Frauen
Beschreibung: Auf dem Bild befinden sich zwei Frauen. Eine weibliche Person befindet sich vom Betrachter aus an der rechten Seite des Tisches. Sie trägt ein pompöses Seidenkleid aus hellem Stoff mit einer rosafarbenen Schleife oberhalb des Gesäßes. Das Kleid ragt bis auf den Boden, sodass ihr Schuhwerk nur wenig zu erkennen ist. Unter dem Kleid ragt lediglich die Spitze ihres dunklen Schuhs hervor. Auf dem Kopf trägt sie einen ausladenden Hut, auf dem sich die Farbe der zuvor genannten Schleife widerspiegelt. Unterhalb des Hutrandes erkennt man über ihrem Haar weiße Spitze. Auf ihrem Schoß sitzt ein Kind, das wiederum in hellen Stoff gekleidet ist und weiterführend auch eine Schleife, jedoch in blauer Farbe, trägt. Die abgebildete Frau nimmt eine gerade Sitzhaltung ein und bedient sich an dem ihr angebotenen Essen. Ihr Gesicht strahlt eine ernste und würdevolle Persönlichkeit aus. Die zweite Frau sitzt am Ende des Tisches und wird so von diesem verdeckt. Sie ist dunkel gekleidet, trägt ein helles Halstuch und ihre Augen werden von dem großen Hut verdeckt.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Die Frauen in England verzichteten schon während des 18. Jahrhunderts auf Reifröcke und andere Hilfsmittel, die den Rock breiter machten. Lediglich ein Polster diente für volleres Aussehen. Der Rock fiel lose und in Falten über dieses Polster. Auch die Ausschnitte der Kleider wurden geringer und die enge Verschnürung des Korsetts ließ langsam nach. Um die Taille wurde eine einfache Schärpe gebunden, die locker über die Hüfte herab fiel. Die Frauen trugen ihre Haare nun nicht mehr in aufwendigen Frisuren, sondern ließen sie gelockt über ihre Schultern fallen. Die Hüte erschienen groß und prunkvoll und dienten somit beim Aufenthalt im Freien als Sonnenschutz, meist handelte es sich hierbei um Stroh- oder Filzhüte. Auch die Schuhe wurden dem Aufenthalt im Freien angepasst, breitere Absätze sorgten für einen angenehmeren Fußmarsch. 1
Deutung: In dem Gemälde wird also die Rolle der Frau im 18. Jahrhundert verdeutlicht. Von einer Frau wurde erwartet, dass sie ihre Aufgaben im Bereich des Haushaltes und der Kindererziehung ordnungsgemäß erfüllte. Das Kind, das sich auf dem Schoß der  hell gekleideten Frau befindet, drückt also diese Rollenverteilung in gewissem Maße aus. Eine Frau hatte sich ihrem Mann unterzuordnen und es war ihr nicht erlaubt arbeiten zu gehen. Diese Unterordnung der Frau wird durch das Verdecken der Augen der dunkel gekleideten Dame ausgedrückt. In der Öffentlichkeit musste die Frau ein möglichst hohes Ansehen erhalten, um ihrem Mann gerecht zu werden. Die Kleidung der Frau war somit ein wichtiges Mittel um dieses Ansehen zu erwerben. Je besser die Kleidung war, desto schöner erschien die Frau und an ihrer Schönheit wurde ihr Ansehen ermessen. Somit wird auf dem Bild deutlich, dass die Frau sich dieser Ansicht zu unterziehen hatte. Weiterhin war es den Frauen nicht erlaubt Gefühle zu zeigen, sodass auch die neutrale Mimik erklärbar ist. Die Gesichter der Frauen erscheinen auf dem Bild teilnahmslos, so wie es sich für eine Frau im 18. Jahrhundert gehörte. 2
1 vgl. Erika Thiel, Geschichte des Kostüms. Die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart, 9. aktualisierte Aufl. Leipzig 2010
2 http://nibis.ni.schule.de/~lessing/www11a/les_frau/paedda.html 27.03.2012; 10:37 Uhr