Arbeiter im Hintergrund
Beschreibung: Im rechten Hintergrund des Bildes sind zwei Arbeitergruppen zu erkennen, die sich, im Kreis stehend, unterhalten. Offensichtlich sind sie über den Unfall sehr betroffen. Ihre Arbeit haben sie niedergelegt und es hat auch nicht den Anschein, als ob sie schnell wieder anfangen würden zu arbeiten.
Kulturgeschichtlicher Zusammenhang: Eine solche Arbeitsunterbrechung konnte zur Zeit der Industrialisierung ein Kündigungsgrund sein. Es war für die Arbeitgeber kein Problem, die Arbeiter jederzeit zu kündigen. Dies kommt zum einen durch den nicht vorhandenen Arbeiterschutz, des weiteren gab es im 19. Jahrhundert ein extremes Überangebot an Arbeitskräften. Die Beschäftigten waren leicht zu ersetzen, was einen besonderen Druck auf die Angestellten ausübte. Auf eine neue Anstellung konnten sie selten hoffen. Lediglich die besonders qualifizierten Mitarbeiter hatten gute Chancen auf eine Karriere. Das gemeine Arbeitervolk hatte keinerlei Chancen sein Schicksal durch Bildung zu beeinflussen, da diese oftmals nicht vorhanden war (s. Schulbildung).
Deutung: Bahr stellte die Arbeiter im Hintergrund zwar betroffen dar, jedoch zeichnete er sie nicht um den Verletzten herum. Dies ist ein Symbol der Arbeitshaltung zur Zeit der Industrialisierung. Es gab keinen Kündigungsschutz und zudem ein Überangebot an Arbeitskräften. Der Arbeitgeber konnte seine Belegschaft problemlos auswechseln. Eine offensichtliche Arbeitsunterbrechung, auch aufgrund schwerer Unfälle, zeigte Desinteresse am Beruf und war so ein großes Risiko. Bahr stellt durch diese betroffene Gruppierung die Anteilnahme am Schicksal der Kollegen dar, jedoch auch die Tatsache, dass jeder sich selbst der Nächste war. Des weiteren weist er durch dieses Element auf die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und somit den Druck durch den Arbeitgeber hin.