Mann links
Beschreibung: Der Mann im Vordergrund auf der linken Seite sitzt neben der strickenden Frau auf der Bank. Er hält ein Buch in der Hand und ist in seine Lektüre vertieft. Im linken Teil des Bildes sind weitere Bücher auf dem Tisch direkt neben dem Tee-Service zu sehen. Sie sind relativ „dick" bzw. haben eine große Seitenanzahl. Der Mann hat sich entspannt in die Bank zurückgelehnt, seine Beine sind übereinandergeschlagen. Er trägt Breeches, Lackschuhe ohne Schnürung und seidene Kniestrümpfe.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Zu der damaligen Zeit waren Bücher kaum erschwinglich, da sie zu teuer für den größten Teil der Bevölkerung waren. Deswegen schlossen sich Gruppen von Bürgern ab etwa 1750 zu „Bücherclubs" bzw. „Lesegesellschaften" zusammen. Bei dieser sogenannten Salonkultur wurden erst gemeinsam Bücher angeschafft und anschließend gelesen und diskutiert. Neben Diskussionsrunden über Literatur wurde auch über Kunst und Musik debattiert. Dabei diente der Literarische Salon auch als Ort bürgerlicher Gesellschaft. Später in der Epoche des Biedermeier diente der Salon als Zeichen des bürgerliche Rückzuges in das Privatleben, da die bestehende politische Machtlosigkeit das Bürgertum frustrierte.

Bevorzugt wurden verschiedene Gattungen, solange sie der Bildung und Verbesserung des Menschen dienten. So wurden oft Romane, Dramen, Gedankenlyrik, Balladen und theoretische Schriften gelesen.

Deutung: Die Literatur diente nicht nur zur Allgemeinbildung, d.h. dem Erwerb von Kenntnissen, die zur Entdeckung und höchsten Entfaltung der individuellen Begabungen des Menschen dienen sollten, sondern auch zur humanistischen Bildung. Das heißt der Mensch sollte u.a. durch die Literatur die wahre Menschlichkeit erlernen und somit zum Guten erzogen werden. Folglich ist der Mensch auch zur Unterscheidung von Gut und Böse fähig und kann Gegensätze im Menschen überwinden (z.B. Gefühl vs. Pflicht). Ziel war die Förderung des selbständigen Denkens, das zu einer allseitigen und harmonischen Entfaltung der einzelnen Persönlichkeit führen sollte.

Das Beispiel des ruhigen, abgeklärten, in sich selbst ruhenden Menschen sollte daher andere Bürger zu einem moralisch richtigem und humanen Verhalten anregen bzw. sie dazu erziehen.

Die Dichtung der Klassik basiert ebenfalls auf dem Idealismus. Sie umfasste eine geschlossene Form und zielte auf Vollendung, Humanität, Sittlichkeit und Harmonie.