The Austen Family, um 1780

Das Bild wurde von Wiebke Fuchte und Bastian Prescher bearbeitet.

Das vorliegende Gemälde hat eine Größe von 15,5 x 19,5 inches (ca. 40 x 50 cm; Höhe x Breite), es ist daher rechteckig in der Horizontale. Die genaue Technikbezeichnung lautet „black ink and watercolour“ (schwarze Tinte und Wasserfarbe). Aufgrund der Größe, Form und Technik ist es am wahrscheinlichsten, dass das Gemälde privat oder als Ausstellungsstück genutzt wurde bzw. genutzt wird.

Künstler: Da das vorliegende Gemälde der Austen Familie erst vor kurzem entdeckt wurde, ist nicht bekannt, welcher Künstler dieses Gemälde gemalt hat. Es stehen noch Forschungen zu diesem Thema an.

Jedoch wird vermutet, dass Ozias Humphry der Künstler ist, der das Gemälde gemalt hat. Humphry war ein englischer Maler, der von 1742 bis 1810 gelebt hat. Er ging mit 15 Jahren in London auf eine private Malschule. Drei Jahre später begann Humphry eine dreijährige Lehre bei Samuel Collins in Bath. Sein großer künstlerischer Durchbruch gelang ihm, als der König 1772 bei einem Besuch der „Society of Arts“ einige Miniaturen von ihm kaufte. 1792 wurde Humphry der Ehrentitel „Königl. Pastell-Portraitmaler“.  Er litt an einem schweren Augenleiden, sodass er ab 1797 nicht mehr in der Lage war zu malen. Mit 68 Jahren starb er in London.

Bildtypus conversation piece1

  • aus dem Französischen; Bedeutung: höfliches geselliges Beisammensein

  • Gruppenportrait in eigenem Haus oder Garten, daher von Eigentum umgeben

  • Kinder sind ein wichtiger Bestandteil

  • Menschen sollen in natürlichen/alltäglichen Situationen/Handlungen gemalt werden

  • wurden  hauptsächlich mit bürgerlichen Familien (middle class) gemalt,

  • in der „Royal Collection“ der Queen sind jedoch viele solche Gemälde adeliger Familien

  • spiegelt finanziellen Erfolg und gesellschaftlichen Status wieder

  • wurde 1720-1730 modern

Bildkomposition: In diesem Gemälde wurden eine kreisförmige und eine geometrische Linienführung gewählt. Das gesamte Bild ist symmetrisch aufgebaut und wirkt daher ruhig und harmonisch auf den Betrachter.

Im Zentrum des Bildes stehen die Weintrauben, die Edward hochhält, und Edwards Kopf selbst. Dies ruft beim Betrachter das Gefühl hervor, man sei mit Edward auf Augenhöhe und schaue ihm direkt in die Augen.

Der Bildraum ist in insgesamt drei Teile aufgeteilt. Im vorderen Teil befinden sich der gedeckte Tisch und links und rechts am Tisch sitzend die Eltern der Kinder. Die vier Kinder,  welche hinter dem Tisch stehen, bilden den zweiten und mittleren Teil des Bildraumes. Der hintere Bildraum ist der restliche leere Raum, in dem die Szene abläuft. Diese drei Ebenen des Bildraumes werden durch das Zimmer, in dem sich alles abspielt, miteinander verbunden.

Da dieses Bild lediglich in schwarz-weiß gemalt wurde, spielen Farben hier keine Rolle. Durch die schwarz-weiße Komposition wird eine gute Darstellung von Licht und Schatten in diesem Gemälde erreicht. Es scheint zwei Lichtquellen zu geben: zum einen die beiden großen Fenster, die den hinteren Teil des Raumes mit Licht füllen und den Blick bereits in Richtung Mitte lenken; zum anderen scheint vor den Personen eine Lichtquelle zu sein, da sie alle von vorne beleuchtet sind. Diese zweite Lichtquelle verstärkt die Lenkung des Auges in die Mitte des Bildes, sodass man beinahe automatisch in Edwards Gesicht bzw. auf die Weintrauben guckt. Aus dieser Lenkung des Auges resultiert, dass es in diesem Bild hauptsächlich um Edward geht. Er scheint seiner Familie und dem Betrachter etwas erzählen zu wollen, was er mithilfe der Weintrauben verdeutlichen möchte. Dass er dies auch dem Betrachter mitteilen möchte, wird deutlich, da er diesen direkt anzugucken scheint.

Zuletzt scheint es so, dass durch die Armhaltung der Personen alles auf das Zentrum, die Weintrauben in Edwards erhobener Hand, zuläuft.

