Zerbrochener Spiegel und Spinnenweben

Beschreibung

An der Wand über der Kommode hängt ein Spiegel, der im oberen Bereich zerbrochen ist. Der untere Teil wird von dem Kopf der davorstehenden Frau verdeckt. Er hängt auch nicht gerade an der Wand, sondern steht schräg zum Raum hin. Rechts an dem Spiegel ist ein Spinnennetz zu sehen, das hinter dem Spiegel verschwindet.

Kultureller Zusammenhang

Die Geschichte des Spiegels reicht bis ca. 3000 v.Chr. und noch weiter zurück. Es gibt Funde von Bronzespiegeln in Mesopotamien, die aus diesem Zeitraum stammen. Sie bestanden zunächst aus polierten Metallen, erst im 2. Jahrhundert n. Chr.  wurden sie aus Glas hergestellt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entwickelte sich die Spiegelherstellung weiter. Es wurden nun Spiegel mit Metalllegierungen im Glas produziert. Diese Spiegel nannte man Zinnamalgam-Spiegel. Im 19. Jahrhundert wurde die Herstellung von Silberspiegeln populär. Diese waren allerdings recht teuer und nicht für jeden erschwinglich.

Spiegel entstanden ursprünglich aus dem Wunsch sich selbst zu betrachten. Durch sie kann man ein Bild davon erhalten, wie man für andere Menschen aussieht. Der Spiegel wird auch dazu genutzt um sich über sein Erscheinungsbild bewusst zu werden und dieses gegebenenfalls zu verändern. Der Spiegel ist somit ein Symbol der Selbsterkenntnis, aber auch der Eitelkeit.

Deutung

Der Spiegel zeigt die Verarmung der Familie. Anscheinend war die Familie früher in der Lage sich einen Spiegel zu leisten, denn diese waren in der damaligen Zeit ziemlich teuer. Doch durch den Riss im Spiegel wird deutlich, dass der Spiegel schon recht alt sein muss und die Familie nicht über die Mittel verfügt ihn durch einen neuen Spiegel zu ersetzen. Auch die Spinnenweben rechts vom Spiegel machen klar, dass die „guten Zeiten“ schon lange vorüber sind. Doch der Riss steht ebenso für die fehlende Selbsterkenntnis. Die Bewohner des Hauses wollen nicht wahrhaben, dass sie sich immer mehr Richtung Armut bewegen, sie sehen nicht mehr ihr reines Spiegelbild. Dies kann man ebenso an den anderen teureren Gegenständen in der Wohnung festmachen. Der Scherenschnitt bzw. die Sonntagskleidung sind auch ein Beispiel für die Eitelkeit trotz sozialer Schwäche, ebenso wie der zerbrochene Spiegel.