Adolph Menzel , Das Eisenwalzwerk (Moderne Cyklopen ), 1875

Das Bild wurde von Jonas Pilgram und Elif Sinoplu bearbeitet.

Größe:153*253 cm, Öl auf Leinwand, Auftragsarbeit, jedoch frei gewähltes Motiv

Bildkomposition:

Das Gemälde veranschaulicht eine große Eisenwerkstatt für Eisenbahnschienen. Die hochgezogenen Schiebewände lassen im Hintergrund Tageslicht ein, jedoch wirkt das Bild sehr dunkel und trüb. In zentraler Position steht eine Eisenwalze, aus welcher Männer mit einer Zange ein glühendes Eisenstück herausnehmen. Die anderen Männer sind damit beschäftigt durch Hochdrängen die Deichsel unter die Walze zu bringen.

Der Schichtwechsel steht bevor. Im rechten Bildrand ist erkennbar, wie den Männern von einer Frau Essen gebracht wird. Links hinten sieht man drei Arbeiter, welche sich waschen. Weiter hinten links ist ein Mann im Gehrock, der die Arbeiter beobachtet und sich so von den anderen abgrenzt. Hauptsächlich wird der Blick des Betrachters auf den Arbeitsprozess an der Walzrolle gelenkt.

Das Bild weist eine triptychonähnliche Struktur, also eine Dreiteilung, auf, wodurch Menzel in der Lage war, das Tagewerk der Arbeiter in allen Phasen darzustellen. Des weiteren ist das Bild asymmetrisch aufgebaut. Es entsteht ein Eindruck von Hektik, schwerer Arbeit und Erschöpfung. Dies bewirkt einen realitätsnahen Eindruck. Die Diagonale, welche von rechts unten nach links oben verläuft, kann als Fluchtlinie betrachtet werden, wobei mehrere Elemente, wie der immer heller werdende Raum, dies verstärken. Es entsteht also eine mögliche Lesrichtung von links oben nach rechts unten. Die Hauptintention liegt in diesem Fall also unten rechts in der Ecke. Menzel wählte vor allem dunkle Farben, hauptsächlich braune und schwarze Töne, die die schwere Arbeit unterstreichen. Die einzige große Lichtquelle bietet die Eisenwalze. Dadurch fällt die Eisenwalze sofort ins Auge. Es wird aber auch unterstrichen, dass eine immense Hitze vorherrscht, welche die Arbeitsbedingungen erschwert. Die Lichtquelle definiert den Hauptpunkt des Bildes, da Menzel einen Arbeitsprozess im Walzwerk darstellen wollte. Die Dreiteilung des Bildes verbindet auch Hintergrund, Vordergrund und Mittelgrund, weil die dargestellten Arbeitsprozesse zusammen gesehen einen Arbeitsablauf darstellen. Hier durch entsteht auch eine Geschichte von einem Arbeitstag. Die Perspektivwahl hebt hervor, dass Adolf Menzel einen Überblick über das ganze Geschehenen geben möchte und seine Rolle als Betrachter definiert.1

Gesamtdeutung :

