Theodor Hosemann , Armut im Vormärz, ca. 1840

Das Bild wurde von Pascal Badura und Alexander Bertram bearbeitet.

Theodor Hosemann, Armut im Vormärz (auch Armut 1840).- In: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/17/

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Bildkomposition und -beschreibung

Durch den zum Hintergrund hin verlaufenden Boden wird der Eindruck von Raumtiefe erzeugt, zusätzlich wird dieser Effekt durch die deutlich sichtbaren Wandübergänge verstärkt. Außerdem trägt die Dreidimensionalität der gezeichneten Objekte, wie zum Beispiel dem Arbeitstisch, ebenso dazu bei.

Das Licht kommt von rechts oberhalb des Betrachters, wodurch die Gegenstände Schatten Richtung Tür werfen. Dieser Effekt erzeugt ebenfalls einen Eindruck von Raumtiefe.

Das Bild an sich wirkt chaotisch, da es eine große Anzahl an Bildelementen enthält. Dadurch wird ein Gefühl der Unordnung erzeugt.

Es lässt sich in 3 Ebenen, welche ineinander übergehen, einteilen (keine klare Abgrenzung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund).

Der Vordergrund wird durch den nicht vollständig bedeckten Boden sowie den abgeschnittenen Kamin am linken Bildrand gebildet. Auf dem Boden finden sich lediglich links ein Hund, in der Mitte ein Kind sowie Spielsachen und rechts ein  weiteres Kind, welches an einem Schuh arbeitet.

Der Mittelgrund wird durch den Großteil der im Bild befindlichen Objekte gebildet. Ganz im Mittelpunkt befindet sich ein Mann, der sich um ein in der Wiege liegendes Kind kümmert. Rechts am Bildrand neben dem Mann steht ein Arbeitstisch, an welchem ein Junge auf einem Schemel sitzt. Links neben der Wiege stehen ein Junge und ein Mädchen, das Mädchen ist der Wiege zugewandt, der Junge nicht. Der Junge uriniert in einen Behälter, in dem Lederstücke liegen.

Der Hintergrund wird im linken Bildbereich durch den Kamin abgegrenzt. Am rechten Bildrand wird das Bild abgeschnitten, der Stuhl, der sich dort befindet, ist nicht mehr ganz sichtbar. An der Lehne dieses Stuhles hängt eine Haube.  Die sichtbare Ecke des Raumes wird von einem Bett ausgefüllt, auf dem sich ein Sonntagskleid inklusive Haube befindet. An der Wand darüber sind Kleiderhaken, an denen mehrere Jacken sowie ein Zylinder hängen. Den linken Rand des Hintergrundes bilden eine junge Frau und ein Mann, die sich an der Türschwelle unterhalten. Im rechten Teil des Hintergrundes findet sich eine Kommode, über der ein Spiegel hängt. Zu beiden Seiten des Spiegels hängt jeweils ein Bild. Links ist es vermutlich ein Bild einer Schlacht, rechts befindet sich ein Scherenschnitt einer Person. Außerdem hängen links vom Spiegel ein Schusterleisten und eine Ahle. Vor der Kommode steht eine Frau, die weder dem Hintergrund noch dem Mittelgrund zuzuordnen ist. Sie bildet einen Übergang zwischen den beiden Ebenen. Über dem Geschehen hängt ein Vogelkäfig, welcher an der Decke befestigt ist.

Gesamtdeutung

Da das Bild mit vielen Bildelementen bestückt ist, wird der Eindruck von Unordnung erzeugt. Diese Unordnung soll vermutlich ein Abbild der Gesamtsituation der Arbeiterschaft ergeben. Das Chaos zeigt die Unsicherheit der Existenz, die durch die immer weiter fortschreitende Verarmung in Gefahr ist. 

Das Bild liefert einige Hinweise auf die allgemeine gesellschaftliche Situation dieser Zeit. So müssen sich Frau und Mann die Arbeit im Haus teilen und die Kinder bei der Arbeit des Vaters mithelfen. Kinder- und Frauenarbeit sind somit selbstverständlich.

Das spielende Kind in der unteren Bildmitte steht für die Vermengung von Arbeit und Familie, genau so wie die Arbeitswerkzeuge und Produkte, die im Raum verteilt sind.

Des Weiteren spielt auch der urinierende Junge eine Rolle bei der Darstellung dieser Situation. Seine alltäglichen Bedürfnisse helfen ebenfalls bei der Arbeit, wobei wieder die Verbindung zwischen Heim und Arbeit deutlich wird.

Die zahlreichen Gegensätze im Bild, erzeugt durch Bildelemente wie Scherenschnitt oder ordentlicher Sonntagskleidung auf der einen Seite und die Unordnung auf der anderen Seite, weisen auf eine Sehnsucht nach Wohlstand hin. Indiz dafür, dass es der Familie einst besser erging, ist, dass die Familie einen Spiegel besitzt, der in der damaligen Zeit sehr teuer war. Die Risse dieses Spiegels sowie die Spinnenweben stehen dafür, dass dies der Vergangenheit angehört.

Die junge Frau, die an der Türschwelle mit dem Soldaten redet, könnte ein Lichtblick sein, denn durch eine Heirat könnte sie ihrer misslichen Lage entkommen und zu dem ersehnten besseren Leben gelangen.

Letztendlich spiegelt das Bild die gesellschaftliche Situation und ihre Probleme in den Anfängen der Industrialisierung und dem damit verbundenen Pauperismus wieder.

Theodor Hosemann möchte seine Sichtweise auf die Arbeitergesellschaft publik machen und ihre Probleme aufzeigen.