Gesamtdeutung: Das Gemälde der Austen-Familie, das zum Ende des 18. Jahrhunderts gemalt wurde, zeigt die Eltern und vier ihrer insgesamt acht Kinder bei einem gemeinsamen Essen. Dabei geht es nicht um das Essen selbst, sondern um Edward und seine Adoption. Edward wurde von seinem reichen Onkel Thomas Knight und dessen Frau adoptiert, was ihm eine vielversprechende Zukunft verheißt.

In diesem Gemälde freut sich die gesamte Familie mit ihm. Darauf weisen sowohl die Gestik als auch die Mimik der Personen hin. Auch das Essen weist auf seine wohlhabende Zukunft hin. Allerdings wird beim Betrachter auch der Eindruck erweckt, dass die Eltern gerne etwas vom neuen Reichtum Edwards abhaben möchten. Die Eltern freuen sich, obwohl Edward von ihnen getrennt wird. Dies zeigt die große Liebe, die sie ihm entgegenbringen. Sie wollen nur das Beste für ihn, und nehmen dafür auch in Kauf, dass sie sich von ihrem Sohn trennen müssen.

Die Familie Austen macht einen sehr harmonischen und liebevollen Eindruck. Sie fühlen sich alle stark miteinander verbunden und sind froh, zusammen eine Familie zu sein. Jeder möchte nur das Beste für den anderen.

Das Bild wirkt realistisch. Man kann gut nachvollziehen, wie die Eltern gefühlt und gedacht haben.

Außerdem erinnert dieses Gemälde an das des letzten Abendmahl Jesu. Auch dort war die Hauptperson Jesus in der Mitte des Bildes und alle Blicke wandten sich gespannt in seine Richtung. In dem Austen-Gemälde nimmt Edward diese Position ein. Es dreht sich alles nur im ihn, er ist der wichtigste. Brot und Wein ist hier ebenfalls vorhanden. Daher scheint die Familie eine sehr religiöse Familie zu sein, was durch den Pfarrerberuf des Vaters erklärbar ist.

Gestik: Die Gestik der Familie Austen trägt in diesem Gemälde ein auffallendes Merkmal: Sieht man sich den Verlauf der Arme der Personen an, so scheinen die Arme auf das Zentrum des Gemäldes, die Weintrauben, zuzulaufen bzw. auf sie zu zeigen.

Da die Weintrauben für Edwards Adoption durch seinen reichen Onkel stehen, wird dadurch zum einen die Freude der Familie ausgedrückt, die sie Edward gegenüber verspüren. Er wird ein besseres Leben als bisher haben und sich um nichts mehr sorgen müssen.

Zum anderen bedeutet dies, dass sie möglicherweise die Hoffnung haben, etwas von Edwards neuem Reichtum abzubekommen. Da die Familie Austen nicht zu den reichen Menschen zählte, würden sie sich darüber sicherlich gefreut haben.

Lediglich der Vater hat seine Arme bei sich und scheint sie in einer Gebetsposition zu halten und ein kleines Gebetsbuch festzuhalten. Er dankt Gott für das, was er für Edward getan hat und was er ihm geben wird. Dadurch wird er seinem Priesterberuf gerecht.

Cassandra, die linke der beiden Mädchen, legt ihren Arm zudem beschützend auf Janes Schulter. Dies zeigt die tiefe Bindung der beiden Schwestern und die Unzertrennlichkeit der beiden Schwestern. Sie würden alles füreinander tun.

Mimik: Der Gesichtsausdruck der Personen ist bei allen der gleiche: Alle gucken glücklich und freudig erregt. Sie freuen sich für Edward, den eine gute Zukunft erwartet.

Zudem schauen alle Personen bis auf Edward selbst auf die Weintrauben, die Edward hochhält. Dies unterstützt ihren Gesichtsaudruck, da die Weintrauben für Edwards Zukunft bei seinem reichen Onkel stehen. Lediglich Edward schaut nicht auf die Weintrauben, er scheint dem Betrachter direkt in die Augen zu schauen. Es macht den Eindruck, als wolle er dem Betrachter sagen: „Schaut mich an, bin ich nicht der glücklichste Mensch auf Erden? Seht was ich habe!“ Er fordert durch seinen Blick den Betrachter auf, sich auch für ihn zu freuen.

1 http://www.telegraph.co.uk/culture/culturecritics/richarddorment/5272389/

The-Conversation-Piece-Scenes-of-Fashionable-Life-the-Queens-Gallery-Palace-of-Holyroodhouse-Edinburgh-review.html