Mädchen im Vordergrund
Beschreibung: Im Vordergrund sitzt ein junges Mädchen auf einem Hocker. Ihre Blick ist interessiert auf die linke Büste gerichtet. Daher beachtet sie die Puppe, die sie in der Hand hält, nicht. Vor ihren Füßen steht eine Wiege für die Puppe. Das Kleid des Mädchens ist einfach und in einem schlichten Braun gehalten. Ihr Haar trägt sie offen.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Die bürgerlichen Kinder hatten zu der damaligen Zeit weniger einzelne Bezugspersonen, sondern lebten vielmehr in der dominierenden Sozialform der „Eltern-Kind-Familie". Durch kleinere Familien erhielten viele Familienmitglieder einzelne Zimmer und ein ganz neues Wohngefühl konnte sich entwickeln. So bekamen manche Kinder sogar ein eigenes Spielzimmer (Kinderstube). Durch einen hohen Verdienst der bürgerlichen Gesellschaft besaßen deren Kinder häufig viel Spielzeug und/oder Kindermöbel. Trotzdem war es keine Selbstverständlichkeit ein eigenes Zimmer und Spielzeuge zu besitzen.

Im Bürgertum galten Spiel und Spielzeuge als wichtige Vorbereitung auf das erwachsene Leben. Des weiteren diente es zur Rollenfixierung zwischen Mädchen und Jungen. So bereiteten zum Beispiel Spielzeuggewehre die Jungen auf den Beruf des Soldaten vor. Mit Spielzeugnähutensielien beispielsweise wurde den Mädchen die Rolle als Hausfrau und Mutter angedacht.

Bürgerliche Familien hatten zunehmend mehr Verständnis gegenüber Kindern, wodurch die eigene soziale Gruppe der Kinder entstanden ist.

Die Kleidung der Kinder wurde zunehmend lockerer, bequemer und kindgerechter und diente zur besseren Abgrenzung von den Erwachsenen.

Deutung: Das Vorhandensein von Kinderspielzeug und Möbeln ist ein weiteres Anzeichen, dass die Familie wohlhabend ist. Zudem bereitet die Puppe und die Krippe, die vor den Füßen des Mädchens liegt, auf die spätere ihr zugedachte Rolle als Mutter vor.

Die eher unauffällige braune und im Gegensatz zu den andern Frauen eher schlichte Kleidung betont einerseits wieder den Reichtum der Familie und andererseits, dass das Mädchen noch zu jung ist, um an der Emanzipationsbewegung teilzunehmen. Es muss erst noch die Ideale des Menschen bzw. die Humanität in Anlehnung an die Antike erlernen. Dazu blickt es schon im Kindesalter auf die antike Statue im linken Teil des Bildes.