Rückenfigur
Beschreibung: Im Mittelpunkt des Bildes steht, vorgebeugt und dem Betrachter den Rücken zugewandt, eine Frau direkt am Fenster und schaut in die Natur hinaus. Ihr Körper ist leicht nach links geneigt und sie wirkt so in ihre Gedanken vertieft, dass sie alles andere um sich vergisst. Sie verdeckt den Fluchtpunkt und wird so zur Identifikationsfigur. Sie nimmt nicht direkt an einem Geschehen teil, sondern ist nur ein Zuschauer.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Caspar David Friedrichs benutzte die Rückenfiguren seit 1807. Diese Darstellungen haben eine bis in die Antike zurückgreifende Tradition. Ihr Ursprung liegt in der römischen Kunst. Als älteste Rückenfigur gilt die Amazone auf einem Relief des Schildes der Athena Parthenos, welche sich als Repoussoir-Motiv in der Folgezeit in künstlerischen Werken präsentierte. Im 13. Jahrhundert stellt die Ordnung innerhalb des Bildes ein räumliches und zeitliches Verhältnis der Figuren und der anderen Bildgegenstände zueinander dar. Die Rückenfigur dient als ein Bildmotiv, das die Aufgabe hat, den Betrachter mit in das Bild hineinzuführen.

In der Romantik wird diese Art der Bildanlage so verstanden, dass man einer Person gewissermaßen über die Schultern guckt und sich in jene hineinversetzt.1

Deutung: Im vorliegenden Bild handelt es sich um Friedrichs Frau Caroline Bommer, die sich in seinem Atelier befindet. Sie hat die Funktion einer Identifikationsfigur, wodurch der Betrachter dazu aufgefordert wird, sich in diese Figur hineinzuversetzen und an den Ereignissen der Natur teilzuhaben. Es ist eine Metapher der weiten Distanz zwischen Mensch und Natur. Ihr Blick ist auf das gegenüberliegende Ufer gerichtet, das eine andere Welt symbolisiert. Durch die Verträumtheit der Figur wird die Sehnsucht der Menschen zum vollkommenen Leben deutlich.
1  http://www.kostenlose-referate.de/die-verwendung-der-rueckenfigur-in-bildern-der-kunst-65.html