Frau neben Pflanze
Beschreibung: Auf der rechten Seite kniet eine Frau auf dem Boden. Ihren linken Arm hat sie auf einer Pflanze abgestützt, die auf einem Tisch steht. Ihre Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck sehen entspannt aus, sie hat die Augen geschlossen. Die Frau trägt einen Knoten am Hinterkopf, während Locken vor den Ohren herabfallen. Ihr Kleid ist bläulich und sieht eher schlicht aus.

Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Der Gedanke der Gleichheit zwischen Mann und Frau kam erstmals im Laufe der französischen Revolution auf. Vor allem in den Anfängen der Frauenbewegung traten diese Ideen in den europäischen Salons auf. Gebildete Frauen nannte man abwertend Baustrümpfe, was eine Bezeichnung für als unweiblich geltende Frauen war. In Deutschland gab es anfangs keine einheitliche Frauenrechtsbewegung, allerdings konnte man im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts drei Gruppen unterscheiden:

  • bürgerlich-radikale/ -gemäßigte Frauenbewegung → Ziele: Kommunalwahlrecht, verbesserte Bildungsmöglichkeiten, Anerkennung der Erwerbstätigkeit→ Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene, Recht auf Studium an Universitäten

  • Allgemeiner Deutscher Frauenverein→ Ziele: Umgestaltung der Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage

  • sozialistische Frauenbewegung→ Recht darauf Universitäten zu besuchen

Im Laufe des 18. Jahrhunderts veränderte sich das Frauenbild. Zum Ende des Jahrhunderts war der „natürliche Geschlechtscharakter" der Grund dafür, dass die Frauen keine autonomen Menschen waren, sondern einen männlichen Vormund haben mussten. So wurden ihnen Eigenschaften zugewiesen wie Tugend, Sittsamkeit und Fleiß. Damit wurden sie als Ehefrau und Mutter „abgestempelt" und hatten ihren Platz im Haus, während die Männer in der Öffentlichkeit agierten. Diese Ideologie richtete sich vor allem auf Frauen des Bürgertums, da diese, im Gegensatz zu der Frauenrolle in den Arbeiterschichten, in die Realität umsetzbar war. Nach der französischen Revolution änderte sich diese Auffassung, da die Vertreter in Erklärungsnöte gerieten. Zudem setzten sich die Frauen selbst für ihre Rechte ein.

Um 1800 gab es sogar Frauen, die sich als Autorinnen und Redakteurinnen einen Namen machten. Damit konnten sie sich erstmals in die Politik einmischen, wenn auch meist in ihrer zugedachten bürgerlichen Frauenrolle. Eine Vertreterin dieser Richtung war Sophie von La Roche. Mit der Zeit nahmen die Frauen einen wichtigen Part im Literaturmarkt ein und waren nicht mehr wegzudenken.

Die Farbe blau wird in der Antike erstmals von der Lyrikerin Sappho als Farbe der Frauenliebe und Unabhängigkeit bzw. Freiheit beschrieben. Im 19. Jahrhundert war die Farbe ein Zeichen der Frauenbewegung. Eine Mischung zwischen rosa (weiblich) und blau (männlich) gilt als Symbol für die Gleichstellung der Geschlechter. Die sogenannten Blaustrümpfe waren einzelne gebildete Frauen aus dem Bürgertum, die sich gegen das zeitgenössische Frauenbild auflehnten.

Deutung: Die blauen Farben der Kleidung der Frauen stehen für die Emanzipation, die sich in den folgenden Jahren zu entwickeln begann, da die Frauen vorher weitgehend von politisch/ wirtschaftlichen Aspekten ausgeschlossen wurden und als nicht autonom galten.