Viktor Wilhelm Peter Heideloff , Schiller liest "Die Räuber" im Bopserwald , 1778

Das Bild wurde von Darleen Beschorner und Naweed Osman bearbeitet.

Aquarell , 1778

Bildkomposition : Das Bild zeigt eine Gruppierung von jungen Männern, die sich im Wald zusammengefunden haben, wobei jeder von ihnen gleich gekleidet ist, sodass zu vernehmen ist, dass alle einer bestimmten Schule o.ä. angehören. Durch die Asymmetrie und die Mimik und Gestik der einzelnen Personen wirkt das Bild recht dynamisch. Im Hintergrund ist ein Gebäude zu erkennen, das wahrscheinlich die Schule der jungen Männer darstellt.

Im Mittelpunkt des Bildes steht Johann Christoph Friedrich von Schiller, der auch das Buch „Die Räuber“ in der Hand hält, welches er gestikulierend vorträgt. Durch die Lichtführung wird Schiller im Mittelpunkt hervorgehoben, da er in dem farbig relativ trist gehaltenen Bild durch seine helle Erscheinung hervortritt. Die Anordnung der anderen Personen ist so beschaffen, dass diese sich um Schiller versammeln. Während ihm drei der fünf jungen Männer zujubeln und ihn direkt ansehen, betrachten die restlichen zwei Personen nachdenkend den Boden.

Die sechs Personen im Vordergrund, die Bäume des Waldes im Mittelgrund und das Gebäude im Hintergrund erzeugen eine plastische Tiefe. Das Auge des Betrachters wird so gelenkt, dass es sofort Schiller fällt, während sich das Gebäude im Hintergrund direkt vor seiner Brust befindet, was den Betrachter zum Nachdenken anregt, inwiefern das Gebäude mit diesen jungen Männern in Verbindung steht.

Gesamtdeutung: Das Aquarell, welches der Skizze von Heideloff aus dem Jahr 1778 entspringt, sagt viel über den sozialen Status und die Begeisterung der Charaktere für Literatur im Bild aus. An der Kleidung kann man den hohen sozialen Status und die Einheitlichkeit der jungen Männer erkennen, da sie alle die gleiche Uniform tragen.

An den Gesten und Mimiken ist ganz klar die Begeisterung der jungen Männer über Schillers Werk „Die Räuber“ zu erkennen. Es regt die Jugendlichen zum Nachdenken und Interpretieren an. Die dargestellte Situation, dass sich die jungen Männer mit Schiller zusammenfinden, ist zwar real, allerdings nicht gewöhnlich oder alltäglich für die Karlsschüler. Für sie ist es ein besonderer Moment.

An der Gestaltung ist ein Kontrast zwischen Militärschule und Natur zu erkennen, also der Kontrast zwischen den Zwängen des Alltags und der Freiheit der Natur. Die Natur wird von den Schülern genutzt, um sich frei der Literatur hinzugeben und Abstand vom Alltag zu gewinnen.

Da man die Zeit des Sturm und Drang unter anderem mit der „Jugendbewegung“ in Verbindung setzt, steht dieses Bild, das auch zu dieser Zeit entstand, sinnbildlich für die Jugendbewegung. Die Jugendlichen standen für ihre eigenen politischen Ziele ein, widmeten sich literarischen Werken und dachten viel über ihren persönlichen Werdegang nach. Diese Lebensphase barg einige Probleme, die die Jugendlichen überstanden, indem sie ihre eigenen Erfahrungen machen mussten, um für das Erwachsenenleben vorbereitet zu sein. Diese Thematik zieht sich bis in die heutige Zeit, da die Jugendlichen sich auch heutzutage in dieser Jugendzeit auf ihr späteres Leben einstellen müssen. Somit ist die Intention des Bildes durchaus aktuell. Jugendliche müssen den Übergang vom abhängigen Kindesalter in das autonome Erwachsenenalter finden und sich in die gesellschaftliche Ordnung einfügen.