Grand-Hotel Bellevue

Beschreibung: Das Grand-Hotel Bellevue befindet sich auf der rechten Hälfte des Fotos. Es nimmt dort einen großen Teil der Fläche ein. Das Gebäude ist nicht in seiner Gesamtheit zu sehen. Es ist zu erkennen, dass das Gebäude mehrstöckig und über Eck gebaut ist.

Die symmetrisch angeordneten Fenster vermitteln einen Eindruck von Harmonie und klarer Struktur. Die linke Fensterfront weist in der ersten Etage große Fenster auf, die oben einen gläsernen Halbkreis bilden. Vor jedem Fenster befindet sich ein Balkon. Die Fenster in der zweiten und dritten Etage sind kleiner und besitzen keinen Halbkreis. Lediglich die zweite Etage besitzt noch Balkone. Der obere Teil des Gebäudes verschwindet hinter einer Baumkrone, deren dazugehöriger Baum am Café Josty steht. Der Erker und die rechte noch zu sehende Seite des Gebäudes weisen einfache Fenster ohne Halbkreis auf. Auch hier sind Balkone vorhanden.

Historischer Zusammenhang:

Unter einem Grand Hotel versteht man ein besonders luxuriöses Hotel. Diese Art von Hotel war zur Entstehungszeit des Fotos eher untypisch, denn der Reisende der Zeit weilte hauptsächlich in kleinen Pensionen oder motelähnlichen Einrichtungen. Es gab wenige dieser Grand Hotels oder überhaupt Hotels, da die Bandbreite der zahlungsfähigen Bevölkerung nicht sehr groß war. Aus wirtschaftlicher Sicht war diese Art von Hotel eher uninteressant.

Vier- und vereinzelt Drei-Sterne-Hotels werden als Grand Hotel bezeichnet. Unter einem Grand Hotel verstand man im 19. Jahrhundert ein Hotel mit gehobenem Komfort wie fließendem Wasser und Telefon. Die Raumgestaltung orientierte sich an der europäischen Palast-Architektur und der dazugehörigen Möblierung. Angesprochen werden sollte das bildungsmäßig gehobene Publikum. 

Die Belle Époque um die Jahrhundertwende vom 19. bis zum 20. Jahrhundert war die Blütezeit, in der die meisten Grand Hotels entstanden sind. Dabei entstanden die Grand Hotels nicht nur in Metropolen, sondern auch an anderen Sammelorten der höheren Gesellschaftsschichten. Zu diesen Sammelorten zählen vor allem ländlich geprägte Räume (Seebäder, Luftkurorte).1

Ende des 19. Jahrhunderts war das Hotel Bellevue das erste Grand-Hotel am Potsdamer Platz in Berlin. Das Gebäude wurde nach Entwürfen des Architekten Ludwig Heim gestaltet und 1888 eröffnet. Es eröffnete unter dem Namen Hôtel du Parc und wurde später auch unter dem Namen Thiergarten-Hotel bekannt. Dadurch, dass sich die Architektur nach internationalen Vorbildern richtete, wurde die Zeit der Prachtbauten eingeläutet.  Bereits 1928 wurde das Hotel abgerissen, da der Bau des Columbushauses den Platz benötigte.2

Deutung: Das Gebäude überragt alle anderen Bauten des Potsdamer Platzes. Es ist nicht nur das höchste, sondern auch das prunkvollste Gebäude. Aufgrund seiner Größe bietet es vielen Gästen Platz und seine Lage ist äußerst günstig, da es zentral am Potsdamer Platz liegt. Das Gebäude symbolisiert den Wohlstand der Stadt der damaligen Zeit. Da sich nur ausgewählte Klientel einen Aufenthalt im Grand-Hotel leisten konnte, wird deutlich, dass das Hotel für Luxus, Erfolg und Reichtum steht. Diesen Eindruck vermittelt bereits die eindrucksvolle Gestaltung der Fassade. Große Fenster und kunstvoll gearbeitete Balkone unterstreichen die Nobilität des Hotels.

1 http://www.english-inns.co.uk/
2 http://www.berlin-potsdamerplatz.de/geschichte-1945.php