George Morland , The Tea Garden , 1790

Das Bild wurde von Mona Rettler und Daniel Marques bearbeitet.

406 x 505 mm, Querformat, Rahmen: 533 x 627 x70 mm, Öl auf Leinwand

Bildkomposition

Das Bild ist in drei Ebenen aufgeteilt, durch die die hell gekleidete Frau mit ihrer Tochter in den Vordergrund rückt. Die zweite Ebene gestalten die weiteren Personen, die an dem Tisch sitzen. Durch die dunkle Kleidung, die diese tragen, ist eine deutliche Abgrenzung erkennbar. Die dritte Ebene wird durch den Hintergrund gebildet. In dieser werden sowohl weitere Personen als auch Gebäude und ein Brunnen gezeigt. Durch die Farbführung wird die Aufmerksamkeit des Betrachters vor allem auf die beiden Personen der ersten Ebene gelenkt. Auffallend ist, dass der Künstler von der ersten bis zur dritten Ebene dunkler werdende Farben verwendet, sodass die Lichtführung von vorne nach hinten erfolgt. Die Gegenstände, die sich weiter vorne im Bild befinden, werden heller dargestellt als Details, die sich im Hintergrund befinden, was die Farbführung des Künstlers weiterführend ausbaut.  Verbindungen der einzelnen Ebenen lassen sich zum Beispiel durch den Tisch erkennen. Dieser verbindet die erste mit der zweiten Ebene. Die zweite und dritte Ebene wird durch die ähnliche Farbwahl sowie durch die gemalten Bäume verbunden. Zudem ist ein Rahmen erkennbar, der in den vier Ecken deutlich zu sehen ist und an den Rändern des Bildes abgeschnitten zu sein scheint. Dadurch entsteht der Eindruck, dass das Bild nicht in voller Größe abgebildet ist. Die Gesamterscheinung des Bildes wirkt sehr ruhig und natürlich, wodurch dem Betrachter eine Harmonie aufgezeigt wird. Der Rahmen, mit dem eine Medaillonform geschaffen wird, ist typisch für den Bildtypus eines Conversation Piece.

Gesamtdeutung:

Das gesamte Bild ist als Conversation Piece zu sehen. Es stellt eine Familie mit Freunden oder anderen Verwandten bei einer Teezeit in einem sogenannten Tea Garden dar. Unter der Berücksichtigung der Entstehungszeit, die die Anfänge der industriellen Revolution in England als historischen Hintergrund aufweist, lässt sich sagen, dass sich die Familie in ihrer Freizeit gerne ins Freie zurückzog, um den städtischen Alltagsleben zu entgehen.

Die einzelnen Bildelemente verdeutlichen die Rolle der verschiedenen Geschlechter sowie die Kindheit im 18. Jahrhundert. Frauen hatten sich den Männern unterzuordnen, durften keine Gefühle zeigen und hatten sich anständig zu benehmen, was durch die Darstellung der weiblichen Figuren gut zur Geltung kommt. Der Mann hingegen war für die Versorgung der Familie verantwortlich. Der Wandel der Gesellschaft der sich während der industriellen Revolution erkennen ließ, wird in diesem Gemälde angedeutet. Die Frau rückt mit ihrer Tochter in die erste Bildebene, sodass die ersten Anzeichen der weiblichen Emanzipation zu erkennen sind. Auch die Tatsache, dass Kinder bei einem strengen Teeritual, wie es zur damaligen Zeit herrschte, nicht willkommen waren und trotzdem auf dem vorliegenden Bild zu sehen sind, unterstützt den Aspekt des gesellschaftlichen Wandels. Somit lässt sich das Bild eindeutig in die Epoche der Aufklärung einordnen. Die Gleichstellung und die Veränderungen des Denkens der Menschen, die diese Epoche prägten, kommen in diesem Bild gut zum Ausdruck.

Die Familie gehört - durch ihre Kennzeichen zu identifizieren - der Gentry an. Sie gehört damit zu einer Gesellschaftsschicht, die sich durch Landbesitz definiert. Die Gentry lebte für Teile des Jahres, meist im Sommer, wenn es in London zu heiß wurde, auf ihren Landsitzen, während sie vor allem im Winter und Frühjahr sich in London aufhielt. Die ländliche Atmosphäre wurde dort durch die Pleasure Gardens gewährleistet, die den Aufenthalt im Freien ermöglichten, da die Stadthäuser kaum Gärten aufwiesen. Als Gesellschaftsschicht setzt sich die Gentry aus den nachgeborenen Nachkommen der Peers - Titel und Landbesitz wurden nur an den ältesten Sohn vererbt - sowie aus aufsteigendem Bürgertum zusammen, das durch Handel und Gewerbe genügend Kapital zum Erwerb eines Landgutes erarbeitet hatte. Diese Durchmischung von Adel und Bürgertum ist kennzeichnend für die Mobilität der englischen Gesellschaft im Unterschied zu den Gesellschaften des Kontinents. Sie trägt auch dazu bei, daß in England Kapital aus Landbesitz in dem sich entwickelnden Gewerbe und der Industrie investiert wird und umgekehrt Kapital aus dem Gewerbe und dem Handel in die Landwirtschaft fließt, die durch fortschrittliche Bewirtschaftungsmethoden - Fruchtwechselwirtschaft, Bodenmelioration, Einhegungen u.ä. - sehr profitabel war.

Conversation piece :

Der Begriff Conversation Piece (engl. Gesprächsstoff) stellt eine bestimmte Gruppe von Porträts dar. Conversation pieces treten vor allem im 18. Jahrhundert, ab den 1720er Jahren in Großbritannien auf. Solche Bilder zeigen hauptsächlich Familien mit oder ohne Freunde bei Tätigkeiten im Freien, wie zum Beispiel dem Einnehmen von Mahlzeiten oder der Jagd. Auch Tiere wie Hunde und Pferde sind häufig auf ihnen zu finden. Meistens sind die Gemälde relativ klein gestaltet und im Querformat zu sehen. Wie der Name der Conversation Pieces andeutet, zeigen diese alltägliche Lebenssituationen, die zu einem Gespräch anregen sollen, beliebt war die Darstellung einer sogenannten Tea Time.