Historischer Hintergrund

Das Bild lässt sich eindeutig dem zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts zuordnen,  einerseits aufgrund des Titels „Armut im Vormärz“, andererseits auch aufgrund der  kennzeichnenden Bildelemente.

Seit Mitte des 18. Jahrhunderts vollzog sich ein enormes Bevölkerungswachstum. Dieses wurde durch die Verbesserung der Nahrungsmittelversorgung ermöglicht. Auch die Einführung der Kartoffel trug zu einer besseren Nahrungsmittelversorgung bei, denn diese liefert mehr Energie bei gleicher Anbaufläche. Durch die Realteilung bei der Erbschaft hatten nun alle Söhne dieselben Chancen eine Familie zu gründen, der Besitz wurde zu gleichen Teilen aufgeteilt. Die Bauernbefreiung in Preußen 1807 führte zur Aufhebung der Heiratsbeschränkungen, das heißt jeder konnte ohne Erlaubnis irgendeines Herrn heiraten. Zusätzlich sank die Sterblichkeitsrate durch die verbesserte Nahrungsversorgung. Dies führte zu dem enormen Wachstum der Bevölkerung, da es einfacher war eine Ehe zu schließen und Familien zu gründen und diese auch zu versorgen.

Das Bevölkerungswachstum übertraf allerdings das Wirtschaftswachstum, sodass die Wirtschaft und besonders die Nahrungsmittelproduktion nicht mithalten konnten.

Mehrere Missernten verschärften die Situation zunehmend. Die Nahrungsmittelpreise stiegen immer weiter in die Höhe.

Die im Jahre 1810 eingeführte Gewerbefreiheit ermöglichte es jedem Mann ein Gewerbe zu gründen. Die Menschen waren nicht mehr an ihren Arbeitsplatz gebunden. Dies führte zu einer großen Abwanderung vom Land in die Stadt, wo die Menschen Arbeit als Handwerker suchten1.

Daraus folgte die Entstehung der Heimarbeit. Die Handwerker bekamen von Zwischenhändlern Material geliefert, welches sie dann weiterverarbeiten sollten und anschließend an den Zwischenhändler weiterverkauften. Der Großteil der Handwerker war auf diese Form der Arbeit angewiesen, da sie ansonsten ihre Familie nicht ernähren könnten. Viele Handwerker mussten in Konkurrenz zu den  gleichzeitig entstehenden Manufakturen und Fabriken treten, in denen Lohnarbeiter in großer Zahl Produkte in Massenfertigung herstellten.

Durch Erhöhung der Nahrungsmittelpreise sank die Kaufkraft der Bevölkerung, sodass sie sich handwerkliche Produkte nicht mehr leisten konnten. Damit sank auch der Verdienst der Handwerker und diese verarmten immer weiter.

Die Unzufriedenheit der Masse durch die fortschreitende Armut war einer der Faktoren, die letztendlich zur Revolution von 1848/1849 führten.

1 http://www.bauernkriege.de/AneignungZWEI.html [entnommen 26.3.2012]