Eduard Gärtner , Die Familie des Schlossermeisters

C.F.A. Hauschild, Stralauer Str. 49, 1843

Das Bild wurde von Marina Siegert und Michael Röhnke bearbeitet.

87 x 71 cm, Öl auf Leinwand, wahrscheinliche Verwendung: Ausstellungsstück, gehört der Genremalerei an

Bildkomposition

Der Raum in dem Gemälde ist relativ symmetrisch aufgebaut. Zu erkennen ist dies beispielsweise an der Großmutter, die sich in dem Spiegel schräg gegenüber von ihr spiegelt. Diese Symmetrie wirkt harmonisch auf den Betrachter. Dies ist auch in der Familienidylle widerzuerkennen. Das Bild ist aus der Normalperspektive gemalt worden. Das heißt, dass der Betrachter auf gleicher Höhe mit den Gegenständen bzw. den Personen ist. Diese Ansicht führt dazu, dass man sich mit der Familie identifizieren kann und der Betrachter praktisch in das dargestellte Zimmer direkt hineinsieht.. Das Bild ist in drei Ebenen aufgebaut. Der Vordergrund, welchen die Großmutter auf dem Stuhl und die kleine Katze mit dem Spielball bilden, und der Mittelgrund, begrenzt durch zwei Schränke an der linken Seite und ein großes Fenster an der rechten Seite, der durch die Eltern und ihre vier Kinder gebildet wird, sind miteinander verbunden, da es sich um einen zusammenhängenden großen Raum handelt. Im Gegensatz dazu ist der Hintergrund stark von den anderen zwei Ebenen abgrenzt. Denn er bildet einen neuen Raum, von dem man nur einen kleinen Ausschnitt durch einen Türrahmen erkennen kann. Dieser Ausschnitt gibt dem Bild mehr Tiefe. Zur Erzeugung von plastischer Tiefe führt auch, dass ein Teil der Decke noch zu erkennen ist.                                                                                                                      

Die Lichtführung erfolgt durch ein großes Fenster, welches sich an der rechten Wand befindet. Durch seine Größe erhellt es beinahe den gesamten Raum, aber vor allem fällt das Licht auf die Familie. Die Großmutter fällt zwar allgemein in den Schatten, aber dadurch, dass der Spiegel, in welchem sie sich spiegelt, erhellt wird, befindet auch sie sich wieder im Lichtfall. Zudem wird das Licht von hellen, vor allem aber von gläsernen Gegenständen, wie den Blumenvasen, der Petroleumlampe und den Gläsern und Kelchen im Schrank in der linken Bildhälfte reflektiert.                                    

Das Bildzentrum bildet hier ganz deutlich die Familie. Dies ist besonders durch die Anordnung des Mobiliars und weiterer Gegenstände zu erkennen, da diese einen Kreis um die Familie bilden.                                                                                                  

Die Farben des Bildes sind relativ bunt und hell. Dabei stechen besonders die Farben der Kleider, aber vor allem das Türkisblau der Tapete in das Auge des Betrachters. Ansonsten ist die Farbgebung des Bildes in braun-gelb-goldenen Tönen gehalten. Durch die kräftige Farbe der Wandtapete, die zugleich den Hintergrund der Familie bildet, wird die Wirkung dieser noch mehr verstärkt.

Gesamtdeutung

An dem Bild kann man gut erkennen, wie die häusliche Situation im Biedermeier war. Häusliche Idylle spielte eine besondere und wichtige Rolle nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft. Die Bürger zogen sich aus politischen Dingen zurück und wollten mehr Zeit mit der Familie verbringen. Der Wohlstand nach der Herrschaft Napoleons war relativ gering. Dennoch wollte man das zur Schau stellen und demonstrieren, was man hatte. Dies zeigt sich auch ganz deutlich im Bild, wie bei dem großen Spiegel, den Bilderrahmen, der Tapete und dem Gläserschrank. Die Möbel waren zwar eher schlicht, wurden aber durch auffällige Dekorationen in ihrer Wirkung unterstützt. Der Mittelpunkt des Bildes stellt deutlich die Familie dar. Dies entspricht auch der biedermeierlichen Zeit, da das familiäre Zusammensein von großer Bedeutung war. Diese Bedeutung spiegelt sich auch vor allem in dem Esstisch wieder, der dazu dient, die Familie, beispielsweise beim Speisen zusammenzubringen. Die Stellung der Eltern symbolisiert hier die Situation im Haushalt. Der Mann war das Familienoberhaupt, aber nicht der Herrscher des Haushaltes. Auch die vier Kinder verdeutlichen den damaligen Wunsch nach einer großen Familie.                                                                                                                            

Die Kleidung, die sie tragen, dient der Repräsentation der eigenen Person und drückt die Wertvorstellungen des Bürgertums aus. Sie war zwar schlicht, drückte aber Eleganz aus, genau wie die Möbel.                                      

Da das Mobiliar, die Kleidung und die Raumgestaltung typisch im Biedermeier sind, lässt sich das Bild klar und eindeutig einordnen.