gesellschaftlichen Treffpunkte stehen wiederum für das Leben.

Auch Parallelen zum Leben Jesu sind im dem Bild zu erkennen. In der Arbeit der Schuhverkäuferin wird beispielsweise an die Fußwaschung erinnert2. Dazu kommt der Prothesenladen, welcher an die Lahmen und Krüppel zur Zeit Jesu erinnert. Die dunklen Farben und auch die Straßenschlucht erinnern an die Passion Christi und seinen Tod.

Somit kann man sagen, dass die Intention des Malers war, zu zeigen, dass zu dieser Zeit die wahre Bedeutung von Weihnachten mehr und mehr vergessen wurde und das Augenmerk der Menschen immer mehr auf den Konsum gerichtet war statt auf Elemente des christlichen Glaubens, wie beispielsweise die Nächstenliebe.

1 http://bilder.buecher.de/zusatz/23/23331/23331637_lese_1.pdf

2 vgl. http://bilder.buecher.de/zusatz/23/23331/23331637_lese_1.pdf