Caspar David Friedrich , Frau am Fenster , 1822

Das Bild wurde von Dana Becker und Melis Cakir bearbeitet.

44 x 37 cm, Hochformat, Öl auf Leinwand, Berlin, Alte Nationalgalerie

Bildkomposition :
Das Bild weist einen symmetrischen Aufbau auf. Es ist durch vertikale und horizontale Verläufe bestimmt und jede Form fügt sich einer Ordnung, die auf das im Zentrum liegende, geöffnete Fenster abgestimmt sind. Der Mittelholm des Oberlichts liegt genau auf der Mittelsenkrechten. Diese Linie wird durch den Körper der Frau, sowie der mittleren Bodendiele fortgesetzt. Das Bild weist eine mittlere, schräg von links gewählte Ansicht auf. Die breiten Bodendielen erzeugen Tiefe. Obwohl die obere Begrenzung des großen Fensters nicht abgebildet ist und der Raum somit ins Offene ausschweift, bleibt die Abgeschlossenheit des Zimmers erhalten. Durch die nackten Wände und die breiten Dielen des Bodens bekommt der Betrachter ein Gefühl der Leere im Raum. Er wirkt beengend und leblos. Außer den beiden Glasfläschchen, die auf einem Tablett am rechten Bildrand auf einer Fensterbank stehen, befinden sich keine Gegenstände im Zimmer. Die Enge und Trostlosigkeit des Raumes wird durch die dunkel gehaltenen Grau- und Brauntöne verstärkt. Das einzig Lebendige im Raum ist die Frau. Auch der Grünton ihrer Kleidung setzt der Dunkelheit des Raumes etwas Lebendiges entgegen. Durch ihre leicht gekrümmte Haltung passt sie sich der Symmetrie des Bildes an, haucht ihm jedoch ebenfalls Leben ein. Zusammen mit der Fensterbank bildet ihr Körper eine Kreuzform. Da sie den Fluchtpunkt verdeckt, lässt die den Betrachter unwillkürlich am Hinausschauen teilhaben. Die dunklen Farben im Innenraum stehen im Gegensatz zu der Außenwelt. Die außen liegende Natur ist in satten, strahlenden Farben dargestellt. So wird der Blick des Betrachters sofort auf das Fenster gerichtet. Durch den am rechten  Fensterrand zu sehenden Schiffsmast, den Fluss und die Bäume im Hintergrund bleibt die Symmetrie des Bildes erhalten. Jedoch weichen diese Elemente, genau wie die Frau, leicht vom kompositorischen Grundgerüst ab und stehen durch ihre lebendigen Farben miteinander in Verbindung. Durch das Oberlicht und das Fenster scheint die Sonne. Dies bildet die einzige Lichtquelle des Bildes und lässt einen schwachen Schatten der Frau auf den Boden fallen.

Quellen:

http://www.diss.fu-berlin.de/diss/servlets/MCRFileNodeServlet/

FUDISS_derivate_000000005636/1_AkaneSugiyama_CDF_Dissertation_Heft_I.pdf?hosts=

http://www.kostenlose-referate.de/die-verwendung-der-rueckenfigur-in-bildern-der-kunst-65.html

Gesamtdeutung :

In dem Gemälde werden zwei Welten miteinander verbunden: Zum einen die bekannte und sichere Innenwelt, die hier durch das Zimmer dargestellt wird, und zum anderen die unbekannte Außenwelt. Die Verbindung geschieht durch das geöffnete Fenster. Im geschlossenen Zustand trennt es diese Welten voneinander. In diesem Fall ist es jedoch von der Frau geöffnet worden, was ihre Sehnsucht zur Ferne und Schönheit der Natur verdeutlicht. Die Farbwahl unterstreicht zusätzlich die Gegensätze der Innen- und Außenwelt, wobei die eintönigen, dunklen Farben Melancholie beim Betrachter hervorrufen. Der Maler, der romantische Ansichten vertrat, wollte durch das Bild ausdrücken, dass das irdische Leben begrenzt ist. Durch die Sehnsucht der Frau wird deutlich, dass die Menschen sich im irdischen Leben entfremdet fühlen. Die Szene kann als Ausbruchsversuch des Menschen aus dem Gefängnis seiner Gefühle gesehen werden.

Das Bild weist also typische Elemente der Romantik auf, in der die Menschen die Vollkommenheit der Natur als Vorbild sahen und selbst nach Erlösung und Vollendung strebten.  Betrachtet man alle Bildelemente gemeinsam, wird der Lebensweg der Menschen sichtbar, beginnend im „Hier und Jetzt“ über die Zukunft bis hin zum Tod, der den Menschen das ewige Leben ermöglicht. Ebenso enthält das Bild viele göttliche Motive. So wird deutlich, dass Gott für die Schönheit der Natur verantwortlich ist und über allem steht. Das Bild weist Parallelen zu Friedrichs Leben auf, in der es auch Zeiten der Melancholie gab.