Schuhmacher

Beschreibung: Im Mittelpunkt des Bildes sieht man einen Mann. Dieser Mann sitzt auf einem Schemel und trägt eine typische Handwerkerkleidung, er hat eine Arbeitsschürze an und eine typische Arbeitermütze auf. Die Schuhe, Leisten und die Schuhmacherwerkzeuge, welche im ganzen Raum verteilt sind, weisen darauf hin, dass der Mann ein Schuhmacher ist. Der Schuhmacher ist gerade dabei das Kleinkind, welches in einer Wiege liegt, zu füttern.

Kultureller Zusammenhang: Die Entstehungszeit des Berufes des Schuhmachers ist nicht genau bekannt. Die Schuhmacherei gehörte zu einer der ersten Handwerkszünfte, sie wurde im 12. Jahrhundert gegründet. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war das Handwerk weit verbreitet, denn erst dann wurden Schuhe durch Maschinen produziert. Bis dahin musste jeder Schuh per Hand genäht werden. Die Massenproduktion machte Schuhe für den Konsumenten preiswerter, so daß die Aufträge für handwerkliche Herstellung von Schuhen deutlich zurückgingen und die Schuhmacher zunehmend verdrängt bzw. auf die Reparatur von Schuhen beschränkt wurden.

Im Zuge des Pauperismus mussten viele Handwerker zusätzlich Heimarbeit ausüben, da ihr Unterhalt meist nicht ausreichte um die Familie zu erhalten.

Deutung:  Der Punkt, der dem Betrachter sofort in das Auge fällt, ist , dass der Mann sich mit dem Kind beschäftigt, obwohl es zu jener Zeit bei der Frau lag sich um die Kinder zu kümmern, da die Männer arbeiten mussten. Jedoch übt der Schuhmacher Heimarbeit aus, was eine Trennung von Familie und Arbeit unmöglich macht. In der  Familie muss also jeder auch Aufgaben der anderen Mitglieder übernehmen (siehe arbeitende Kinder). Doch an der Arbeitsmontur des Schuhmachers wird auch deutlich, dass er ständig zwischen Arbeit und Familie wechseln muss. Er ist außerdem das Abbild der gegenwärtigen Situation für Arbeiter in der damaligen Gesellschaft, denn er ist nicht der Einzige, der auf Heimarbeit zurückgreifen muss.
Ein Großteil der Arbeitergesellschaft war dazu gezwungen das Modell der Heimarbeit zu nutzen, da es ohne sie fast unmöglich gewesen wäre eine Familie zu ernähren.