Adolph Menzel wollte mit seinem Gemälde mehrere Tatbestände ausdrücken. Zuerst einmal wollte er einen Arbeitstag zur Zeit der Industrialisierung darstellen. Er zeichnet jede Maschine und jeden Arbeitsprozess und erschafft so einen Ablauf vom Anfangsprodukt bis hin zum Endprodukt. Er stellt eine typische Fabrik dar und zeigt sie zu dem Zeitpunkt des Schichtwechsels, was bewirkt, dass man das Fabrikleben in allen Facetten erkennt. Dies wird auch durch die Vorarbeit zu seinem Gemälde deutlich. Viele Tage des Beobachtens der Königshütte in Oberschlesien und die daraus resultierenden Skizzen geben dem Bild eine lebensechte Wirklichkeit. Auch die Wahl der Perspektive als Betrachter unterstreicht, dass Menzel einen Überblick über das Arbeiten in einer Fabrik geben will. Auch bewirkt die Perspektivwahl, dass der Bildbetrachter sich in das Bild reinversetzen kann und die zermürbende menschliche Arbeitsleistung vor das Auge führt. Der Betrachter erkennt die Arbeitsbedingungen und wird mit Leid und Erschöpfung konfrontiert. Der Maler schreckt nicht davor zurück, die körperliche Belastung sowie die katastrophalen Arbeitsbedingungen zu illustrieren. Des weiteren wird deutlich, dass ein Arbeiter völlig von seiner Arbeit abhängig ist und einen Großteil seines Tages in der Fabrik verbringt. Er muss sich waschen, hat nur wenig  Zeit zu essen und hat  eine so knapp bemessene Ruhezeit, dass er dies schnell zwischen den Arbeitsschritten verrichten muss. Der im linken Hintergrund dargestellte Großbürger, vom Maler als Dirigent bezeichnet, wacht über die Arbeitsprozesse und sorgt dafür, dass der Arbeitsprozess nie zum Erliegen kommt. Hierdurch wird ein Kontrast zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie deutlich. Ist die Anzahl der Bourgeoisie noch so klein, so herrscht sie aber doch über die Angehörigen des Proletariats. Menzel stellt also eine typische Klassengesellschaft dar und sagt mit seiner eigenen Bezeichnung Dirigent aus, dass der Großbürger das Leben des Proletariats bestimmt.  Dies zeigt auch die komplette Ausbeutung der niederen Klassen und kann so als Gesellschaftskritik verstanden werden.

Der Einbezug der Frau im unteren rechten Bilddrittel lässt darauf schließen, dass Menzel auch auf die Rolle der Frau in der Industrialisierung eingeht. Er nimmt die gesellschaftliche Situation auf und drückt aus, dass auch Frauen für das Überleben ihrer Familie arbeiten mussten. Es zeichnet sich also ein Wandel von der Hausfrau zur unterstützenden Hilfskraft ab. Hieraus kann man aber auch schlussfolgern, dass die Kindererziehung und das familiäre Leben in den Hintergrund gestellt werden und die Fabrikarbeit den größten Teil des Lebens einnimmt.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Bild wie fast kein anderes die Gemüter beschäftigt. Obwohl Adolph Menzel immer wieder betonte, dass man das Bild als sachliches Bild, welches einen typischen Arbeitsablauf darstellt, verstehen solle, so bietet die Ergänzung „Moderne Cyklopen“ eine Steigerung auf einen höheren Wert. So wird oft hinterfragt, ob Menzel mit seiner Darstellung der Arbeitsbedingungen, den erschöpften Arbeitern, dem Abbild der Frau und dem Dirigenten eine Gesellschaftskritik kreiert. Fakt ist, dass Adolph Menzel einen detailgetreuen Arbeitsablauf in seinem Bild schildert und so den Alltag der Menschen in der damaligen Zeit darlegt.2

Ölmalerei: Die Ölmalerei, ist die Malerei mit Ölfarben, die vor allem bei Porträt-, Landschafts- und Genremalerei zur Anwendung kommt. Hierbei werden verschiedene Ölarten wie Balsamöl als Malmittel verwendet. Der beste Untergrund für Ölmalerei ist die Leinwand, welche die Farben absorbiert, sodass eine starke Farbintensität entsteht. Die Ölmalerei ist seit dem 13. Jahrhundert bekannt und wurde von Jan van Eyck weiterentwickelt.3

1 Claude Keisch und Marie Ursula Riehmann-Reyher: Adolph Menzel 1815-1905.Das Labyrinth der Wirklichkeit, S.288

2 http://www.google.de/imgres?q=adolph+menzel+das+eisenwalzwerk&um=1&hl=de&tbm=isch&tbnid=

7fgO4-Fydv11lM:&imgrefurl=http://www.bilder-der-arbeit.de/Museum/Seiten/VM-HS4.html&docid=

TlPYVBFRo3wlKM&imgurl=http://www.bilder-der-arbeit.de/Museum/Bilder/large/Menzel.jpg&w=973&h=600&ei

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3  http://www.showyourart.net/browse/index/method-24;motive-106

    http://www.kleopas.de/sammeln-seltenes/geschichte-der oelmalerei.htm