Johann Bahr , Unfall in einer Maschinenfabrik, um 1890

Das Bild wurde von Pauline Handt und Charlotte Wiese bearbeitet.

32,4 x 48 cm, Querformat, Druck nach Holzstich, Deutschland, um 1889
Werbung für die „Deutsche Allgemeine Ausstellung für Unfallverhütung“ in Berlin

Bildkompostion : Das Werk ist in zwei vertikale und zwei horizontale Bereiche aufgeteilt.
Die vertikalen Ebenen werden durch den sich im goldenen Schnitt befindlichen Pfeiler getrennt.
Insgesamt entstehen vier Bildebenen, die jeweils ein aussagekräftiges Element beinhalten.

Den Mittelpunkt des Werks stellt die Frau mit ihrem Sohn an der Hand dar. Durch starke Belichtung dieses Elements wird das Auge zu Anfang darauf gelenkt.

Die umliegenden Geschehnisse werden weniger stark belichtet.
Die horizontale Trennung stellt die Unfallmaschine und den Unfall selbst in den Vordergrund, dieses Szenario wurde zur Zeit der Industrialisierung schlüssig miteinander verbunden.

Trennt man das Bild in zwei vertikale Ebenen fällt auf, dass nur der linke Teil, auf dem die Maschine und die Frau mit Sohn zu sehen sind, aussagekräftig ist. Der rechte Teil, auf dem der Unfall und die Maschinerie zu erkennen sind, ist eigenständig nicht aussagekräftig. Dies zeigt, dass das Bild seine Wirkung nur als Ganzes erzielt, da es eine „Geschichte erzählt“.
Die unterschiedlichen Bildebenen werden durch Überschneidung der Personen miteinander verbunden.

Durch die asymmetrische Bildaufteilung kommt es zu einer dramatischen Wirkung, die die Gesamtwirkung des Bildes unterstützt.

Gesamtdeutung: Der Name des Bildes gibt seinen Inhalt wieder. Im Zentrum steht ein verunfallter Arbeiter um den sich das  momentane Fabrikgeschehen dreht. Um den Verletzten stehen in der Fabrikhalle mehrere Maschinen. Mit dem Bild soll die hohe Unfallgefahr in Fabriken zur Zeit der Industrialisierung dargestellt werden. Unter Berücksichtigung der zentralen Positionierung der Frau und der vordergründigen Positionierung der Unfallmaschine ist das gesamte Gemälde den Missständen der Unfallverhütung und –absicherung gewidmet, auf welche die Bildelemente allesamt hinweisen.

Bahr bringt eine Steigerung in sein Werk ein. Die offen liegenden Keilriemen im Hintergrund genauso wie die am Ofen angelehnte Leiter führen zu dem von einer Maschine verursachten Unfall. Dadurch werden die Sicherheitsmängel klar und deutlich herausgearbeitet.

Mit der Frau, welche ihren Mann verletzt oder gar tot am Boden sieht, bezieht Bahr Position zur Sozialversicherung. Er erschuf sein Werk, als diese zwar schon gegeben, jedoch nicht ausgereift war. Seine abwertende Haltung dieser Reform gegenüber wird durch die ängstlichen Züge der Frau mehr als deutlich.
Einen weiteren Wink in Richtung Sozialversicherung gibt Bahr mit dem Bildelement der Männer, die ihre Prinz Heinrich Mützen tragen und die Unfallmaschine begutachten. Durch sie bringt der Künstler zum Ausdruck, dass die Sozialdemokraten, zu deren Erkennungszeichen die Mütze gehört, an der Weiterentwicklung der Sozialreform interessiert waren und weiterhin die Rechte und Arbeitsbedingungen der Arbeiter verbessern wollten.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Bahr mit seinem Werk zeigen wollte, dass die bereits getätigten Schritte in Richtung Sozialreform und Arbeitsschutz zwar gute Anfänge waren, aber aufgrund ihrer Unausgereiftheit noch ausgebaut werden mussten.

Holzstich1: Der Holzstich stellt eine grafische Hochdrucktechnik dar. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts von Thomas Bewick aus dem Holzschnitt entwickelt. Beim Holzstich werden Linien mit Sticheln aus dem Holz geschnitten. Danach werden detaillierte Druckgrafiken angefertigt. Der Holzstich gilt aufgrund seiner hohen Kontrastbreite als plastisch. Des Weiteren war das Verfahren des Druckens mit Holzstichen besonders erträglich, da man bis zu 200.000 Abzüge von einem Holzstich anfertigen konnte. Dies war die meisten verwendete Reproduktionsmethode des 19. Jahrhunderts.
1 http://www.kettererkunst.de/lexikon/holzstich.shtml [entnommen 27.03.2012]

Quellen für diese Seiten [alle entnommen am 27.03.2012]:

http://www.welt.de/print-wams/article139473/Vaterrolle_im_Wandel_der_Zeiten.html

http://www.kindersache.de/bereiche/schon-gewusst/schule/artikel/schule-im-19-jahrhundert

http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/gr103053/index.html

http://www.schulnote.de/Arbeiterbewegung%20im%2019.%20Jahrhundert_215_hausaufgabe_referat.html

http://www.kettererkunst.de/lexikon/holzstich.shtml

http://www.gossenmetrawatt.com/deutsch/seiten/derlangewegzurarbeitssicherheit.htm

http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/wegweiser/einfuehrung.html