Risse in der Wand
Beschreibung: In der oberen, rechten Ecke haben sich in der Zimmerwand zwei große Risse gebildet.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in Berlin die erste Bauordnung erlassen. Diese besagte lediglich, dass jede freie Fläche mit bis zu 11,30 m hohen Mehrfamilienhäusern bebaut werden durfte und nur genug Platz für Feuerwehr- und Polizeiautos gewährleistet werden musste. Sie nahm keine Rücksicht auf den gesundheitlichen Aspekt. Zudem kontrollierte niemand, ob das Gesetz eingehalten wurde. 1878 gab es eine neue Bauordnung, die Bauzonenordnung genannt wurde. Diese verbesserte die Bauvorschriften in hygienischer Hinsicht. Außerdem musste mehr Platz zwischen den mehrstöckigen Bauten gelassen werden. Diese Ordnung wurde durch die Baupolizei kontrolliert. Die Mehrzahl der Arbeiter konnte sich jedoch eine solche Wohnung nicht leisten und musste in den alten, schlechten Wohnungen leben bleiben. In diesen Wohnungen konnten sich in der Wand Risse durch Feuchtigkeit bilden, wenn zum Beispiel der Putzuntergrund falsch verarbeitet wurde und deswegen aufquillt.1 Solche Risse können aber auch durch Lastbeanspruchung oder Lageänderung entstehen, wenn die Wände unter einer zu starken Spannung stehen und sich nicht ungehindert verformen können oder, wenn das Bauwerk aufgrund von Bodensenkungen absackt.2

Deutung: Bei dieser Wohnung handelt es sich um ein älteres Bauwerk, welches nicht nach den neueren Bauvorschriften erbaut wurde.

Daher waren die Wände auch nicht sauber verputzt und der Untergrund konnte aufgrund von Feuchtigkeit aufquellen. Diese Feuchtigkeit kam entweder von der schlecht isolierten Außenwand oder von der nassen Wäsche, die in der Wohnung getrocknet werden musste. Auf diese Weise entstanden die Risse in der Wand.

1 http://www.baumarkt.de/nxs/735///baumarkt/schablone1/Putzrisse-in-der-Fassade-und-in-Innenwaenden-was-tun, Stand: 27.03.12 12:04

2 http://www.bau-sach-verstand.de/bauschaeden/risse.html, Stand: 27.03.12 12:09