Carl Friedrich Zimmermann, In einem Berliner Wohnzimmer um 1815

Das Bild wurde von Lena Dichtel und Philipp Wilk bearbeitet.

Bildkomposition: Das Bild „In einem Berliner Wohnzimmer um 1815" von Carl Friedrich Zimmermann, der von 1796 bis 1820 lebte und weithin unbekannt zu sein scheint – es sind keine weiteren Informationen über den Maler bekannt -, wurde um 1816 gemalt und zeigt ein bürgerliches Wohnzimmer. Die Größe des Bildes ist unbekannt. Das Bild ist eine aquarellierte Federzeichnung, d.h. es wurde mit der Zeichenfeder und Aquarellfarben gezeichnet. Wahrscheinlich sollte es für private Räume oder Ausstellungen Verwendung finden.

Vom Bildtypus ist es eine Genremalerei, eine gemalte Abbildung einer Alltagsszene. In diesem Falle handelt es sich um ein bürgerliches Wohnzimmer in Berlin mit den dort gerade verkehrenden Personen. Der Maler versucht damit die Lebensformen eines Volkes bzw. des Bildungsbürgertums zu schildern.

Das Bild ist symmetrisch aufgebaut und führt so zu einer ruhigen und harmonischen Stimmung. Der Fluchtpunkt ist in etwa in der Mitte des Fensters, dies wirkt, als wäre man der „Betrachter des Geschehens" (Frontalansicht) und würde die Aktivitäten und Ereignisse mitfühlen. Also ist man „mittendrin", so als wäre man ein Teil der Gesellschaft.

Zudem liegt ein goldener Schnitt am rechten Rand der Gardine des Fenster vor und teilt den Raum in 3/8 und 5/8. Dieser Schnitt ist besonders „schön" für das menschliche Auge und betont so die Harmonie im Bild. Außerdem wirkt das Bild sehr ordentlich und sauber, was durch die vielen geraden Linien und geometrischen Formen untermalt wird. Unterstützt wird diese Harmonie zusätzlich durch den sepiabraunen Grundfarbton (dominierende Farben: braun, gold, gelb, ocker), der gleichzeitig aber auch eine monotone Bildkomposition hervorruft. Besonders auffallend sind die blauen Kleider der Frauen, die einerseits des Blick des Betrachters auf sich ziehen sollen und gleichzeitig die Wichtigkeit der Frauen im Bild betonen.

Das Licht bzw. Schattenspiel ist realistisch dargestellt und lenkt dadurch die Aufmerksamkeit auf die belichteten Stellen.

Das Bild erhält eine harmonische Gesamtwirkung durch die Verbindung der verschiedenen Bildgründe. So verbindet der Teppich den Vordergrund mit dem Mittelgrund, während die Tür den Mittelgrund mit Hintergrund verbindet.

Die Einrichtung des Hauses ist eher schlicht und bräunlich gehalten. Die Gegenstände (die Kunst und dekorativen Objekte) stehen im Hintergrund, während die Personen stark herausstechen. Das Bild ist sehr detailreich gemalt und lässt den Zustand des Zeitpunktes sehr gut und genau betrachten. Durch die kreisförmige Anordnung der Personen wird keine „Führung" des Auges erreicht.

Deutung: In einem Berliner Wohnzimmer gehen die bürgerlichen Bewohner Aktivitäten nach, die in Verbindung mit der klassischen Kultur stehen. Es werden Lektüren gelesen , Konversationen geführt und musiziert. Der wichtigste Bezug auf die Antike sind die ausgestellten Kunstwerke z.B. Statuen, die im Gegensatz zu dem eher schlicht eingerichteten Raum stehen.

Das Bild zeigt, wie die Vorstellungswelt des Bildungsbürgertums durch das klassische Altertum und die humanistische Bildung beeinflusst wird. Die Bildung wird durch geistiges Vergnügen, zum Beispiel durch Diskussionen oder Klavierspielen, erreicht. Diese sogenannte „Salonkultur" versucht ein sich inhaltlich und formal der klassischen Antike annäherndes ästhetisches Ideal umzusetzen. Es handelt sich bei den Aktivitäten der Personen also um eine Betätigungen, die für diese Zeit typisch sind.

Die Gäste zogen sich für diesen Anlass festlich/ feierlich an, bewahrten aber eine der Epochen entsprechende modische Unauffälligkeit. Der Umgang war relativ familiär und ließ sogar die vorgegebene Geschlechterrolle außer Acht. Betont wird diese Deutung durch die blauen Kleider der Frauen, die für ihre Emanzipation und Gleichberechtigung in der Welt außerhalb des Salons bzw. Wohnzimmer kämpfen mussten.

Bei den Besitzern des Wohnzimmers handelt es sich um wohlhabende Bürger, da sie sich einerseits teure Kunst leisten konnten, anderseits aber auch Spielzeug für Kinder, das zu dieser Zeit kaum erschwinglich waren. Auch die Gäste mussten aufgrund ihrer Kleidung finanziell gut situiert gewesen sein.

Insgesamt gesehen stellt der Maler in seinem Bild eine zu der Zeit übliche Alltagsszene dar, die dazu dienen soll die Ideale der Klassik darzustellen und den Betrachter zu Nachahmung auffordert.

Quellen für die folgenden Seiten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Statue

Claus J.Gigl: Abitur Wissen Deutsch: Deutsche Literaturgeschichte. Stark Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; Auflage: überarb. Auflage (4. Oktober 2011)

http://de.wikipedia.org/wiki/Spiegel

http://www.museumonline.at/1997/schulen/bg10/deutsch/spiegel.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Tee#Europa

http://www.gah.vs.bw.schule.de/leb1800/

http://thehistoryofthehairsworld.com/haar_19_jahrhundert.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Frack

http://www.gymnasium-meschede.de/projekte/romantik/herrenmode.htm

http://www2.hu-berlin.de/sexology/ATLAS_DE/html/die_frauenbewegung_in_deutschl.html

http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/sub_image.cfm?image_id=2244&language=german

http://www.literaturwelt.com/epochen/klassik.html

http://www.kollektiveautorschaft.uni-koeln.de/salonkultur.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Literarischer_Salon

http://de.wikipedia.org/wiki/Musik_der_Romantik

http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChklassik

http://www.knigge.de/themen/kleidung/der-frack-2140.htm